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Thüringen

Thüringen – Auf Goethes Spuren

Thüringen weckt Assoziationen! Zum kleinen Bundesland in Deutschland fällt jedem etwas ein: Die einen denken an Eisenach, die Wartburg und Luther, an Weimar, die Klassik und das Bauhaus, die anderen an die Saale und ihre Burgen, an den schlafenden Kaiser im Kyffhäuser und den Thüringer Wald oder an Rostbratwürste, Klöße und Spielzeug.

All das ist Thüringen und ist es gleichzeitig nicht! Mehr noch als aus den bekannten Höhepunkten besteht Thüringen aus unbekannten Ecken und Winkeln: aus unzerstörter Natur, mittelalterlichen Fachwerkstädten und Dörfern, wie es sie eigentlich gar nicht mehr gibt: mit Gasthof, Mühle, Anger und Schule – und mit schmucken Kirchen, die oft noch ungehobene Schätze bergen. Thüringens Reichtümer entdecken oder wiederentdecken, das kann man nur mit etwas Muße – sind es doch gerade die kleinen Vergnügungen, die zwischen Werra und Saale hoch im Kurs stehen: durch dichte Wälder wandern, den Blick in einsame Flußtäler genießen, eine Kirmes im Eichsfeld besuchen oder unter einer lauschigen Linde ein Bier trinken.

Kultur und Geschichte sind immer mit von der Partie – ob man nun durch den Park von Schloss Tiefurt lustwandelt, in Meiningen ins Theater geht oder durch ein Bergwerk im Schiefergebirge klettert. Überall stößt man auf Zeugnisse der bewegten Vergangenheit und die Spuren eines Mannes: Wie ein Leitfaden zieht sich durch Thüringen das Leben Johann Wolfgang von Goethes. Überall ist er gewesen, hat das zersplitterte Land geeint – und eint es noch! Urlaub auf Goethes Spuren.

Geschichte des Landes Thüringen

Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. entstand das Königreich der Thüringer, das 531 (Schlacht an der Unstrut bei Burgscheidungen) von Franken und den (nach Widukind von Corvey) mit ihnen verbündeten Sachsen besiegt und aufgeteilt sowie u. a. von Bonifatius im 8. Jahrhundert missioniert wurde. Die hessischen Reichsklöster Hersfeld und Fulda erwarben umfangreichen Grundbesitz. Erfurt kam an das Erzbistum Mainz. Nach 933 (Schlacht bei Riade) wurde im Osten der slawische Siedlungsraum eingegliedert. Thüringen wurde zum Kerngebiiet des späteren Heiligen Römischen Reiches (Königtum der Liudolfinger; Pfalzen in Erfurt, Tilleda, Wallhausen, Allstedt; Kloster Memleben). Unter den Herrengeschlechtern mit gräflicher Gewalt gewannen im 11. Jahrhundert die Ludowinger die Führung, die 1130 Landgrafen von Thüringen wurden (seit 1122 Herrschaftsverbindung mit Hessen). Sie waren Reichsfürsten und Kreuzfahrer, Förderer der Minnesänder (Wartburgkrieg) und des Kirchenwesens (vor allem Ludwig IV., Gemahl der heiligen Elisabeth), jedoch gelang ihnen der Aufbau eines einheitlichen Territorialstaates nicht.

Als sie mit Heinrich Raspe, dem Gegenkönig Friedrichs II., 1247 im Mannesstamm ausstarben, kam es zum Thüringer Erbfolgekrieg (bis 1263/64). Der hessische Anteil der Ludowinger fiel an die Grafen von Brabant. Thüringen kam an die Wettiner Markgrafen von Meißen (1254 – 1307 Schlacht bei Lucka). Nach dem Grafenkrieg (1342 – 1346) wurde die Lehnsherrschaft der Wettiner anerkannt. Dennoch konnten Schwarzburg und Reuß (beide später in zum Teil mehrere Linien verzweigt) sowie Henneberg eigene Landesherrschaften errichten. 1353 gewannen die Wettiner Coburg, 1372 die Grafschaft Weimar-Orlamünde, 1583 die Grafschaft Henneberg. Durch die Wettiner Teilung von 1485 kam der kleinere nördliche Teil Thüringens an die Albertiner, der südliche Teil an die Ernestiner (Kursachsen), die mit Hessen ab 1526 protestantische Führungsmacht waren. Das Albertiner Thüringen (seit 1547 kursächsisch, seit 1806 königlich) fiel 1815 an Preußen, wie schon 1803 das Kurmainzer Erfurt und das Eichsfeld (seit 1423 zu Kurmainz) sowie die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen (Provinz Sachsen). Das Ernestiner Thüringen wurde ab 1572 durch häufige Teilungen (bis zu zehn Linien) stark zersplittert. Besonders das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war Ende des 18. Jahrhunderts ein geistiger Mittelpunkt Deutschlands (Weimarer Klassik).

1918/19 wurden die vier Ernestiner Sächsische Herzogtümer, die je zwei Fürstentümer Schwarzburg (Rudolstadt und Sondershausen) und Reuß (jüngere und ältere Linie) Freistaaten und 1920 zum Land (Freistaat) Thüringen vereinigt (Verfassung vom 11.03.1921; Hauptstadt: Weimar); Coburg schloss sich Bayern an. 1932 hatte Thüringen die erste NSDAP-Regierung in Deutschland. 1944 fielen Erfurt und Schmalkalden an Thüringen.

Im April 1945 zunächst amerikanisch besetzt, kam das Land im Juli 1945 zur SBZ (Verfassung vom 20.12.1946; Hauptstadt: Weimar; Regierungssitz 1948 – 1952 nach Erfurt verlegt). 1952 erfolgte die Aufteilung in die DDR-Bezirke Erfurt, Gera und Suhl. Das Ländereinführungsgesetz vom 22.07.1990 stellte das Land Thüringen zum 03.10.1990 wieder her. Seit den ersten Landtagswahlen vom 14.10.1990 regiert die CDU, 1990 – 1994 in Koalition mit der FDP, zunächst unter Ministerpräsident Josef Duchac, von Februar 1992 bis Juni 2003 unter Bernhard Vogel (beide CDU); ab 1994 in großer Koalition mit der SPD, ab 1999 mit absoluter Mehrheit; 2003 freiwilliger Rücktritt. Nachfolger wurde Dieter Althaus (ebenfalls CDU), der in den Landtagswahlen vom 13.06.2004 der CDU die absolute Mehrheit der Mandate und somit die weitere Alleinregierung sichern konnte. Vom 30.10.2009 bis 05.12.2014 war Christine Lieberknecht (CDU) Ministerpräsidentin. Seit 05.12.2014 ist Bodo Ramelow (Die Linke) in Thüringen Ministerpräsident.

Interessante Fakten zu Thüringen

Mit 149 Einwohner/km² gehört Thüringen zu den schwächer besiedelten Bundesländern. Am geringsten sind die landwirtschaftlich strukturierten Gebiete des Thüringer Beckens und die Gebiete im äußersten Südwesten, am stärksten der Raum zwischen Eisenach und Weimar, der Gebirgsrand und das Vorland des Thüringer Waldes/Thüringer Schiefergebirges und des Südharzes sowie in Ostthüringen die Täler von Saale und Weißer Elster besiedelt.

Anfang 1990 waren nur 0,4% der Bevölkerung Ausländer. Zur evangelischen Landeskirche gehören 28,2% der Einwohner, zur katholischen Kirche 8,6% der Bevölkerung (besonders im Eichsfeld). Die jüdische Religionsgemeinschaft zählt über 500 Mitglieder (Jüdische Landesgemeinde Thüringen, Sitz: Erfurt).
Auf Hochschulebene gibt es Universitäten in Erfurt, Ilmenau (TU), Jena und Weimar (Bauhaus-Universität), FH in Jena, Nordhausen und Schmalkalden und eine Hochschule für Musik in Weimar.

Die Wirtschaft in Thüringen

Für Thüringen haben die industrielle Produktion, die Landwirtschaft einschließlich Gartenbau sowie der Fremdenverkehr ein besonderes Gewicht. Gemessen am Umsatz haben die Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie (Erfurt, Gotha, Weimar, Mühlhausen/Thüringen und Nordhausen) die größte Bedeutung, gefolgt vom Straßenfahrzeugbau (Hauptstandort Eisenach) und der Autozubehörfertigung, dem Maschinenbau (Erfurt, Nordhausen, Gera, Altenburg), der Herstellung von Metallerzeugnissen, besonders von Kleineisenwaren und Werkzeugen (Werkzeuge und Jagdwaffen in Suhl, Schmalkalden und Zella-Mehlis), der elektronischen Industrie und dem Gerätebau in Jena (traditionelles Zentrum des wissenschaftlichen Präzisionsgerätebaus), Sömmerda, Erfurt, Geschwenda, Ruhla (Uhren), Zella-Mehlis, Suhl, Sonneberg, Meiningen und Neuhaus am Rennweg, der Glasindustrie (Glasinstrumente, Thermometer und Christbaumschmuck in und um Ilmenau und Lauscha), der Porzellanherstellung (Kahla, Triptis) und optischen Industrie, Sonneberg ist Zentrum der Spielzeugindustrie, Zeulenroda, Triebes und EIsenberg des Möbelbaus.

In Ost-Thüringen (Gera, Zeulenroda) und dem Eichsfeld ist die Textilindustrie verbreitet. Bedeutung haben auch die Produktion von Pharmazeutika (Jena, Weimar), Zement (Deuna), Stahl (Unterwellenborn) und Chemiefasern (Rudolstadt-Schwarza) sowie die Druckereien in Pößneck, Gotha (kartografische Erzeugnisse) und Altenburg (Spielkarten).

Thüringen besitzt Vorkommen an Kalisalz (um Sondershausen, im Eichsfeld und im Werragebiet) sowie reichhaltige Baurohstoffe (Porphyr, Basalt, Kalk- und Sandstein). Von dem bis 1990 umfangreichen Kalibergbau blieb nur ein Kalischacht in Unterbreizbach bei Vacha (Werrarevier) in Betrieb. Der Kaliabbau in den übrigen Gebieten wurde wie der Uranerzbergbau, die Gewinnung von Braunkohle und der Erzbergbau eingestellt. Im Gebiet Probstzella-Lehesten-Wurzbach befinden sich Schieferbrüche.

Hauptgebiete des Ackerbaus sind das Thüringer Becken, die Orlasenke, die Goldene Aue und das Gebiet südlich von Altenburg, mit Anbau von Zuckerrüben, Weizen und Gerste auf fruchtbaren Böden. Die weniger fruchtbaren Gebiete der Randaufwölbungen des Thüringer Beckens werden für den Kartoffel-, Hafer- und Roggenanbau genutzt.Im Unteren Eichsfeld und Werragebiet ist zusätzlich Tabakanbau verbreitet. Im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Harz erfolgen Grünlandnutzung (Jungrinderaufzucht) und Forstwirtschaft, in den Tälern von Saale und Weißer Elster sowie am Rand des Kyffhäusers in größerem Umfang Obst- und Gemüsebau, um Erfurt Gemüsebau und Blumenzucht (Saatzuchtbetriebe).

Bedeutende Städte im Bundesland Thüringen

Zwei Kirchen beherrschen die mittelalterliche Altstadt der Landeshauptstadt Erfurt: der gotische Dom und die Severinkirche aus dem 15. Jahrhundert. Unter den zahlreichen weiteren gotischen Kirchen ragt die Predigerkirche mit erhaltener Chorschranke und das in einem Hospital aus dem 16. Jahrhundert untergebrachte Altartriptychon heraus. Am Domplatz reihen sich schöne Bürgerhäuser und alte Waidspeicher aneinander. Lebhaft geht es rund um den Fischmarkt mit dem neugotischen Rathaus und den Anger mit seinen modernen Kaufhäusern zu. Historisch interessantester Teil ist der Bereich um den Wenigermarkt und die bebaute Krämerbrücke. Zu den bedeutendsten Museen Erfurts gehört das in einem Hospital aus dem 16. Jahrhundert untergebrachte Museum für Thüringer Volkskunde.

Der Ferber-Brunnen am Kornmarkt erinnert an die Tradition Geras als Färber- und Tuchmacherstadt. Am Marktplatz stehen das Rathaus (16. Jahrhundert) mit dem hohen Treppenturm und die alte Stadtapotheke. Im Ortsteil Unternhaus befindet sich das Geburtshaus von Otto Dix, in dem Leben und Werk des Künstlers dokumentiert werden.

Viel blieb nach dem Krieg nicht übrig vom alten Jena, doch vemitteln Pulverturm, Anatomieturm, Johannistor und Michaelskirche einen Eindruck von der mittelalterlichenStadt. Ihre Geschichte ist eng mit der Universität verbunden. An ihren berühmtesten Geschichtsprofessor erinnert Schillers Gartenhaus, das Ernst-Haeckel-Haus an den bekannten Zoologen. Das Stadtmuseum Göhre dokumentiert u. a. das studentische Leben von einst und beherbergt eine historische Weinstube.

Weimar ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Die Stadt, in der einmal alle Fäden der mitteleuropäischen Kultur zusammenliefen, putzt sich heraus, um sich 1999 den Besuchern aus aller Welt als alte und neue “Europäische Kulturhauptstadt” zu präsentieren. Museen, Gedenkstätten, Schlösser und Palais – Weimar hat dem Besucher vieles zu bieten. Doch erst mit den Wohnhäusern und den Schaffensstätten der großen deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller, der Musikergenies Johann Sebastian Bach und Franz Liszt und der Philosophen Johann Gottfried Herder und Friedrich Nietzsche wird der Mythos Weimar lebendig: kein Platz, der nicht an sie erinnert, kein Weg, den nicht einer von ihnen schon gegangen wäre. Hier, in ihrem alltäglichen Umfeld, fühlt man sich den Klassikern auf einmal näher.

Eisenerzvorkommen und die Waffenfabrikation haben Suhl als “Stadt der Büchsenmacher” reich und bekannt gemacht. In einem der letzten Fachwerksbauten der Stadt, dem alten Malzhaus, ist heute das Waffenmuseum untergebracht. Vor den Toren Suhls liegen die höchsten Gipfel des Thüringer Waldes, der Große Beerberg (982 m) und der Große Schneekopf (978 m); im 13 km entfernten Oberhof ist der Wintersport zu Hause.

Eisenach steht zu Unrecht im Schatten der berühmten Wartburg: Schmale Straßen und romantische Plätze dominieren das historische Stadtbild, dazwischen solides Fachwerk wie das Lutherhaus, malerische Bürgerhäuser wie das Bachhaus oder im Bürgerstil errichtete Villen wie die Reutervilla mit Kreuzkirche und die Predigerkirche. Architektonicher Dreiklang am Marktplatz: das 400 Jahre alte Rathaus, das spätbarocke Stadtschloss und die im Kern spätgotische Georgenkirche. Weitere sehenswerte Gotteshäuser sind die frühgotische Nikolaikirche, die barocke Kreuzkirche und die Predigerkirche (heute Filiale des Thüringer Museums).

Geografische Fakten zum Bundesland Thüringen

Thüringen befindet sich an der Schwelle der deutschen Mittelgebirge. Der nordwestliche Teil Thüringens besteht aus dem fruchtbaren Thüringer Becken mit mehreren Flüssen und seinen Höhenzügen Hainich, Dün, Hainleite, Oberes Eichsfeld, Schmücke und Finne. Im südlichen Teil Thüringens befinden sich der Thüringer Wald und das direkt südöstlich angrenzende Thüringer Schiefergebirge. Die Werrasenke im Südwesten Thüringens wird vom Thüringer Wald, der Vorderrhön, der Hohen Rhön und das Grabfeld umgrenzt. Im Norden gehören der Unterharz, der Kyffhäuser sowie der Westteil der Goldenen Aue zu Thüringen. Im äußersten Nordwesten liegt das Untere Eichsfeld.

Der Osten wird von der Ostthüringisch-Vogtländischen Hochfläche, die von der Saale und der Weißen Elster durchflossen wird, eingenommen. Ein kleines Gebiet im Nordosten liegt in der Leipziger Tieflandsbucht.
Das ozeanisch geprägte Klima wird durch die Vielseitigkeit des Reliefs modifiziert. Klimatisch begünstigt sind das Thüringer Becken, die Orla- und Werrasenke sowie das Unstrut- und Saaletal, rau und niederschlagsreich (bis 1300 mm im Jahr) der Thüringer Wald. Thüringen gehört mit einem Waldanteil von 28% zu den waldreichsten Bundesländern.

Sehenswürdigkeiten in Thüringen

Der Rennsteig ist der älteste deutsche Höhenwanderweg und eine der wichtigsten politischen Grenzscheiden des Landes. 1649 wurde der traditionsreiche “Rynnestig” auf dem Kamm des Thüringer Waldes und des angrenzenden Schiefergebirges zum ersten Mal kartographisch erfasst, 1830 vom Straßenbauer Julius von Plänckner vermessen und in fünf Tagesetappen eingeteilt – die “Rennsteig-Touristik” nahm ihren Anfang. Jahrhundertelang trennte er Franken und Thüringen, West- und Ostdeutsche – bis in die allerjüngste Gegenwart. Seit April 1990 ist die 168,8 Kilometer lange Strecke wieder in voller Länge begahbar – vom Mittellauf der Werra bis zum Oberlauf der Saale, von Hörschel bis Blankenstein.

Kaum ein anderes Bauwerk in Deutschland hat so viele Phantasien freigesetzt und Emotionen geweckt wie die Wartburg. Und nirgendwo liegen historische Größe und historisierender Wahn ähnlich eng beieinander wie im Fall der 1080 erstmals erwähnten Feste hoch über Eisenach. Die ehemalige Residenz der Thüringer Landgrafen gilt als Deutscheste aller Burgen. Und als eine der architektonisch interessantesten: Im 19. Jahrhundert wurde der Prachtbau im Geschmack der Zeit renoviert, umgebaut – und zum vaterländischen Symbol verklärt. Heute pilgern jährlich über eine Million Besucher auf den “Wartberg” – eine Zeitreise zurück in deutsche Geschichte und Mythologie!

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