Bundesländer

Der deutsche Bundesstaat

Die Bundesrepublik Deutschland ist durch ihre föderale Verfassungsordnung in mehrere Länder eingeteilt. Diese Länder werden im allgemeinen Sprachgebrauch als Bundesland bezeichnet. Deutschland ist im eigentlichen Sinne ein Bundesstaat und erhält erst über seine Gliedstaaten den Staatscharakter. Die einzelnen Länder oder auch Bundesländer haben durch ihre eigene Staatsgewalt eine Staatsqualität. Der Anspruch auf Völkerrechte wird jedoch von denen des Bundes nur abgeleitet. Dennoch bestimmen die Bundesländer einige Gesetze selbst, wie die Beispiele Schulpolitik, Polizeiwesen, Strafvollzug oder Denkmalschutz aufzeigen. Damit diese Gesetze erlassen werden können, hat jedes Bundesland eine Landesregierung und ein Landesparlament. Ebenfalls sind die Bundesländer in der Lage, wirtschaftliche Verträge mit anderen Staaten zu schließen. Außerdem können die Länder über den Bundesrat bei nationalen Gesetzen mitsprechen und diese durchwinken oder ablehnen.

Die sechzehn Länder

In Deutschland gibt es 16 Bundesländer, die nach und nach in der Geschichte des Staates entstanden sind. Folgende Bundesländer bilden die Bundesrepublik Deutschland: (Hauptstadt der Flächenländer in Klammern)

 

 

Karte der Bundesländer in Deutschland

 

 

Schleswig-Holstein befindet sich im Norden Deutschlands und ist von der Ost- und der Nordsee umgeben. Mit 2,8 Millionen Einwohnern auf 15.800 km² gehört das Land eher zu den kleineren Bundesländern. Verhältnismäßig viele Einwohner arbeiten in der Landwirtschaft oder leben vom Tourismus.

Hamburg ist ein Stadtstaat und zugleich zweitgrößte Stadt in Deutschland. 1,8 Millionen Einwohner leben in der Stadt, die bei Touristen sehr beliebt ist. Berühmt sind die Speicherstadt, die neue Elbphilharmonie und der Stadtteil St. Pauli mit dem Rotlichtviertel an der Reeperbahn. Ein großer Wirtschaftsfaktor ist der Hamburger Hafen.

Das zweitgrößte Flächenland in Deutschland ist Niedersachsen. Hier leben 7,9 Millionen Menschen zwischen Nordseeküste und Harz. Acht Großstädte gibt es in Niedersachsen und auch die Städte Bremen und Hamburg wirken sich auf das Land aus. Die Wirtschaft im Land ist ausgeglichen, wobei dem Autokonzern Volkswagen eine große Rolle zu Teil kommt.

Mecklenburg Vorpommern liegt im Nordosten der Bundesrepublik und ist mit nur 69 Einwohnern auf einem Quadratkilometer sehr dünn besiedelt. Die Region lebt vom Tourismus an der Ostsee und der Müritz. Außerdem sind die maritime Wirtschaft und die Landwirtschaft sehr präsent.

Bremen ist der kleinste Stadtstaat der Bundesrepublik. Zum Land gehört neben Bremen die Küstenstadt Bremerhaven. 670.000 Einwohner wohnen im flächen- und einwohnerärmsten Bundesland. Die maritime Wirtschaft, sowie die Industrie sind Bremens größte Arbeitgeber.

Brandenburg liegt im Osten von Deutschland und gehört zu den flächenmäßig größten Ländern. Dennoch leben hier nur 2,5 Millionen Menschen und diese zumeist im Speckgürtel von Berlin. Im ländlichen Brandenburg herrscht eine sehr hohe Arbeitslosenquote mit geringer Kaufkraft unter EU-Niveau.

Sachsen-Anhalt befindet sich in Mitteldeutschland ohne Grenze zum Ausland. 2,25 Millionen Menschen leben im Land. Halle und Magdeburg sind die kulturellen und wissenschaftlichen Zentren. Chemie, Maschinenbau und Ernährungsgewerbe zählen zu den wichtigsten Wirtschaftsbranchen.

Berlin ist die Hauptstadt der Bundesrepublik und gleichzeitig Stadtstaat. 3,5 Millionen Menschen leben in der Metropole, die komplett vom Land Brandenburg umschlossen ist. Berlin hat eine lange Tradition und ist beliebt bei Touristen. Die Stadt ist seit Jahrzehnten hoch verschuldet.

Das Land Nordrhein-Westfalen im Westen ist das bevölkerungsreichste der Bundesrepublik. 17,8 Millionen Einwohner hat das Land, welches eine lange Tradition in der Industrie besitzt. Mit dem Ruhrgebiet und der Rheinregion befinden sich zwei wichtige Wirtschaftsstandorte im Land.

In der Mitte von Deutschland liegt das Land Hessen mit seinen 6,2 Millionen Einwohnern. Das Land ist geprägt durch seine Mittelgebirge und die zahlreichen Flüsse. Die Wirtschaftskraft steckt am Finanzplatz Frankfurt, wo sich auch der bedeutendste Flughafen in Deutschland befindet.

Thüringen wird als das grüne Herz Deutschlands bezeichnet. Der Binnenstaat beherbergt 2,2 Millionen Einwohner. Mit dem Thüringer Wald befindet sich eine wichtige Touristenregion im Land. Die Zentren Jena, Gera, Weimar und Erfurt haben eine lange Geschichte.

Der Freistaat Sachsen ist im Osten des Landes an der tschechischen Grenze. Etwa 4 Millionen Menschen leben in Sachsen, wobei sich vieles auf die drei Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz konzentriert. Die Skigebiete im Erzgebirge sind ein beliebtes Ausflugsziel.

In Rheinland-Pfalz liegt am Rhein die Wiege Deutschlands. 4 Millionen Einwohner hat das Land, welches durch seinen Weinanbau an der Mosel berühmt ist. Zahlreiche Burgen, Flüsse und herausragende Sakralbauten prägen das Landschaftsbild, sodass der Tourismus blüht.

Das kleinste deutsche Flächenland ist das Saarland mit knapp einer Million Einwohnern. Landschaftlich ist die Region von der Saar und den französischen Einflüssen geprägt. Das Saarland hat eine lange Tradition im Kohleabbau, wechselt jetzt jedoch in Tourismusbranche.

Der Freistaat Bayern ist das flächenmäßig größte Land und hat knapp 13 Millionen Einwohner. Das Land ist vielfältig und besitzt durch die Alpen das einzige Hochgebirge. Die Millionenstadt München ist Hauptstadt. Besondere Wirtschaftskraft liegt in der Automobilbranche.

Baden-Württemberg gehört mit seinen 10,8 Millionen Menschen zu den wohlhabendsten Regionen in ganz Europa. Viel Industrie gibt es zwischen Bodensee und Neckar. Zentrum des Landes ist Stuttgart mit den Autobauern Porsche und Mercedes. Der Tourismus brummt im Schwarzwald und am Bodensee.

 

Länder mit Sondernamen

In der Bundesrepublik Deutschland existieren elf Glieder, die sich amtlich als Land bezeichnen. Dazu führen die drei Länder Bayern, Sachsen und Thüringen den Zusatztitel Freistaat. Diese Titel tragen die Länder aus ihrer Vergangenheit heraus. Ursprünglich wurden im 19. Jahrhundert die Staaten als Freistaaten bezeichnet, die nicht von einem Monarchen regiert wurden und somit als frühe Republiken galten. Die Länder Bayern, Sachsen und Thüringen haben ihre traditionelle Bezeichnung Freistaat seit den Jahren 1918 und 1920. In den heutigen Grenzen besitzt Bayern die Zusatzbezeichnung seit dem Jahr 1945, genau wie das ehemalige Land Baden. Der Freistaat Sachsen nennt sich seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 als solcher und Thüringen entschloss sich 1993 zu seinem neuen Namen. Neben den Freistaaten gibt es die Freien Städte, wozu Bremen und Hamburg gehören. Offiziell heißen diese Freie Hansestadt Bremen und Freie und Hansestadt Hamburg. Beide Namen stammen ebenfalls aus der Tradition heraus und bedeuten so viel, dass die Städte in früherer Zeit zur Hanse gehörten. Außerdem verrät die Bezeichnung Freie Stadt, dass Bremen und Hamburg Gliedstaaten im Deutschen Reich seit dem Jahr 1871 waren. Die Hauptstadt Berlin zählt zu den Gliedern, die sich offiziell als Land bezeichnen, jedoch ist Berlin gleichzeitig wie Bremen und Hamburg ein Stadtstaat. Alle Bezeichnungen wie Freistaat oder Freie Stadt haben keinerlei Auswirkung auf die Rechte der Länder. Die Zusatzbezeichnungen sind aus der Tradition heraus gewachsen und haben nur einen historischen Hintergrund. Alle Länder in der Bundesrepublik Deutschland haben die gleiche Stellung nach dem Verfassungsrecht und können durch ihre Zusatzbezeichnungen keine Sonderstellungen erreichen.

Die Historie der Bundesländer

 

Die Bundesrepublik Deutschland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu geordnet, wobei die einzelnen Besatzungszonen den Ländern neue Grenzen gaben, die größtenteils bereits mit den heutigen Grenzen übereinstimmten. In den folgenden Jahren einigten sich die Besatzungsmächte Frankreich, Großbritannien und USA darauf, Deutschland in eine Teilsouveränität zu entlassen. In diesem Zusammenhang wurde sich auf einen Bundesstaat mit Ländern geeinigt, sodass die meisten Bundesländer mit dem deutschen Grundgesetz am 23. Mai 1949 gegründet wurden. Zwölf Länder bildeten zu diesem Zeitpunkt die Bundesrepublik Deutschland:

– Baden
– Bayern
– Berlin
– Bremen
– Hamburg
– Hessen
– Niedersachsen
– Nordrhein-Westfalen
– Rheinland-Pfalz
– Schleswig-Holstein
– Württemberg-Baden
– Württemberg-Hohenzollern

Bundesrepublik Deutschland Besatzungszonen ab 1945

Innerhalb dieser Länder kam Berlin als geteilte Hauptstadt stets eine Sonderrolle zu, da es offiziell als Land angesehen wurde, aber dennoch durch die Besatzung der Sowjetunion im Osten nicht als solches agieren konnte. Eine erste Änderung am System der Länder gab es im Jahr 1952, als die Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden zum Bundesland Baden-Württemberg zusammengeschlossen wurden. Dies erfolgte nach einer Volksabstimmung aus dem Jahr 1951, bei der sich drei von vier Abstimmungsbezirken, zum Teil deutlich, für eine Vereinigung aussprachen. Das elfte Bundesland (Berlin eingeschlossen) kam im Jahr 1957 zur Bundesrepublik Deutschland, nachdem das bisher unabhängige Saarland nach einer Volksbefragung den Eintritt beantragt hatte. Die nächste grundlegende Veränderung erteilte Deutschland dann erst im Jahr 1990 mit der Wiedervereinigung. Am 03.10.1990 stießen mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gleich fünf neue Länder zur Bundesrepublik Deutschland. Diese Länder entstanden aus den bisherigen vierzehn Bezirken der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Die Grenzen der neuen Länder wurden angelehnt an die ehemaligen Länder der Besatzungszone Sowjetunion zwischen 1945 und 1952. Außerdem gehört das vereinte Berlin seit 1990 ohne jeden Zweifel als Land zur Bundesrepublik Deutschland. An der Zusammensetzung der Länder hat sich seit 1990 bis heute nichts geändert.

Besonderheit neue Bundesländer

Die Wiedervereinigung Deutschlands war ein bedeutender Schritt, bei der gleichzeitig fünf neue Bundesländer zum Staatsgebiet der Bundesrepublik hinzukamen. Folgende, damals als Ostdeutschland bezeichnete Länder, gehören seit dem 03.10.1990 zu Deutschland:

– Brandenburg
– Mecklenburg-Vorpommern
– Thüringen
– Sachsen
– Sachsen-Anhalt

Über einen langen Zeitraum bestand die Grenze zwischen den neuen und den alten Bundesländern in den Köpfen der Deutschen weiter. Dieses Gedankengut löscht sich jedoch immer deutlicher aus, sodass die Wiedervereinigung als Normalität angesehen wird. Dennoch musste ein schwieriger Prozess vollendet werden, da die Wirtschaftskraft der neuen Bundesländer durch die Planwirtschaft der DDR deutlich hinter der der alten Bundesländer stand. Über den sogenannten Solidaritätszuschlag mussten seit der Wiedervereinigung alle Deutschen einen Teil ihres Gehalts für den Aufbau in Ostdeutschland abgeben. Von diesem Geld wurden dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur, in die Medienlandschaft, in Kultur- und Sportangebote und in die Wirtschaft gesteckt. Noch heute sind nicht alle Regionen und Dörfer renoviert, sodass die Landflucht in einigen Ländern wie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern drastische Züge angenommen hat. Der Solidaritätszuschlag wird jedoch in absehbarer Zukunft abgeschafft und ab diesem Zeitpunkt wird es keinen Unterschied zwischen neuen und alten Bundesländern geben. Das Wort Ostdeutschland kann ab diesem Zeitpunkt ausschließlich geografisch gesehen werden.

Andere Länder andere Gesetze

Die Menschen in Deutschland werden keinen großen Unterschied davon merken, in welchem Bundesland sie gerade leben. Die wichtigen Grundgesetze gelten für alle Deutschen und auch die grundlegenden Dinge wie Finanz-, Außen- oder Sozialpolitik. Dennoch dürfen die einzelnen Glieder des Bundes eigene Gesetze in bestimmten Bereichen erlassen. Hier unterscheiden sich die Länder, was letztendlich auch die Bürger in gewissem Maße betrifft. Die Gesetze für folgende Bereiche werden ausschließlich durch die jeweiligen Landesregierungen erlassen:

– Bildung
– Kultur
– Gemeinde-/Kreisrecht
– Polizeiwesen
– Ordnungsrecht
– Denkmalschutz
– Rundfunk- und Medienwesen
– Hochschulwesen
– Versammlungsrecht
– Sozialer Wohnungsbau
– Ladenschluss
– Gaststättenrecht
– Strafvollzug
– Flurbereinigung
– Presserecht

Eltern werden ganz besonders auf die Schulpolitik achten, da hier entschieden wird, auf welche Daten die Ferien in den einzelnen Ländern fallen. Außerdem ist die Abiturlänge immer wieder ein Thema in den Landesparlamenten. Mit dem Gaststättenrecht wurden die Bürger über lange Zeit durch die unterschiedlichen Gesetze zum Rauchen konfrontiert. Der Ladenschluss bestimmt, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten Geschäfte ihre Waren verkaufen dürfen. Im Hochschulwesen wird über Studiengebühren entschieden, die in einigen Ländern anfallen, in anderen jedoch nicht. Das Kulturwesen bestimmt, welche Museen im Land frei zugänglich sind. Unterschiede in den Ländern sind also durchaus zu finden, wobei dennoch die wichtigen Gesetze vom Bundestag und Bundesrat erlassen werden.

Die deutschen Nachbarn

Die Bundesrepublik Deutschland liegt im Herzen von Europa und ist daher von zahlreichen Nachbarn umgeben. Insgesamt beläuft sich die Zahl auf neun Nachbarn, wobei bis auf die Schweiz alle Staaten zur EU gehören und somit ein freier Grenzübertritt gewährleistet ist. Mit dem Euro besitzt Deutschland mit fünf seiner Nachbarn (Niederlande, Luxemburg, Belgien, Frankreich und Österreich) eine gemeinsame Währung. Welche Staaten an Deutschland grenzen, verrät die folgende Liste. Die jeweilige Hauptstadt ist in Klammern aufgeführt.

Norden:
Dänemark (Kopenhagen)

Westen:
Niederlande (Amsterdam)
Luxemburg (Luxemburg)
Belgien (Brüssel)
Frankreich (Paris)

Süden:
Schweiz (Bern)
Österreich (Wien)

Osten:
Tschechien (Prag)
Polen (Warschau)