Nordrhein-Westfalen

Allgemeine Informationen zum Bundesland Nordrhein-Westfalen

Der Einfluss Nordrhein-Westfalens auf die gesamte Bundesrepublik ist seit vielen Jahren von der Politik über die Wirtschaft bis zu gesellschaftlichen Entwicklungen zu spüren. Dies liegt in erster Linie in der großen Einwohnerzahl dieses Bundeslandes begründet. Mit einer Einwohnerzahl von 17,8 Millionen Menschen lebt beinahe jeder vierte Bewohner Deutschlands aktuell in Nordrhein-Westfalen. Ballungsgebiete wie das Ruhrgebiet mit beinahe 5,1 Millionen Einwohnern verzeichnen selbst nach dem Wegfall des Tagebaus weiterhin einen Bevölkerungszuwachs. In den nächsten Jahren wird daher mit einem weiteren Anwachsen der Bevölkerung auf 18 Millionen Einwohner bis zum Jahr 2025 gerechnet.

Mit sechs Sitzen im Bundesrat ist das Land Nordrhein-Westfalen ein wichtiger Faktor für die Gestaltung der gesamtdeutschen Politik. Hier macht NRW seinen Einfluss auf die verabschiedeten Gesetze aus, um diese noch vor der Unterzeichnung durch den aktuellen Bundespräsidenten im Einklang mit den anderen Ländern auf deren Umsetzbarkeit zu prüfen. Alle auf Länderebene getroffenen Entscheidungen erfolgen im Landtag in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Eine Legislaturperiode beträgt fünf Jahre, wobei sich in den letzten sechs Landtagswahlen seit 1995 die Landtagspräsidenten der SPD und CDU jeweils abgewechselt haben.

Die Frühgeschichte vom Neandertaler bis zum Römischen Reich

Nordrhein-Westfalen hat durch die Funde von Knochen und Skeletten des Neandertalers einen weitreichenden Bekanntheitsgrad erreicht. Neben der Verbreitung der Vorfahren des Homo Sapiens bis in das bei Düsseldorf liegende Neandertal zeigten die gefundenen Grabanlagen wie weit die Entwicklung menschlicher Kulturen bereits bis in die Urzeit zurückreichte. Funde des Homo Sapiens zeigen, dass dieser vor etwa 12.000 Jahren seine Spuren zum ersten Mal innerhalb der Grenzen des heutigen Nordrhein-Westfalens hinterlassen hat. Dennoch war die erste Besiedlung sehr spärlich und nicht mit dem heute bekannten Ballungsgebieten vergleichbar.

Die detaillierte Dokumentation der urzeitlichen Geschichte von NRW ist auch dem weit verbreiteten Kohleabbau im Ruhrgebiet zu verdanken. Hier finden sich auch immer wieder Funde aus der Zeit des Römischen Reichs. Zwar waren nur Teile des heutigen NRWs unter römischer Herrschaft, die Einflüsse sind jedoch bis heute spürbar. Hierzu gehören bevorzugt Ansiedlungen an den Flüssen Rhein und Ruhr, die eine erste Blütezeit aufgrund der erleichterten Handlungsbeziehungen in Gang setzte. Die Römer waren zudem zu dieser Zeit ein Vorbild in vielfältiger Weise. Als erste feste Brücke über den Rhein zeigten die Römer mit der Konstantinbrücke, dass Innovationen ein wesentlicher Bestandteil der Expansion des Römischen Reichs weit über die Grenzen des heutigen Italiens war. Dies war auch für die Germanenstämme ein Ansporn die eigenen Gebiete deutlich besser vor einer Fremdherrschaft zu schützen.

Das Mittelalter bis zur Industriellen Revolution

Unter der Herrschaft Karl des Großen gehörte Aachen zu einer der wichtigsten Städte im heutigen NRW. Zu diesem Zeitpunkt war der religiöse Einfluss unter der Bevölkerung sowie die Einteilung in Stände bereits ein fester Bestandteil der mittelalterlichen Gesellschaft. Der Aachener Dom ist bis heute ein architektonischer Zeuge für die Einflüsse anderer Kulturen auf die germanische Baukunst. Innerhalb der Karolingischen Renaissance bildet der Dom in Aachen bis heute eines der bedeutendsten Gebäude dieser Epoche. Die Aufteilung in Stämme setzte sich auch im Mittelalter weiter fort mit der Entstehung von Herzogtümern und weiteren vom Adel beherrschten Gebieten. Mithilfe der Lehnsherrschaft wurden die Ländereien zum Großteil von Bauern bewirtschaftet, welche im Anschluss die Erträge dieser Arbeit zum Großteil ihrem Lehnsherrn schuldeten.

Dank der zahlreichen Flüsse war dieses Gebiet auch in Teilen der Hanse angeschlossen. Die hierdurch erzielten Gewinne waren der erste Schritt zu einer stärkeren gesellschaftlichen Differenzierung. Der Reichtum von Kaufleuten stieg an und setzte diese an Einfluss oftmals den damaligen Herrschern gleich. Diese Entwicklung begünstigte ebenfalls den Wunsch mehr Ware mit möglichst geringen Produktionskosten anzubieten. Im Laufe der folgenden Industriellen Revolution nahm die Bedeutung der Landwirtschaft mit rasanter Geschwindigkeit ab. Kaum eine Region konnte damals einen so großen Zuwachs an Einwohner verzeichnen als das Ruhrgebiet. Der Kohleabbau gehörte spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer der führenden Industrien und führte zu einer wirtschaftlichen Blüte, welche nur von den sozialen Herausforderungen dieser Zeit in Bezug auf die Arbeitsbedingungen überschattet wurde.

Die jüngere Geschichte Nordrhein-Westfalens

Wie auch in fast allen anderen Bundesländern hinterließen die Auswirkungen des 1. und 2. Weltkriegs in Nordrhein-Westfalen weitreichende Einschnitte in das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben. Die Entscheidungsgewalt lag zu großen Teilen in den Händen der britischen Besetzungsmächte. Der Wiederaufbau der Wirtschaft des Ruhrgebiets wurde unter den Alliierten durchaus kontrovers diskutiert und nahm als Ruhrfrage sogar maßgeblichen Einfluss auf die Beantwortung der Deutschen Frage. In weiteren Verlauf entstanden die bis heute bekannten Bundesländer, die in den nächsten Jahrzehnten im Zusammenschluss als Bundesrepublik Deutschland bereits vor der Wiedervereinigung wieder in die europäische Gemeinschaft aufgenommen wurden. Offiziell gegründet wurde Nordrhein-Westfalen im Juli 1946. Damals wurde ebenfalls Düsseldorf durch die Alliierten zur Landeshauptstadt erklärt.

In den folgenden Jahrzehnten war Nordrhein-Westfalen neben dem Wiederaufbau auch von der Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern geprägt. Bevorzugt ließen sich damals Gastarbeiter aus Griechenland und der Türkei in NRW nieder, um dort in den Minen und Stahlwerken zu arbeiten. Der Familiennachwuchs führte dazu, dass im Ruhrgebiet das multikulturelle Leben bereits lange Zeit bevor dieser Begriff das erste Mal medial aufgegriffen wurde zum täglichen Leben gehörte. Heute leben in Nordrhein-Westfalen mit über zwei Millionen Menschen die meisten Personen, die über einen ausländischen Pass verfügen. Nicht mitgerechnet sind hierbei die zahlreichen Personen, welche in den letzten Jahren bereits erfolgreich den Prozess der Einbürgerung durchlaufen haben.

Interessante Fakten in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen wird von Bewohnern anderer Bundesländer bevorzugt mit dem industriellen Gewerbe, Ballungsgebieten und dem Tagebau in Verbindung gebracht. NRW besitzt jedoch eine grüne Lunge, da ein Viertel des gesamten Gebiets mit Wäldern bedeckt ist. Dies ist ein Grund dafür, warum der jahrzehntelange Abbau von Kohle für die Natur und Luftverschmutzung deutlich weniger Auswirkungen gezeigt halt als in anderen Regionen. Zudem verwandeln sich viele der stillgelegten Areale der Kohlebergwerke in Badeseen oder Naturparks die sich in das Stadtbild einfügen gleichzeitig auf die Vergangenheit der Region aufmerksam machen.

Aufgrund der hohen Anzahl an Gewässern und Flüssen zählt NRW zu den Bundesländern mit der größten Anzahl an Talsperren. Unter den aktuell 65 Stauseen finden sich Namen wie der Biggesee und der Kemnader See. Stauseen zählen in Nordrhein-Westfalen zu beliebten Ausflugszielen und tragen einen zusätzlichen Beitrag auch in den Ballungszentren nur wenige Kilometern bis zum nächsten Naherholungsgebiet zurücklegen zu müssen.

Die Wirtschaft des Bundeslandes NRW

Das Bruttoinlandsprodukt hat sich in den letzten Jahren im Vergleich zum Vorjahr jeweils gesteigert. Im Jahr 2016 erwirtschafteten die Einwohner von Nordrhein-Westfalen ein Bruttoinlandsprodukt von 669 Milliarden Euro. Mit einem sich daraus ergebenden Pro-Kopf-Einkommen von 37.485 Euro liegt dies leicht über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Zusätzlich sind auch die Zahlen an arbeitslosen Personen innerhalb von NRW rückläufig. Mit einem Prozentwert von 7,7 % haben sich diese nach dem Spitzenwert im Jahr 2005 fast halbiert. Dennoch hat NRW noch immer die zweithöchste Anzahl innerhalb der Arbeitslosenquote aller Bundesländer.

Innerhalb der Wirtschaftsstruktur ist klar der Strukturwandel erkennbar der vom produzierenden Gewerbe zu einer von Dienstleistungen geprägten Gesellschaft vollzogen wurde. Aktuell macht die Quote der Personen, die im Dienstleistungssektor arbeiteten bereits 48,6 % aller Arbeitnehmer in NRW aus. Im Vergleich hierzu macht die Zahl der Arbeiter im produzierenden Gewerbe nur noch 23,7 % aus. Diese Entwicklung unterstützt auch die Landesregierung in Düsseldorf mit einer 42 Millionen umfassenden Initiative zur Stärkung der digitalen Wirtschaft. Hierzu zählen auch weitere Initiativen die gezielt Start-Up Unternehmen mit finanziellen Hilfen unter die Arme greifen.

Ein Fundament für das jährlich ansteigende Bruttoinlandsprodukt ist der starke Mittelstand in Nordrhein-Westfalen. Ein Großteil dieser Unternehmen umfasst 20 bis zu 50 Angestellte. Diese haben einen großen Anteil daran, dass bereits fast jeder fünfte deutsche Exportartikel seinen Ursprung in NRW hat.

Die wichtigsten Städte und Ballungsgebiete in Nordrhein-Westfalen

Die Hauptstadt Düsseldorf ist international häufig eher für die Einkaufsmeile Königsallee als den Regierungssitz des Landes Nordrhein-Westfalen bekannt. Ebenfalls vielen unbekannt ist die Tatsache, dass in Düsseldorf eine der größten japanischen Gemeinden innerhalb Deutschlands lebt. Neben einer japanischen Schule finden sich in Düsseldorf zudem internationale Schulen, welche den weltoffenen Charakter dieser Stadt zusätzlich unterstreichen. Am Rosenmontag ist Düsseldorf zudem für seine satirisch gestalteten Festwagen bekannt, bei denen sich die Politikprominenz einmal jährlich die größten Verfehlungen des vergangenen Jahres noch einmal betrachten darf.

Etwas fröhlicher fällt der Karneval dagegen in Köln aus. Diese zählt seit dem Jahr 2014 wieder zu den deutschen Städten mit mehr als einer Million Einwohner. Die fünfte Jahreszeit ist hier spätestens ab dem 11. November um 11:11 Uhr bis zum Aschermittwoch allgegenwärtig. An 365 Tagen zu den Wahrzeichen von Köln zählt der Dom. Zahlreiche Touristen besuchen die Domstadt nur aus diesem Grund und um sich mit eigenen Augen ein Bild davon zu machen, dass dieses Bauwerk wirklich niemals ganz fertiggestellt sein wird.

Das Ruhrgebiet oder auch liebevoll als Pott gezeichnet hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte vom leicht rauen Charme zum Wegweiser für die Industriekultur entwickelt. Obwohl Schlagzeilen dem Ruhrgebiet immer wieder eine düstere Prognose erstellen, hat der Wechsel zum Dienstleistungssektor auch dort erste Früchte getragen. Massenhafte Abwanderungen von ehemaligen Bergarbeitern zu anderen Wirtschaftsstandorten waren ebenfalls nicht zu beobachten, da die Weiterbildungsangebote viele ehemalige Kumpel vor einer langzeitigen Arbeitslosigkeit bewahrt hat.

Die Geografie und Landschaft Nordrhein-Westfalens

Meist wird Nordrhein-Westfalen geografisch in das Rheinland und Westfalen unterteilt. Dem Selbstverständnis der Bewohner entspricht es jedoch mehr noch weitere regionale Differenzierungen vorzunehmen und somit zum Beispiel das Ruhrgebiet oder Ostwestfalen-Lippe noch weiter einzugrenzen. Geprägt ist NRW durch die zahlreichen Gewässer und Flüsse, welche einen entscheidenden Beitrag zu den Ansiedelungen und die sich entwickelte Schifffahrt hatte. Zu den bekanntesten Flüssen neben Rhein und Ruhr zählen Wupper, Sieg, Emscher und Lippe. Die Schifffahrt auf den Schifffahrtswegen prägt bis heute die Umgebung der Menschen, die in der Nähe der Flüsse beheimatet sind. Zeitgleich sind an den Ufern zahlreiche Wander- und Erholungswege entstanden auf denen sogar riesige Containerschiffe beobachtet werden können. Insgesamt präsentiert sich die Landschaft Nordrhein-Westfalens als ein repräsentativer Querschnitt in welcher auch Gebirge wie das Weserbergland oder Berge wie der 843 Meter hohe Langenberg nicht fehlen. Diese Abwechslung der Landschaften sowie Großstädten und dörflichen Gemeinden begünstigt auch den Tourismus, der im Jahr 2017 mit 48,7 Millionen Übernachtungen ein weiteres Rekordjahr erlebte.

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in NRW

Nordrhein-Westfalen gehört zu den Bundesländern, in welchem sich in jeder Region mindestens eine über die Grenzen NRWs bekannte Sehenswürdigkeit befindet. Die Mischung aus Architektur, Kultur und Geschichte zeichnet nicht nur die bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie den Kölner Dom aus. Dieser zieht jährlich bis zu 6 Millionen Besucher an. Als Wahrzeichen des Bundeslandes ist der Kölner Dom daher auch auf einer Sonderprägung des 2 Euro Geldstücks abgebildet. Besichtigen können die Besucher sowohl den Innenraum dieser katholischen Kirche als auch die Turmspitzen. Auf einer Höhe von über 150 Meter gelegen, müssen für dieses Vorhaben zuerst 533 Stufen zurückgelegt werden.

Ähnlich weite Strecken werden auch bei einem Besuch des Industriedenkmals Zeche Zollverein in Essen bewältigt. Im Fokus steht hierbei der überall im Ruhrgebiet bis heute präsente Bergbau. Im angeschlossenen Ruhrmuseum können sich die Besucher über die Geschichte der 1851 eröffneten Zeche informieren und vielfach einen Teil der Familiengeschichte selbst erleben.

Als eines der wenigen noch aktiven Beförderungsmittel steht die Wuppertaler Schwebebahn seit dem Jahr 1997 offiziell unter Denkmalschutz. Da die Streckenführung oberhalb des Wagens verläuft, genießen die Fahrgäste einen ungehinderten Blick auf die Stadt von oben. Neben den modernen Wagen werden zu besonderen Gelegenheiten die Kaiserwagen eingesetzt. Diese waren bereits bei der Jungfernfahrt am 24.10.1900 im Einsatz und sind bis heute ein lebendiger Teil der Geschichte NRWs.

Als ehemalige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zeugt das dortige Bundeskanzleramt bis heute von einem wichtigen Abschnitt deutscher Geschichte. Heute befindet sich dort das Haus der Geschichte und andere Gebäude als Teil der Museumsmeile. Besucher können neben diesen Bauwerken ebenfalls zahlreiche Kunstwerke von Henry Moore, Adolf Luther und anderen. Da der gesamte Gebäudekomplex unter Denkmalschutz steht, ist sichergestellt, dass diese Eindrücke für zukünftige Generationen erhalten bleiben.

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