Bayern

Mit “Laptop und Lederhose” – das Bundesland Bayern

Das Zitat von “Laptop und Lederhose” geht auf das Jahr 1998 zurück, als der damalige Bundespräsident Roman Herzog die in Bayern besonders gut gelungene Verbindung von Tradition und Moderne zum Ausdruck bringen wollte. Tatsächlich hat das früher wesentlich agrarisch geprägte Land in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung zum modernen High-Tech-Wirtschaftsstandort genommen. Dennoch haben die Bayern ihre Tradition nicht vergessen: nicht zur zum Münchener Oktoberfest, auch zu regionalen Volksfesten tragen sie stolz ihre Lederhosen und Trachten.
Die Pflege der bayerischen Tradition passt zu einem ausgeprägten lokalpatriotischen Denken. Viele alteingesessene Bayern fühlen sich zuerst als Bayern und dann erst als Deutsche. Die CSU schafft es immer wieder, dieses Gefühl aufzugreifen und sich als starker Interessenvertreter Bayerns in Berlin zu präsentieren, was wohl einer von mehreren Gründen ist, warum sie seit Jahrzehnten fast durchgängig die absolute Mehrheit bei Landtagswahlen gewann. Zum lokalpatriotischen Denken gehört auch die Pflege des bayerischen Dialekts, der für “Preissn” (“Preußen”, d.h. die Norddeutschen) schwer verständlich, aber dennoch liebenswert erscheint. Das Bundesland Bayern hat darüber hinaus noch viel Liebenswertes zu bieten, wie mit den folgenden Abschnitten gezeigt werden soll.

Die Geschichte Bayerns: vom Königreich zur Demokratie

Vom 13. Jahrhundert bis 1805 war Bayern eines von vielen Herzogtümern im territorial zersplitterten Deutschland. Einen großen Machtzuwachs bekam es 1805, als Napoleon Bayern zum Königreich erhob. Mit der Proklamation des Königs am 1. Januar 1806 wurde vollkommene Souveränität erreicht und die Wittelsbacher errichteten eine absolute Monarchie.
Einen großen Gebietsgewinn erzielte das Königreich als eine der Siegermächte auf dem Wiener Kongress 1814/15. Damals gingen das heutige Nordbayern, ein Teil Schwabens und die damals erst geschaffene linksrheinische Pfalz in bayerisches Herrschaftsgebiet über. Als in den 1860er Jahren unter dem Druck der dominierenden Macht Preußen viele kleine Herzogtümer und Königreiche in dessen Herrschaftsbereich fielen, war klar, dass sich Bayern diesem Druck auf Dauer nicht entziehen könnte. Nur einer wollte es nicht wahrhaben: der später als “Märchenkönig” bezeichnete Ludwig II. Seinen Namen bekam er, weil er gern aus der unangenehm empfundenen Realpolitik in eine idealisierte Märchenwelt des Mittelalters flüchtete, z.B. mit den Opern Richard Wagners. Letztendlich musste sich Ludwig II. aber doch dem Druck Preußens beugen und Bayern trat dem im Januar 1871 in Versailles ausgerufenem Deutschen Kaiserreich bei.
Bayern spielte in den Wirren der Novemberrevolution 1918 eine besonders große Rolle. Am 7. November riefen die Kommunisten die Bayerische Räterepublik aus und unter dem Druck der protestierenden Massen, vor allem der sozialdemokratisch oder kommunistisch orientierten Arbeiter, trat der bayerische König am 7. November zurück. Das war zugleich für ganz Deutschland ein starkes Signal, das die Monarchie ihre Legitimation verloren hat und politisch kaum noch zu halten ist. Vor diesem Hintergrund lässt sich besser verstehen, dass schon zwei Tage später am 9. November 1918 der deutsche Kaiser zurücktrat und das machtpolitische Vakuum in Berlin von der SPD und KPD mit der Ausrufung der Republik ausgefüllt wurde.
Mit der Gleichschaltung der Nationalsozialisten verlor Bayern wie alle anderen Bundesländer auch 1933 seine Eigenständigkeit. Nach Kriegsende wurde das Land Besatzungszone der USA. Mit dem Eintritt in die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland wurde die Pfalz an Rheinland-Pfalz zurückgegeben.

Geographisches zu Bayern

Bayern ist mit einer Fläche von 70.550 Quadratkilometern das größte Bundesland Deutschlands. Nach Nordrhein-Westfalen ist es mit einer Einwohnerzahl von knapp 13 Millionen das zweitgrößte Bundesland nach Bevölkerungszahl. Durch seine Größe fällt die Bevölkerungsdichte im Vergleich zu anderen Bundesländern auf einen Mittelplatz und liegt mit 182 Einwohnern je Quadratkilometer unter der von Hessen oder Baden-Württemberg mit etwa 300.
Der Süden Bayerns ist mit großer Mehrheit katholisch geprägt. In der Region um Nürnberg und nördlich davon ist eine leichte evangelische Mehrheit zu finden.
Im äußersten Süden hat Bayern einen kleinen Anteil an den Ostalpen. Ein Stück weiter nördlich erstreckt sich das Alpenvorland, dessen Ausläufer bis fast an die Donau heranreichen. Nördlich der Donau liegt Bayern etwa 400 bis 500 Meter über dem Meeresspiegel. Hier bestimmen die Fränkische und Schwäbische Alb das Landschaftsbild. Im nördlichen Franken ist die Landschaft noch etwas flacher und wird von kleineren Hügeln und Weinbergen geprägt.
Im Norden grenzt Bayern (im Uhrzeigersinn) an die Bundesländer Hessen, Thüringen und einen kleinen Teil Sachsens. Es folgt im Osten im Bayerischen Wald die Grenze zu Tschechien, im Südosten und Süden des Landes durch die Alpen zu Österreich. Im Westen hat Bayern die Grenze zu Baden-Württemberg und teilt sich mit diesem Bundesland ein Stück vom Bodensee.

Was man in Bayern gesehen haben muss

Der schon im Abschnitt zur Geschichte erwähnte “Märchenkönig” Ludwig II. hinterließ mit seiner Flucht in idealisierte mittelalterliche Welten den Bayern ein bedeutendes touristisches Erbe. Die von ihm errichteten Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee ziehen zu Recht immer noch viele Besucher an und geben einen Einblick in vergangene Zeiten. Das berühmteste Schloss, das Touristen aus aller Welt anzieht, ist das bei Füssen gelegene, auf einem Felsen über dem Alpsee am Gebirgsrande thronende Neuschwanstein.
Wer statt Schlössern lieber nur die Berge und schöne Blicke in die ruhige Natur genießen will, ist in Bayern genau richtig. Die im äußersten Süden des Landes gelegenen Voralpen bieten im Sommer für Wanderer eine Vielzahl an Wanderwegen in touristisch gut erschlossenen Regionen. In der Region rund um den Tegernsee und Schliersee kann man zwei idyllisch gelegene Seen erkunden und dabei den Blick auf die Bergkulisse genießen. Wer eine relativ ruhige Wanderregion abseits der großen Touristenströme sucht, ist in der nahe gelegenen Region um Bayrischzell gut aufgehoben. Von 800 Metern Talhöhe bieten sich hier Tagestouren auf die etwa 1.800 Meter hohen Gipfel der Umgebung an. Etwas lebhafter geht es am nahe gelegenen Wendelstein zu. Dieser fast 1.900 Meter hohe Berg ist mit einer Seilbahn erschlossen und wird daher gern von Familien mit Kindern besucht. Von seinem Gipfel bietet sich ein herrlicher, weit reichender Blick über die bayerischen Voralpen. Wenn die Sicht besonders gut ist, kann man sogar bis zu den schneebedeckten, über 3.000 Meter hohen Bergen in Österreich blicken.
Noch höher hinaus als auf den Wendelstein geht es auf der Zugspitze in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Mit einer Höhe von etwas über 2.900 Metern ist sie Deutschlands höchster Berg und bietet einen beeindruckenden Panoramablick in die Bergwelt der Alpen. Garmisch-Partenkirchen ist ohnehin ein sehr guter Ausgangspunkt, um als Wanderer in die Bergwelt einzutauchen. Neben vielen Wanderwegen ist hier der Partnachklamm, eine enge, über Jahrmillionen vom Wasser geschaffene Schlucht, besonders sehenswert. Als Bergfreund gesehen haben sollte man auch den Watzmann, einen markant geformten Berg im äußersten südöstlichen Zipfel Bayerns nahe an der Grenze zu Österreich gelegenen Berchtesgaden. Eine sehr schöne Naturkulisse bietet dort auch der Königssee. Bei einer Schifffahrt wird man von den steil aufragenden Bergwänden, die sogar ein Echo klar hören lassen, beeindruckt und fühlt sich wie in einem norwegischen Fjord.
Wer nicht auf die höchsten Berggipfel, sondern lieber in urwüchsige Natur will, ist im Bayerischen Wald gut aufgehoben. Ein Großteil dessen ist als Nationalpark besonders geschützt. Hier wird nicht in die Natur eingegriffen, sondern sie wird sich selbst überlassen. An vielen Stellen ist daher wildwüchsiger, von Moos, Farnen und alten Baumstümpfen durchzogener Wald zu entdecken. Auch in dieser Region gibt es sehr viele Wanderwege und wer mag, kann auf etwa 1.200 Meter hohe Gipfel steigen. Der bekannteste und größte ist der Große Arber mit knapp 1.500 Metern, der auch familienfreundlich mit einer Seilbahn zu erreichen ist.
Neben den zahlreichen Naturschönheiten bietet Bayern seinen Touristen auch viele schöne Städte, die einen eigenen Abschnitt Wert sind.

Bayerische Städte

Mit einer Einwohnerzahl von 1,3 Millionen ist die Landeshauptstadt München die drittgrößte Stadt Deutschlands. Als Standort von BMW, mehreren Universitäten und vielen Dienstleistungsunternehmen ist sie eine besonders dynamische und schnell wachsende Stadt. Weltbekannt ist sie für das alljährlich von Mitte September bis Anfang Oktober stattfindende Oktoberfest, dem wohl größten Volksfest der Welt. Sehenswert ist das im neogotischen Stil des 19. Jahrhunderts errichtete Rathaus. In den Pinakotheken finden sich die bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit vielen alten Kunstwerken. Auch die Glyptothek mit ihren antiken Skulpturen und Kunstwerken ist sehr sehenswert. Wer genug von den Museen hat, kann danach im weitläufigen Englischen Garten spazieren gehen und bayerische Gastlichkeit im Biergarten genießen.
Die zweitgrößte bayerische Stadt ist die etwa 500.000 Einwohner fassende fränkische Metropole Nürnberg. Hier erwartet den Besucher eine architektonisch sehr sehenswerte, mittelalterlich geprägte Altstadt. Einige Mauerstücke und Türme aus dem 14. Jahrhundert sind gut erhalten. Das gilt vor allem für die auf einem Hügel thronende Kaiserburg, die mit ihren alten Wehrgängen einen lebendigen Eindruck des Mittelalters gibt und zudem einen schönen Blick über die Dächer der Stadt gibt. Sehenswert sind hier auch große Kirchen wie der St. Sebald Dom oder die Lorenzkirche.
Eine weiter nördlich in Franken gelegene sehenswerte Stadt ist Würzburg. Der barocke Residenzbau aus dem 18. Jahrhundert mit dem angrenzenden Park gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt lädt mit ihren Gassen zum Bummeln und Besichtigen mehrerer prunkvoller barocker Kirchen ein. Besonders sehenswert ist zudem die Alte Mainbrücke, von der man einen guten Blick auf die landschaftlich prägenden Weinhügel am Rande der Stadt hat. Von der Mainbrücke sieht man zudem die majestätisch auf einem Hügel liegende Festung Marienberg, die einen interessanten geschichtlichen Einblick und einen schönen Ausblick auf Stadt und Umland bietet.
Eine weitere sehenswerte fränkische Stadt ist Bamberg. Die zu Recht als “bayerisches Venedig” bezeichnete Stadt führt den Besucher über malerische kleine Brücken in die von heller, freundlicher Architektur geprägte Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Darüber hinaus sehenswert ist der vor 1.000 Jahren errichtete Kaiserdom, von dessen Vorplatz man zur Neuen Residenz gelangt. Dieser sehr prunkvolle Barockbau beeindruckt im Innern mit alter höfischer Pracht und hat im Innenhof mit dem Rosengarten einen Schatz für Romantiker, wenn dort im Sommer nahezu 2.000 Rosen blühen.
Erwähnt werden sollte auch Regensburg, dessen Altstadt ebenfalls zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Die Altstadt ist gut erhalten und nimmt den Besucher mit in eine mittelalterliche Welt. Vor allem der Dom ist bekannt und sehenswert.

Die Wirtschaft in Bayern

im Gegensatz zum eher strukturschwachen Nordosten Deutschlands weist Bayern eine sehr stabile wirtschaftliche Lage auf. Viele Unternehmen aus der Industrie- und Dienstleistungsbranche haben hier ihren Hauptsitz. Die Lage am Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist daher sehr gut und führt zu einer hohen Attraktivität des Standortes. Daraus wiederum resultieren viele Zuzüge und somit eine insgesamt wachsende Einwohnerzahl. Durch die große Zahl an hochqualifizierten Fachkräften sind die Löhne im Durchschnitt höher als in anderen Bundesländern.

Besonders hervorzuheben zwei Unternehmen, die für die exportabhängige deutsche Autoindustrie von größter Bedeutung sind und in Bayern ihren Hauptsitz mit Produktion und Konzernleitung haben:
– BMW in München mit ca. 122.000 Beschäftigten
– Audi in Ingolstadt mit ca. 84.500 Beschäftigten
– der Zulieferer Schaeffler mit ca. 270.000 Beschäftigten

Auch andere Industrieunternehmen sind in Bayern vertreten:
– Siemens, der größte bayerische Arbeitgerb mit fast 350.000 Angestellten
– adidas in Herzogenaurach bei Erlangen mit ca. 55.000 Beschäftigten
– MAN sowie MAN Trucks & Bus mit insgesamt ca. 85.000 Angestellten

Des Weiteren ist Bayern (und vor allem die Hauptstadt München) ein bedeutender Standort für Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche. Besonders zu erwähnen sind:
– die Allianz-Versicherung mit ca. 270.000 Angestellten
– Munich RE, ein Rückversicherer mit ca. 43.500 Beschäftigten

Die Aussage Roman Herzogs zu “Laptop und Lederhose” ist nach wie vor aktuell. Bayern ist ein Bundesland, in dem das Nebeneinander von Lederhosentrachten auf Volksfesten und Arbeitern in der High-Tech-Industrie, von modernen Bürogebäuden und mittelalterlichen Altstädten oder von Bergbauern und modischen Großstädtern kein Widerspruch, sondern der Normalfall ist.
Eine Reise in das Land mit seinen schönen Städten, den verträumten Schlössern und unzähligen Naturschönheiten bietet für jeden Besucher das Passende und lohnt sich auf jeden Fall.