Gibt die Corona-Krise den Niedersächsischen Spielbanken den Rest?

Die Umsätze in landbasierten Spielbanken waren vor der Corona-Krise gerade im Begriff, sich zu erholen. Investitionen in Spielkultur und Spielsicherheit brachten 2019 wieder mehr Besucher in die Spielbanken. Viele Spielstätten boten ihren Gästen ein umfangreiches Entertainmentprogramm. Die zehn Spielbanken in Niedersachsen lebten dabei zusätzlich von der Tradition und den Kurgästen in den Bäderstädten Bentheim, Harzburg, Zwischenahn und Pyrmont. Der Lockdown war wie für viele andere Unternehmen ein harter Schlag für die Spielbanken. Ob sie sich von der zweimonatigen Schließung wieder erholen, ist fraglich.

Gibt die Corona-Krise den Niedersächsischen Spielbanken den Rest?

Die Bundesregierung stufte die Spielbanken natürlich als nicht systemrelevant ein. Deshalb durften sie auch nach dem ersten Lockdown ziemlich als letzte Einrichtungen wieder öffnen. Und das auch nur unter strengen Auflagen. Seit 25. Mai letzten Jahres waren Besuche in Spielbanken wieder erlaubt. Aber die Kugel am Roulette-Tisch rollt nicht, weil die Abstandsregeln nicht eingehalten werden konnten. Deshalb waren nur Automatenspiele in Betrieb. Und die auch nur zu etwa 50 Prozent.

Die Alternative zu Spielbanken ist einfach bequemer

Liebhaber der klassischen Casino Spiele Roulette, Blackjack und Poker konnten auch während des Lockdowns munter weiterspielen. In den letzten Jahren hatten die Betreiber der Spielbanken vermehrt gegen die Online Konkurrenz zu kämpfen. Hier genießen Spieler gegenüber dem Spiel in der Spielbank zahlreiche Vorteile:

  • Sie müssen kein Eintrittsgeld bezahlen.
  • Sie müssen keine Kleiderordnung beachten.
  • Sie erhalten viele Angebote und Boni.
  • Sie profitieren von höheren Auszahlungsquoten bei Automatenspielen.
  • Online Casinos sind Tag und Nacht geöffnet.

Inzwischen haben wir den dritten Lockdown und die Roulette-Tische in den Spielbanken sind bereits seit über einem Jahr geschlossen. Derweil können Spieler bequem von zuhause Roulette spielen. Seit dem 15. Oktober 2020 ist das allerdings nicht mehr in jedem Online Casino möglich.

Glücksspielseiten, die sich um eine offizielle Lizenz in Deutschland bemühen, mussten die meisten Spielformen von ihren Seiten verbannen und dürfen nur noch virtuelle Automatenspiele anbieten. Auch diese wurden mit zahlreichen Beschränkungen belegt. Nur ein Beispiel dafür ist das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Es gibt aber auch Online Casinos ohne Lizenz in Deutschland. Das sind Glücksspielseiten, auf denen deutsche Spieler noch alle Spielformen wie Tischspiele, Live Casino Spiele und Jackpot Spiele vorfinden. Für deutsche Spieler ist das Spiel im Online Casino ohne Limit aus Sicht der Bundesregierung illegal, wird aber geduldet, da die Betreiber im Besitz einer EU-Lizenz sind und sich auf die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der Europäischen Union berufen.

Grauzone für Online Glücksspiele in Deutschland bald beendet

Glücksspiel ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Wie schwer es ist, eine einheitliche Regelung für alle Bundesländer zu finden, zeigt sich auch während der Corona-Krise, als jedes Bundesland seine eigenen Verordnungen erließ. In Sachen Glücksspiel ringen die Bundesländer schon seit mehr als zehn Jahren um eine einheitliche Lösung. Schleswig-Holstein vergab als einziges Bundesland Glücksspiel-Lizenzen für das Online Spiel. Ein neuer Glücksspielstaatsvertrag soll im Juli 2021 in Kraft treten. Laut tagesschau.de sollen dann bisher illegale Glücksspiele im Internet offiziell erlaubt sein. Ein Fakt, der den landbasierten Spielbanken zusätzlich zu schaffen machen dürfte.

Umsätze der Spielbanken hinken der Online Konkurrenz hinterher

Von den Zahlen her war 2019 eigentlich ein gutes Jahr für die deutschen Spielbanken. Der Bruttospielertrag (Einnahmen minus Gewinne) stieg auf 860 Millionen Euro, was einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 25,6 Prozent bedeutete. Auch sonst konnten sich die wirtschaftlichen Kennzahlen sehen lassen:

  • Besucherzahl 2019 in deutschen Spielbanken: 6,4 Millionen (+13,21%)
  • Umsatzanteil der Automatenspiele: 700 Millionen Euro (+32%)
  • Umsatzanteil klassische Tischspiele: 160 Millionen Euro (+4,1%)

Quelle: Deutscher Spielbankenverband e.V.

Zum Vergleich dazu: Der Bruttospielertrag im weltweiten Online-Glücksspielmarkt lag 2018 schon bei rund 45 Milliarden Euro. Der Umsatz allein in Deutschland lag laut der European Gaming & Betting Association hier bei 2,46 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland auf Platz 2 hinter Großbritannien.

Während die Spielbanken 2019 erstmals seit zehn Jahren wieder Zuwächse verbuchen konnten, wächst der Online-Glücksspielmarkt stetig. Zuwachszahlen im zweistelligen Bereich sind keine Seltenheit. Sportwettenanbieter und Online Casinos machen allein 75 Prozent der Umsätze aus. Der Rest verteilt sich auf Poker (5%), Bingo (4,3%), Skill Games (3,2%) und Lotterien (12,6%).

Der Umsatzeinbruch wird für Spielbanken schwer zu verkraften sein

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft stellt stationäre Unternehmen zunehmend vor Probleme. Die Leute kaufen gerade in Corona-Zeiten lieber online ein. Auch die Spieler machen es sich zuhause gemütlich und frönen ihrer Leidenschaft im Internet. Die Umsätze der Spielbanken lagen während des Lockdowns bei null. Davon profitierte natürlich der Online Glücksspielmarkt, da die Gäste von Spielbanken nun online weiterspielten.

Die zehn privatwirtschaftlichen Betriebsgesellschaften von Spielbanken an 30 deutschen Standorten und die neun Spielbankunternehmen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft an 35 Standorten werden das Geschäftsjahr 2020 in keiner guten Erinnerung behalten. Es geht ums nackte Überleben. Es ist anzunehmen, dass sich die Anzahl von 65 deutschen Spielbanken im nächsten Jahr drastisch verringern wird. Nordrhein-Westfalen hat bereits begonnen, seine in staatlicher Hand befindlichen Spielbanken an private Betreiber zu verkaufen.

Bildquelle: pixabay.com

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