Hamburg

Hamburg – das “Tor zur Welt”

Im Juli 2017 fand in Hamburg der G20-Gipfel statt und tausende Krawallmacher gaben ein Bild des Chaos ab. Dabei wurde von Hamburg ein völlig falsches Bild gezeigt, denn in Wirklichkeit ist es eine weltoffene und schöne Stadt, die jeden Besucher zum Verweilen einlädt und für jedes Interesse etwas bietet. Hamburg, das ist eine alte Hansestadt mit langer Handelstradition, die sich mit dem großen Überseehafen bis in die Moderne fortsetzt. Hamburg wird daher auch als “Tor zur Welt” bezeichnet. Dennoch bleiben sich die Hamburger einer alten Tradition treu: Typisch norddeutsch wird man hier mit “Moin, Moin” begrüßt.

Die Geschichte Hamburgs

Der Name “Hamburg” geht wahrscheinlich auf die Ende des 8. Jahrhunderts von Karl dem Großen errichtete Hammaburg zurück, die er dort bauen ließ, um den heidnischen Norden christlich zu missionieren.

Hamburgs Tradition als Handelsstadt reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, als westlich der Alster eine Marktsiedlung mit Handelsplatz gegründet wurde. Durch das 1199 von Kaiser Barbarossa verliehene Handelsrecht bekam diese Siedlung Privilegien für ein großes Gebiet und konnte so im Mittelalter immer weiter an Bedeutung gewinnen. Ein großer Vorteil Hamburgs ist die Lage zwischen Nordsee und Ostsee. So wurde die Stadt, nachdem sie im 14. Jahrhundert als eine der ersten der Hanse beitrat, zu einem wichtigen Umschlagsplatz für Handelsgüter im nordischen Raum und gelang so zu einer wichtigen Stellung im Handel, die sie über Jahrhunderte behalten sollte. Mit der Eröffnung der Hamburger Börse 1558 und der ersten deutschen Oper 1678 setzte Hamburg markante Trends und übernahm auch kulturell eine Führungsrolle. Diese setzte sich mit der Gründung des Hamburgischen Nationaltheaters 1767 fort.

Nach dem Wiener Kongress 1815 trat Hamburg als Freie Stadt dem Deutschen Bund bei und schloss sich – da militärischer Widerstand ohnehin aussichtslos war – 1867 dem von Bismarck gegründeten Norddeutschen Bund und 1871 dem Deutschen Kaiserreich bei. Hamburg wurde, als angloamerikanische Bomber 1943 flächendeckende Bombardements vieler deutscher Städte vornahmen, durch die Bomben und Brände stark getroffen. 1962 kam es zu einer großen Sturmflut in der Nordsee. Durch teils mangelhafte Deiche wurden große Teile Hamburgs südlich der Elbe überflutet. Im Zuge der Krisenbekämpfung konnte sich der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt, damals Oberbürgermeister, einen guten Namen machen.

Geographisches zu Hamburg

Neben Bremen und Berlin ist Hamburg einer der drei deutschen Stadtstaaten, d.h. Hamburg ist zugleich eine Stadt und auch ein Bundesland. Der Oberbürgermeister ist zugleich der Regierungschef. Hamburg ist mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands nach Berlin. Zählt man die Einwohner der angrenzenden kleineren Orte dazu, sind es etwa 2,7 Millionen im Ballungsraum oder je nach Zählweise sogar etwa 5 Millionen in der gesamten Metropolregion. Aus diesen angrenzenden Gebieten gibt es einen massiven Pendlerverkehr in das städtische Kerngebiet, sodass es trotz eines dichten Netzes an Regionalzügen und ÖPNV oft zu Staus kommt. Die Stadt liegt in der norddeutschen Tiefebene nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Die gesamte Umgebung ist sehr flach; die höchste Erhebung in der Nähe ist der 116 Meter hohe Hasselbrack.

Der größte Fluss durch Hamburg ist die Elbe. Sie hat mehrere Nebenflüsse wie die Bille, Alster und Este. Hamburgs nördlicher Nachbar ist Schleswig-Holstein, während die Stadt im Süden auf Niedersachsen trifft. Die Stadt ist in die sieben Bezirke Bergedorf, Harburg, Mitte, Altona, Eimsbüttel, Nord und Wandsbek eingeteilt. Diese teilen sich wiederum in 104 Stadtteile auf und diese nochmals in Ortsteile. Durch die Lage im Nordwesten Deutschlands wird Hamburg etwas öfter von Tiefausläufern von der Nordsee getroffen als der Süden Deutschlands. Im Vergleich zu München liegt daher die Zahl der Sonnenstunden etwas niedriger, während die Regenmenge etwas höher ist. Der Unterschied ist jedoch nicht so groß, dass er im Alltag signifikant auffällt. Auch die Temperaturunterschiede im Vergleich zum Süden sind nicht übermäßig groß. Aufgrund der eher maritimen Witterungseinflüsse ist es im Sommer und Winter meist ein paar Grad milder. Im Winter kann es daher sein, dass in München bei -3 Grad die Sonne scheint, während es in Hamburg bei +2 Grad matscht, taut und nieselt. Daher hat sich wohl der von Einheimischen gern verwendete Begriff des “Schmuddelwetters” etabliert.

Die Wirtschaft in Hamburg

Das BIP ist mit 61.150 Euro pro Kopf und Jahr im Durchschnitt das höchste in Deutschland. Der reine Durchschnittswert verdeckt aber eine (für Großstädte typische, wenn auch in Hamburg etwas stärker ausgeprägte) soziale Spaltung in überdurchschnittlich Verdienende auf der einen und Sozialleistungsempfänger auf der anderen Seite. Deren Anteil ist vor allem unter den etwa 14% Ausländern relativ hoch.

Einer der wichtigsten und größten Arbeitgeber in Hamburg ist das Luftfahrtunternehmen Airbus mit ca. 12.000 Beschäftigten. Auch die Lufthansa mit ca. 10.000 Arbeitnehmern und die Deutsche Bahn mit 8.300 Angestellten sind relativ stark vertreten. Weitere wichtige Arbeitgeber mit einer Beschäftigtenzahl zwischen 8.000 und 3.000 sind:

– die Otto Group
– die Deutsche Post mit ihrem großen Logistikzentrum
– die Beiersdorf AG, ein Kosmetikhersteller
– die Telekom
– die Versicherungen Signal Iduna und Allianz

Hamburg ist darüber hinaus ein wichtiger Medienstandort. Große, überregionale Zeitungen und Zeitschriften wie “Der Spiegel”, “Die Zeit” und der “Stern” werden hier produziert. Auch der Großverlag Axel Springer hat hier seinen Sitz. Es haben sich zudem viele Tiefdruckereien in Hamburg angesiedelt, sodass inzwischen etwa die Hälfte aller überregionalen Presseprodukte dort hergestellt werden. Als wichtiger Medienstandort kann Hamburg zudem gelten, weil der Norddeutsche Rundfunk (NDR) dort seinen Hauptsitz hat. Das ZDF hat zudem ein Regionalstudio in der Hansestadt.

Der Hamburger Hafen ist zwar mit 3.500 Angestellten im Logistikbereich nicht der größte Arbeitgeber in der Stadt, aber als Umschlagplatz für Waren aus aller Welt kommt ihm eine enorme wirtschaftliche Bedeutung zu. Der Hafen verbindet Hamburg mit 950 Häfen in 178 Ländern – internationaler geht es kaum. Er ist der bei weitem größte Seehafen in Deutschland und nach Rotterdam der zweitgrößte in Europa. Weltweit steht er auf Platz 15 der größten Häfen, seine Fläche beträgt ca. 7.400 Hektar. Im Bereich des Teppichhandels ist der Hamburger Hafen sogar der weltweit bedeutendste. Aufgrund der Lage in Nordseenähe steht der Hafen unter dem Einfluss von Ebbe und Flut. Das Problem dabei: mit jeder Flut werden in ihn Sedimente transportiert, die, wenn man nichts dagegen unternähme, im Laufe der Zeit zu einer Versandung führen würden. Es muss also immer wieder auf eine ausreichende Wassertiefe geachtet und bei Bedarf eine Sandabbaggerung vorgenommen werden. Die richtige Wassertiefe ist noch in weiterer Hinsicht ein wichtiges Thema: international werden im Trend die Containerschiffe immer größer und einige haben jetzt schon einen Tiefgang von mehr als 16 Metern. Stadtintern wird daher diskutiert, die Tiefe der Unterelbe um 1,50 Meter auszubauen. Die Idee bleibt umstritten, denn Befürworter argumentieren mit dem Druck wirtschaftlichen Wettbewerbs für den Hafen, der große Containerschiffe zu verlieren droht. Gegner führen den Umweltschutz als Argument gegen einen Ausbau an.

Hamburg ist zudem ein wichtiger Standort für Kongresse aller Art. Jährlich finden etwa 400 Kongresse und Tagungen statt, es gibt dafür 23 Säle mit 12.500 Plätzen.
Da es viel Sehenswertes und Interessantes in Hamburg gibt (siehe nächster Abschnitt), wächst die Bedeutung des Städtetourismus in wirtschaftlicher Hinsicht. Seit den letzten Jahren liegt Hamburg zwischen Platz 10 und 12 auf der Liste beliebtester Städte als Reiseziel in Europa. Die Zahl der Übernachtungen hat sich mit 12,6 Millionen im Jahre 2015 gegenüber dem Wert von 2005 (6,5 Millionen) fast verdoppelt.

Sehenswertes und Interessantes in Hamburg

Der Hafen ist nicht nur ein großer Wirtschaftsfaktor, sondern auch touristisch attraktiv. Im Angebot sind viele Arten von Hafenrundfahrten aller Art. Man kann mit einer kleinen Barkasse fahren, den leichten Seegang spüren und beim Anblick der großen Containerschiffe staunen. Es ist aber auch möglich, mit einem großen Schaufelraddampfer inklusive gastronomischem Angebot zu fahren. Egal mit welchem Schiff, an einem Bauwerk kommt man nicht vorbei: an der Anfang 2017 nach langer Bauzeit endlich fertiggestellten Elbphilharmonie, die eine spektakuläre Architektur bietet und Liebhaber klassischer Opern mit ihrer optimalen Akustik zu beeindrucken weiß.
Besonders sehenswert ist der nahe am Hafen gelegene Fischmarkt. Jeden Sonntag öffnen die ersten Stände hier schon ab 5 Uhr morgens – es ist also gut möglich, dass Frühaufsteher hier auf spät heimkehrende Nachtschwärmer treffen. Das besondere Flair des Marktes entsteht durch die Marktschreier, die sich die Seele aus dem Leib schreien, um auch den letzten Kunden noch zu überzeugen.

Besucher, die nach einer (aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens immer gegenüber dem Auto zu bevorzugenden) Bahnfahrt am Hauptbahnhof ankommen, können gleich den Ausgang Mönckebergstraße wählen und gelangen so in eine der besten Shoppingmeilen Hamburgs, in der sich große Kaufhäuser wie Galeria Kaufhof an Modegeschäfte reihen. Wer die Straße weitergeht, kommt zum Rathaus. Es wurde im späten 19. Jahrhundert eingeweiht und zeigt dem Besucher eine sonst für hanseatische Architektur untypische prunkvolle Verzierung. Innen ist der Kaisersaal sehenswert, der mit seiner großen Deckenmalerei passend zur Geschichte Hamburgs die Handelsschifffahrt thematisiert.
Das Wahrzeichen der Stadt ist der umgangssprachlich als “Michel” bezeichnete Turm der St. Michaeliskirche. Der Aufstieg (oder auch die bequemere Fahrstuhlfahrt) zur Aussichtsplattform in 106 Metern Höhe lohnt sich auf jeden Fall, weil man mit einem weiten Blick über die Stadt belohnt wird und auch den Hafen sehr gut sehen kann. Ein besonderes Erlebnis bietet sich bei einer nächtlichen Auffahrt, wenn die Lichter der Stadt ein magisches Spiel abliefern.

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist Hamburgs Vergnügungsviertel, die (manchmal auch “Kiez” genannte) Reeperbahn in St. Pauli. Hier gibt es zwar käufliche Liebe, aber darauf sollte die Reeperbahn nicht reduziert werden, denn das Unterhaltungsangebot ist breit gefächert und umfasst auch Kabarett, Discos und Kneipen.
Nicht nur für Männerabende, sondern einen Besuch mit der ganzen Familie geeignet ist die Speicherstadt. Hier sieht man die aus dem 19. Jahrhundert erhaltenen Lagerhallen des Überseehandels. Sie bilden den weltweit größten Lagerhauskomplex und wurden deshalb auch als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet. Das besondere an ihnen: sie wurden auf Eichenpfählen gebaut und werden von zahlreichen Kanälen (auf norddeutsch “Fleeten”) durchzogen, die je nach Tidenstand geflutet und dann mit kleinen Booten befahrbar sind. Direkt in der Speicherstadt befindet sich zudem das Miniaturwunderland, das Erwachsene und Kinder gleichermaßen beeindrucken wird. Bei seiner Beschreibung kommt man an Superlativen kaum vorbei: rund 900 Züge mit 14.500 Waggons, 215.000 Figuren, 9.000 Autos und 13 Kilometer Gleis bilden eine grandiose Welt für sich. Die Stadt Hamburg mit dem Hafenbereich, der Elbphilharmonie und dem Flughafen wird gezeigt, ebenso aber auch die Schweiz mit ihrer Bergwelt oder das berühmte Las Vegas. Auch der Skandinavien-Raum mit einem Echtwasserbecken, in dem Schiffe von Hafen zu Hafen fahren, ist wie alles im Miniaturwunderland mit viel Arbeit und Liebe zum Detail errichtet worden.
Hamburg hat zudem einige interessante Museen. Das Internationale Maritime Museum bietet dem an Seefahrt Interessierten viel Sehens- und Wissenswertes über die Welt der Schiffe. Auf 10 Ebenen findet sich hier alles: von kleinen Modellbauten über Funktechnik und Leuchttürme bis hin zu naturwissenschaftlichen Betrachtungen des Meeres. Für Kunstfreunde ist ein Besuch der Hamburger Kunsthalle in direkter Lage am Hauptbahnhof zu empfehlen. Sie zeigt 700 Jahre Kunstgeschichte und beginnt mit dem Mittelalter, führt dann über Landschaftsgemälde (u.a. vom berühmten Caspar David Friedrich) und Porträts aus dem 19. Jahrhundert bis zur Klassischen Moderne des Expressionismus. Im Nebengebäude zeigt die Kunsthalle zusätzlich die abstrakte Kunst der Gegenwart.

Wer es wörtlich genommen liebt, in eine andere Welt abzutauchen, sollte einen Besuch im U-Boot-Museum nicht verpassen. Dicht beim Fischmarkt liegt ein erst 2002 außer Dienst gestelltes russisches U-Boot vor Anker, das als Museum ausgebaut ist. Es ist faszinierend, das Innere des 90 Meter langen U-Bootes zu sehen und dabei einen Eindruck von den Kajüten, Aufenthaltsräumen und der Kommandozentrale zu bekommen.

Hamburg, die Hansestadt mit langer Handelstradition, hat also für Besucher mit Interessen aller Art viel Interessantes zu bieten. Egal, ob Hafenrundfahrt, Einkaufsbummel oder Speicherstadt- im “Tor zur Welt” gibt es viel zu entdecken!