Stuttgart

Stuttgart- Schwäbische Metropole und Landeshauptstadt

Stuttgart liegt im Südwesten Deutschlands, ist Landeshauptstadt von Baden-Württemberg und somit auch Sitz der Landesregierung. Mit 635911 Einwohnern ist sie die größte Stadt des Bundeslandes und sechstgrößte Stadt Deutschlands. Außerdem liegt Stuttgart im Zentrum der gleichnamigen Metropolregion, die knapp 5,3 Millionen Einwohner umfasst. Viele dort ansässige Wirtschaftsunternehmen machen die schwäbische Metropole zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen aller Bundesländer Deutschlands.

Daher ist Stuttgart, trotz der besonderen Lage in einem Talkessel, wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Das Autobahnkreuz Stuttgart hat täglich ein enorm hohes Verkehrsaufkommen und ist aufgrund der teils sehr steilen Abschnitte äußerst anfällig für plötzliche und lange Staus. Mit dem Umbau des Hauptbahnhofes – Stuttgart 21 – soll auch der Schienenverkehr verbessert und schnellere Verbindungen geschaffen werden. Der größte Flughafen Baden-Württembergs befindet sich ebenfalls in Stuttgart und hat ein jährliches Passagieraufkommen von 11 Millionen Fluggästen.

Sprache:Deutsch
Geographische Lage:Koordinaten: Breitengrad 52° 31′ N Längengrad 13° 24′ O
Fläche:207,33 km2
Stadtgliederung:23 Stadtbezirke, 152 Stadtteile
Postleitzahlen:70173–70619
Telefonvorwahl:0711
Kfz-Kennzeichen:S

Von den Römern bis heute – Stuttgart im Wandel

Bereits in römischer Zeit waren Teile Stuttgarts besiedelt. Vor allem auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Bad Cannstatt entstand schon im Jahr 90 n. Chr. eine erste größere Siedlung. Zur Sicherung des damals schon wichtigen Verkehrswegs von Mainz und dem Rheinland in Richtung Augsburg wurde hier ein Kastell erbaut, das einen großen Kavallerieverband mit bis zu 500 Reitern beherbergte. Neben dem Schutz dieses wichtigen Knotenpunkts waren es die mineralischen Quellen, die den Standort so attraktiv machten. Archäologische Funden belegen, dass Cannstatt zu Zeiten der Römer sogar größer war als im Mittelalter. Während der Bauarbeiten zum neuen Hauptbahnhof wurden sogar auch im Stadtzentrum Ruinen einer römischen Ziegelei entdeckt.

Im Jahr 2014 entdeckte man wieder bei Bauarbeiten für Stuttgart 21 die Überreste einer alemannischen Siedlung. Ein weiterer Beleg für eine durchgängige Besiedlung des heutigen Stadtgebietes wurde so gefunden. Erstmalige urkundliche Erwähnung fand Bad Cannstatt als ältester Stadtteil Stuttgarts im Jahr 700 n. Chr. Die Ursprünge des heutigen Stadtnamens gehen dann auf das 10. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit wurde im Nesenbachtal ein Gestüt (Stuotgarten) gegründet, was vermutlich auf Ansinnen von Herzog Liudolf von Schwaben zurückzuführen ist. Dabei soll vor allem der zu drei Seiten geschlossene Talkessel ideal für die Pferdezucht gewesen sein. Für die Erweiterung der Siedlung allerdings waren diese geografischen Gegebenheiten jedoch eher hinderlich.

Die Siedlung Stuokarten wurde dann erstmals im Jahr 1160 erwähnt, was allerdings erst in den 1950er Jahren ans Tageslicht kam. Nach einer regen Diskussion, ob man nun im Jahr 1960 das 800-jährige Bestehen der Stadt feiern sollte, entschied man sich jedoch dagegen. Schließlich beging man erst 1929 den vermeintlichen 700. Stadtgeburtstag. Mitte des 13. Jahrhunderts entstand auf dem Gebiet des Alten Schlosses im Zentrum des heutigen Stuttgarts eine Burg, die im Verlauf der Geschichte zu einer Wasserburg ausgebaut werden sollte. Mit der Verlegung einiger wichtiger kirchenpolitischer Einrichtungen aus den umliegenden Orten nach Stuttgart, gewann sie endgültig ihren Status als Stadt.

Weitere Bedeutung erlangte Stuttgart als es 1495 zur Herzogsresidenz erhoben wurde. Im darauffolgenden Jahrhundert entstanden bereits einige Gebäude, die noch heute das Stadtbild prägen. So wurde die Burg zu einem Renaissanceschloss umgebaut, welches in der Baustruktur dem heutigen Alten Schloss nahe kommt. Auch der Schillerplatz wurde damals angelegt, ebenso wie die heutigen Parkseen, die der Stadt damals als Wasserspeicher dienten. Trotz der Errichtung weiterer repräsentativer Bauten wie dem Neuen Schloss, dem Schloss Solitude oder dem Schloss Hohenheim, war Stuttgart dennoch eher eine kleine Provinzstadt. Viele der rund 20000 Bewohner lebten in engen Gassen und betrieben Ackerbau und Viehzucht. 1806 stieg Stuttgart zur Residenz des Königreichs Württemberg auf und entwickelte sich, auch wegen der wachsenden Industrialisierung, langsam zur Metropole.

der Schloßplatz vom neuen Schloß in Stuttgart

Während des Ersten Weltkriegs kam es in den Jahren 1915 und 1918 zu zwei größeren Bombenangriffen auf die Stadt. Im Zuge der Novemberrevolution 1918 wurde Stuttgart zur Landeshauptstadt des Volksstaates Württemberg. Knapp ein Jahr darauf wurde die erste Landesverfassung verabschiedet. Als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum im Südwesten Deutschlands wurde Stuttgart mit Bauten wie dem Tagblatt-Turm, dem Kaufhaus Schocken oder der Weißenhofsiedlung zu einem Vorreiter in Sachen Städtebau. Vor allem durch Eingemeindungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte die Stadt nach und nach ihre heutige Ausdehnung. Bis ins Jahr 1942 und der Zuordnung von Stammheim und anderer südlicher Vororte sollte dies anhalten.

In der Zeit zwischen 1933 -1945

Seine wichtige Stellung in der Region behielt Stuttgart auch noch nach der Gleichstellung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933, obwohl sie als Landeshauptstadt keine politische Funktion mehr besaß. Mit den Novemberprogromen des Jahres 1938 begann in der schwäbischen Metropole die systematische Verfolgung von Juden. Auch heute noch bekannte und existierende Gebäude wurden unter dem Naziregime zu Haftanstalten für politisch Verfolgte umfunktioniert. Darunter das Hotel Silber und das Landgericht, wo heute Mahnmale an diesen grausamen Teil der Geschichte erinnern. Das Messegelände auf dem Killesberg diente den Nationalsozialisten als Durchgangslager, in dem sie mehrere tausend Menschen aus der gesamten Region dort inhaftierten und schließlich deportierten. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde Stuttgart insgesamt 53-mal von teils heftigen Bombenangriffen getroffen. In ihnen starben über 4000 Menschen und ein Großteil der Wohn- und Industriegebäude wurde zerstört. Französische Truppen besetzten die Stadt dann im April 1945.

Nur wenige Monate später übernahmen die amerikanischen Besatzungstruppen Stuttgart und installierten hier mehrere Lager für sogenannte Displaced Persons, in denen ehemalige Zwangsarbeiter und Holocaust-Überlebende untergebracht wurden. 1948 bewarb sich Stuttgart erfolglos als neue Hauptstadt der Bundesrepublik. Die Bewerbung scheiterte aufgrund der hohen Kosten, die diese Stellung mit sich bringen würde. Unter Oberbürgermeister Arnulf Klett wurde außerdem der Wiederaufbau der Stadt vorangetrieben. Klett wurde bereits damals teilweise heftig kritisiert, da er auf eine historische Rekonstruktion der Stadt verzichtete. Vielmehr sollte eine autofreundliche Stadt entwickelt werden, was zur Folge hatte, dass auch nicht zerstörte Gebäude oder Plätze abgerissen wurden.

Mit der Vereinigung der Länder Baden und Württemberg-Hohenzollern wurde Stuttgart am 25. April 1952 zur Hauptstadt des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg. In den nächsten Jahrzehnten erlebte die Stadt eine Explosion der Bevölkerungszahlen. Wegen der zahlreichen Industriebetriebe der Region kamen bis in die späten 1970er Jahre zahlreiche Gastarbeiter aus Italien, Griechenland, dem damaligen Jugoslawien und der Türkei. Mitte der 70er rückte Stuttgart in den Fokus des Medieninteresses, da im Hochsicherheitsgefängnis von Stammheim die Prozesse gegen führende Mitglieder der RAF geführt wurden. Erneute Aufmerksamkeit erregte die Stadt unter anderem im Jahr 2010, als dort zahlreiche größere Demonstrationen gegen das Bauprojekt Stuttgart 21 abgehalten wurden, die letztlich sogar zu einer Volksabstimmung in Baden-Württemberg führten.

Kuriose und spannende Fakten über Stuttgart

Ein weniger schöner Fakt ist, dass Stuttgart die Stau-Hauptstadt Nummer 1 in Deutschland ist. Mit unglaublichen 73 Stunden pro Jahr steht man in und um Stuttgart am längsten im Stau. Das liegt vor allem an der geografischen Lage der Stadt. Die Autobahnen rings um die Metropole weisen teils enorme Steigungen auf, sodass hier schnell lange Staus entstehen. Auch die Lage des Stadtzentrums in einem Talkessel ist nicht gerade förderlich. So sind die Zufahrtsstraßen in die Innenstadt oft verstopft und gewähren kein Durchkommen. Die hohe Anzahl neu zugelassener Autos in Stuttgart tragen ebenfalls zu dem unerfreulichen Rekord bei. So kamen allein im Jahr 2014 circa 50000 neue Fahrzeuge hinzu. Das alles hat zur Folge, dass Stuttgart auch regelmäßig Stickoxid- und CO2-Grenzen überschreitet und bereits mehrfach den Feinstaubalarm ausrufen musste. Auch der Bau einer Umgehungsautobahn ist nur schwer möglich, weshalb eine Lösung des Problems weiter in den Sternen steht.

Jedoch hat diese spezielle Lage Stuttgarts auch seine Vorteile. Der Talkessel, die dichte Bebauung sowie die umliegenden Höhenzüge verschaffen der Stadt ein warmes, teilweise sogar schwüles Kilma, was sich ideal für den Weinbau eignet. Die vielen Hänge im Stadtgebiet bieten optimale Anbaubedingungen und umfassen rund 423 Hektar. Das entspricht einem Anteil von knapp zwei Prozent des gesamten Stadtgebiets. Die Großstadt zählt daher zu einer der größten Weinanbaugemeinde Deutschlands und in ganzen 16 der 23 Stadtbezirke wird diese Art der Landwirtschaft betrieben.

Eine weitere kuriose Gegebenheit beruht ebenfalls zum Teil auf den klimatischen Bedingungen in der Stadt. Stuttgart beheimatet nämlich die größte freilebende Population an Gelbkopfamazonen außerhalb Amerikas. Zwei, Mitte der 1980er-Jahre ausgeflogene Exemplare dieser Papageienart sind dafür verantwortlich. Doch damit nicht genug: Ende der 90er kamen noch zwei Blaustirnamazonen hinzu, mit denen sich die Gelbkopfamazonen paarten. Mittlerweile wird der Schwarm dieser hybriden Papageienart auf 65 Exemplare geschätzt. Während die bunten Vögel tagsüber im gesamten Stadtgebiet auf Nahrungssuche sind, so kommen die Tiere abends meist im Stadtteil Bad Cannstatt zusammen.

Stuttgart als Wirtschaftsmotor im Südwesten

Die baden-württembergische Landeshauptstadt ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 51,6 Milliarden Euro die sechst wirtschaftsstärkste Stadt des gesamten Landes. Insgesamt zählt die schwäbische Metropole damit zu einer der einkommensstärksten Städte Deutschlands und Europas. Circa 1500 mittelständische Firmen haben hier ihren Sitz, wo von die meisten Zulieferer der Automobil- und Maschinenbaubranche sind – die zwei wichtigsten Motoren der Region.

Außerdem haben mindestens sechs weltweit bekannte Firmen hier sogar ihr Hauptquartier. Dazu gehören Siemens, Bosch, Lenovo und Kodak. Seit jeher von großer Bedeutung sind aber vor allem die Automobilhersteller. Porsche und Daimler sind traditionell in Stuttgart verwurzelt und haben bis heute ihre Firmenzentrale in der Schwabenmetropole. Zudem ist Stuttgart ein wichtiger Finanzplatz und besitzt die zweitwichtigste Börse in Deutschland. Mit der Landesbank Baden-Württemberg ist unter anderem eine der größten Banken der Bundesrepublik hier beheimatet. Auch zahlreiche Versicherungsunternehmen haben hier ihren Sitz.

Eine Großstadt zwischen Weinbergen und Flusstälern

Das Stadtzentrum Stuttgarts liegt im sogenannten Stuttgarter Kessel und erstreckt sich auch auf die umliegenden Anhöhen. Daher gibt es innerhalb der Stadt ein Höhengefälle von rund 350 Metern, was besonders für eine Großstadt sehr ungewöhnlich ist. Die höchste Erhebung ist mit 549 Metern die Bernhartshöhe im südwestlichen Teil der Stadt. Die Neckarschleuse im Stadtbezirk Hofen hingegen, markiert mit 207 Metern den tiefsten Punkt. Durch die Stadt fließt unter anderem der Nesenbach, der in den ebenfalls im Stadtgebiet liegenden Neckar mündet. Neben der hauptsächlich wirtschaftlichen Nutzung des Neckars, wie beispielsweise im Hafen Stuttgart, soll der Fluss zukünftig auch wieder für Privatpersonen zugänglich gemacht werden. Mit dem Projekt “Erlebnisraum Neckar” sollen Parkanlagen am Wasser sowie Promenaden entstehen.

Der Max-Eyth-See ist der größte Stuttgarter See und entstand durch intensiven Kiesabbau in den 1930er-Jahren. Heute steht das Gewässer unter Landschaftsschutz und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ebenfalls von Bedeutung sind die einst zur Wasserversorgung der Stadt gebauten Stauseen Bärensee, Neuer See und Pfaffensee im Rot- und Schwarzwildpark. Bereits im Jahr 1815 angelegt, findet man im Park teilweise bis zu 400 Jahre alten Baumbestand. Dieses Naturschutzgebiet umfasst heute stolze 830 Hektar und ist ein stark frequentiertes Ausflugsziel. Insgesamt gibt es in Stuttgart sieben Naturschutzgebiete, die circa 6,5 Prozent des gesamten Stadtgebiets ausmachen.

der Eingang vom Stuttgarter Stadt Theater ist zusehen

Die beliebtesten Stuttgarter Sehenswürdigkeiten

Stuttgart ist nicht nur Wirtschaftszentrum, sondern bietet auch für Besucher einiges Sehenswerte.

– Fernsehturm: Bereits von Weitem dient der Stuttgarter Fernsehturm als markantes Erkennungszeichen für die Stadt. Schließlich ist er mit genau 216,61 Metern auch gleichzeitig das höchste Gebäude der Gemeinde und thront auf der südlichen Anhöhe des Kessels. Nach einer dreijährigen sanierungsbedingten Schließung ist der Turmkorb und die Aussichtsplattform wieder für jedermann zugänglich.

– Staatstheater Stuttgart: Mit seinen Sparten Schauspiel, Ballett und Oper sind die Staatstheater Stuttgart der größte Dreisparten-Betrieb der Welt. Die Hauptspielstätten mit dem imposanten Opernhaus sowie dem moderneren Schauspielhaus befinden sich im Schlossgarten. Berühmte Ensemblemitglieder sind zum Beispiel Ben Becker, Hannelore Hoger oder auch Harald Schmidt.

– Die Auto-Museen: Weltweite Bekanntheit hat die schwäbische Metropole vermutlich vor allem wegen der zwei großen Automobilkonzerne. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es in Stuttgart gleich zwei sehenswerte Automuseen gibt. Mit einer halben Millionen Besucher pro Jahr ist das Mercedes Benz Museum zudem das meistbesuchte Museum der Stadt. Im 2009 errichteten neuen Porsche-Museum werden bei der jährlich stattfindenden Soundnacht – zur Freude unzähliger Motorsportfans – die Exponate sogar aus ihrem Dornröschenschlaf geholt.

– Wilhelma: Der botanische und zoologische Garten der Stadt zählt zu den artenreichsten Zoos Deutschlands. Auf 28 Hektar werden rund 8000 Tiere und 5000 Pflanzenarten gezeigt. Noch heute ist erkennbar, dass das Gelände einst als Schlossanlage diente. Viele historische Gebäude im Park zeugen immer noch von dieser Zeit und dienen damals wie heute unter anderem als Gewächshaus. Erst im Jahr 1954 entstand der Zoo in seiner heutigen Form.

– Baustellenführung: Auch wenn vermutlich viele Anwohner genervt von ihnen sein werden, so sind Stuttgarts unzählige Großbaustellen rund um Stuttgart 21 nicht nur imposant sondern auch interessant und sehenswert. Auf einer Baustellenführung in unterschiedlichen Bauabschnitten, wie zum Beispiel den Tunneln oder der unterirdische Bahnsteighalle, erfährt der Besucher mehr über eines der größten Infrastrukturprojekte Europas.

Interessante Webseiten zur Landeshauptstadt Stuttgart:

Webseiten zu Kunst und Kultur in Stuttgart:

 

Bildquelle: pixabay.com
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