Länderbehörde vergibt erste Lizenzen für Online-Spielautomaten 

Das Glücksspiel ist in Deutschland eine Angelegenheit der Bundesländer. Rund zwei Jahre ist es nun her, dass sich die Ministerpräsidenten darauf einigten, Glücksspiele im Internet zu erlauben. Die Reform trat schon im Juli 2021 in Kraft. Fast ein Jahr später wurden nun die ersten Lizenzen für den Betrieb von Online-Spielautomaten erteilt. Das stellt für die Glücksspielbranche einen großen Schritt nach vorne dar. Allerdings regen sich auch schon erste Stimmen, die Nachbesserungen bei dem Gesetzeswerk fordern. 

Länderbehörde vergibt erste Lizenzen für Online-Spielautomaten 

Ein langwieriger Prozess 

Selbst für deutsche Verhältnisse war der Genehmigungsprozess für die ersten Online-Casinos ungewöhnlich lang. Das liegt daran, dass die Länder hohe bürokratische Hürden für die Erteilung einer Glücksspiellizenz gestellt haben. Unternehmer müssen ihre persönliche Eignung ebenso nachweisen wie eine tragfähige Finanzplanung. Zudem müssen sie eine Sicherheitsleistung in Millionenhöhe hinterlegen und ihre Software an die deutschen Anforderungen anpassen. Trotz des hohen Aufwands haben rund 70 Firmen sich bislang um die Lizenz beworben. Die sogenannte Whitelist des Landesverwaltungsamts von Sachsen-Anhalt (LVA) enthält Stand August 2022 sechs Unternehmen, denen die Genehmigung für Automatenspiele erteilt wurde. Damit gibt es erstmals Online-Casinos mit einer deutschen Lizenz, die für das gesamte Bundesgebiet gültig ist. 

Gemeinsame Glücksspielbehörde nimmt ihre Arbeit auf 

Trotzdem ist es noch ein langer Weg, bis alle offenen Anträge abgearbeitet sind. Aktuell ist dafür noch das LVA zuständig. Doch bald wird diese Verantwortung an die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle übergehen, die Anfang Juli erste Aufgaben übernahm. Sie soll zukünftig neben der Vergabe von Lizenzen auch die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen im Online-Glücksspiel überwachen. Dazu gehören zum einen Kontrollen bei den lizenzierten Anbietern. Zum anderen soll die Behörde aber auch Zahlungen an Plattformen ohne gültige Lizenz unterbinden und notfalls sogar den Zugriff auf verbotene Seiten per Netzsperre blockieren. Erste Schritte geht die Behörde offensichtlich schon jetzt. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf Schwarzmarkt-Anbieter, deren Sitz außerhalb der EU liegt. Denn diese Firmen haben ohnehin keine Chance, eine der neuen Glücksspiellizenzen zu erhalten. Europäische Anbieter werden hingegen vorerst toleriert, vorausgesetzt sie richten sich bei ihren deutschsprachigen Angeboten auch nach den deutschen Regelungen. 

Wunsch nach mehr Kundenfreundlichkeit 

Unterdessen mehren sich die Stimmen, die Verbesserungen an der Reform fordern. Denn im Vergleich zu Online-Casinos aus anderen EU-Ländern haben deutsche Plattformen einige Nachteile. Der Glücksspielstaatsvertrag sieht viele Einschränkungen vor, die sich negativ auf den Komfort der Nutzer auswirken. Wer zum Beispiel ein kundenfreundliches Pay n Play Casino sucht, bei dem er sich über sein Bankkonto ausweisen und ohne Anmeldung spielen kann, wird nur im Ausland fündig. Bei deutschen Casinos ist der Prozess zur Verifizierung der Identität hingegen langwierig und schreckt viele Nutzer ab. Auch die besonderen Regeln für Automatenspiele in Deutschland sind vielen Spielern ein Dorn im Auge. Unter anderem gibt es ein Einsatzlimit von einem Euro pro Runde, beliebte Spielmodi wie Autospin oder Jackpot-Spiele sind nicht erlaubt. Diese Regelungen erschweren den Kampf gegen illegale Angebote, da die Nutzer der deutschen Casinos nach Ausweichmöglichkeiten suchen könnten. 

Die Länder werden daher auch weiterhin nicht darum herumkommen, sich mit dem Thema Online-Glücksspiel auseinanderzusetzen. Aber trotz einiger Startschwierigkeiten spricht vieles dafür, dass Online Casinos in Deutschland nun eine Perspektive haben. 

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