Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein: Das Land zwischen zwei Meeren

Hoch im Norden, umgeben von Nord- und Ostsee, liegt Schleswig-Holstein. Das Land war schon zu Zeiten der Wikinger eine bedeutende Seehandelsmacht und setzte diese Tradition im Mittelalter mit der Hanse fort. Auch heute stellt die Verschiffung von Waren und Passagieren über das Meer einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Darüber hinaus weist Schleswig-Holstein zahlreiche beeindruckende Naturlandschaften auf. Doch auch in architektonischer und kultureller Hinsicht hat das Land zwischen den Meeren viel zu bieten. Die Geschichte Schleswig-Holsteins ist untrennbar mit der Geschichte des nördlichen Nachbarn Dänemark verbunden: Gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Grenzstreitigkeiten und kriegerische Auseinandersetzungen, so ist die Beziehung zwischen beiden Ländern heute von Freundschaft und gegenseitigem Respekt geprägt.

Schleswig-Holstein – Deutschlands nördlichstes Bundesland

Schleswig-Holstein ist das nördlichste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland – und das einzige, das von zwei Meeren eingerahmt wird: der Nord- und der Ostsee. Eine weitere Besonderheit Schleswig-Holsteins: Es ist das einzige “dreisprachige” Bundesland. Neben Deutsch und Niederdeutsch bzw. Plattdeutsch wird hier auch Dänisch gesprochen.

Das heutige Schleswig-Holstein ging nach dem Zweiten Weltkrieg aus der gleichnamigen ehemaligen preußischen Provinz hervor. Im Norden und über eine Seegrenze im Fehmarnbelt grenzt das Bundesland an Dänemark. Südliche Nachbarn sind Hamburg und Niedersachsen. Im Südosten grenzt Schleswig-Holstein an Mecklenburg-Vorpommern.

Die Landeshauptstadt Kiel ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort und gleichzeitig die Heimat der größten Segelsportveranstaltung der Welt: die Kieler Woche zieht jedes Jahr im Sommer Tausende Besucher an.

Die bewegte Geschichte des Landes Schleswig-Holstein

Die Geschichte Schleswig-Holsteins ist geprägt durch die Nachbarschaft zu Dänemark. Herrschaftsverhältnisse und Territorialgrenzen verschoben sich häufig, vielfach gab es gewaltsame Auseinandersetzungen.

Die Besiedelung Schleswig-Holsteins begann nach der letzten Eiszeit durch Jäger und Sammler. Ackerbauern ließen sich in der Region ab etwa 4000 v. Chr. nieder. Über 100 Megalithanlagen sind Zeugnisse dieser frühen Bewohner Schleswig-Holsteins. Zur Völkerwanderungszeit kehrten viele der germanischen Volksstämme dem damals dünn besiedelten Land den Rücken. Zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert n. Chr. wanderten zum Beispiel die Angeln aus ihrem angestammten Gebiet nördlich der Schlei nach Britannien aus. Dort vereinigten sie sich mit anderen Völkern zu den Angelsachsen, den Namensgebern für das spätere England.

Dänische und jütische Siedler gründeten im frühen Mittelalter den bedeutenden Handelsplatz Haithabu und errichteten mit dem Danewerk einen Schutzwall gegen die Sachsen. Zur Zeit Karls des Großen gab es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den Franken und der heidnischen dänischen Bevölkerung. In einem Friedensvertrag wurde 811 der Fluss Eider als Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgelegt. Die Eidergrenze hatte zwischen den Landesteilen Schleswig und Holstein bis Mitte des 19. Jahrhunderts Bestand, wenngleich zwischen beiden Seiten immer ein reger Austausch herrschte.

1386 vereinbarten Dänen und Deutsche, das dänische Herzogtum Schleswig und die deutsche Grafschaft Holstein unter eine Regentschaft zu bringen. Beide Landesteile wurden bis 1460 vom deutschen Grafengeschlecht von Schauenburg regiert. In dieser Zeit entwickelte sich die Hanse, mit ihrem Zentrum Lübeck, zur bedeutendsten Handelsmacht in Nordeuropa. Den Schauenburgern folgte König Christian I. von Dänemark. Nachdem der römisch-deutsche Kaiser Holstein 1474 zum Herzogtum ernannt hatte, war Christian I. gleichzeitig dänischer König und Herzog in Schleswig und Holstein.

Durch den Vertrag von von Zarskoje Selo 1773 gerieten Schleswig und Holstein komplett unter dänische Herrschaft. Im Jahr 1800 gehörte das ganze Land bis auf das Fürstentum Lübeck und das Herzogtum Sachsen-Lauenburg zu Dänemark. Der heutige Hamburger Stadtteil Altona war die zweitgrößte dänische Stadt nach Kopenhagen.

1918 leitete der Kieler Matrosenaufstand die Novemberrevolution und damit das Ende des Ersten Weltkriegs in Deutschland ein. 1920 entschied sich die Bevölkerung des nördlichen Teils Schleswigs in einer Volksabstimmung für die Zugehörigkeit zu Dänemark. Die Bewohner der südlichen Landesteile votierten hingegen mehrheitlich für den Verbleib im Deutschen Reich. Die Grenze zwischen beiden Abstimmungsgebieten bildet seitdem die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Dänemark, mit nationalen Minderheiten beiderseits der Grenze.

Vom Zweiten Weltkrieg waren die ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins nur wenig betroffen. Die Flottenstützpunkte Kiel, Lübeck und Flensburg wurden jedoch stark bombardiert. Nach Kriegsende wurde der CDU-Politiker Theodor Steltzer erster Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Den Status eines deutschen Bundeslandes erhielt es jedoch erst mit der 1949 vom Landtag verabschiedeten Landessatzung. Diese trat am 12. Januar 1950 in Kraft.

In den Bonn-Kopenhagener Erklärungen vom 29. März 1955 verpflichteten sich die Bundesrepublik und Dänemark, die jeweilige Minderheit der anderen Nationalität auf ihrem Gebiet umfassend zu schützen. Dieses Abkommen gilt bis heute als Modell für die einvernehmliche Lösung von Minderheitenfragen.

Interessante Fakten zu Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist in Teilen relativ dünn besiedelt. Entsprechend groß ist die Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern. So gehören die Gemeinden Gröde und Wiedenborstel zu den kleinsten in Deutschland. Die kleinste Stadt Deutschlands befindet sich ebenfalls auf Schleswig-Holsteinischem Landesgebiet: Arnis hat nur rund 300 Einwohner.

Zahlreiche berühmte Literaten stammen aus Schleswig-Holstein. Die bedeutendsten sind Matthias Claudius, Friedrich Hebbel, Theodor Storm, Klaus Groth sowie Heinrich Mann und Thomas Mann, der mit den “Buddenbrooks” seiner Heimatstadt Lübeck ein literarisches Denkmal setzte. Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, der Autor Siegfried Lenz, die Dichterin Sarah Kirsch und der Schriftsteller Günter Kunert sind weitere Literaten, die mit dem nördlichsten deutschen Bundesland verbunden sind.

Mit dem 1986 von Justus Frantz gegründeten Schleswig-Holstein Musik Festival findet eines der größten Klassikfestivals Europas statt – während das Wacken Open Air als weltgrößtes Heavy Metal-Festival in den letzten Jahren rund 85.000 Besucher aus dem In- und Ausland angezogen hat.

Wirtschaft in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist wirtschaftlich dreigeteilt, und zwar in:
– die Metropolregion Hamburg (Maschinenbau, Dienstleistungen)
– die Nordseeküste (strukturschwach, Landwirtschaft, Tourismus, Windenergie)
– die Hafenstädte Lübeck, Kiel und Flensburg (Handel, Verkehr, Tourismus, maritime Industrie, Windenergie)

Aufgrund seiner geografischen Lage spielt Schleswig-Holstein eine wichtige Rolle im internationalen Logistikwesen. In Lübeck befindet sich Deutschlands größter Ostseehafen. 2017 wurde hier ein Umschlagvolumen von 25 Mio. Tonnen erzielt. Im Kieler Hafen betrug der Gesamtgüterumschlag im gleichen Jahr rund 7,4 Millionen Tonnen. Insgesamt liefen in 2017 143 Kreuzfahrtschiffe die Kieler Hafenanlagen an. 513.500 Passagiere gingen dabei an oder von Bord. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal haben 30.189 Schiffe über 86 Mio. Tonnen Ladung transportiert.

Die Fischerei ist eine weitere Schlüsselbranche in Schleswig-Holstein. Rund zwei Drittel der gesamten deutschen Fischereiflotte ist hier stationiert.

Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Schleswig-Holstein: Besonders die nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand, aber auch die Ostseeinsel Fehmarn sowie die zahlreichen Seebäder an beiden Küsten sind wichtige touristische Ziele.

Ebenfalls von Bedeutung für die Wirtschaft in Schleswig-Holstein ist der Grenzhandel mit Dänemark. So fahren viele Dänen in die grenznahen Gebiete, um Bier und Spirituosen zu verhältnismäßig günstigen Preisen zu erwerben.

Wichtige Städte in Schleswig-Holstein

Mit Kiel (ca. 247.000 Einwohner) und Lübeck (ca. 220.000 Einwohner) weist Schleswig-Holstein nur zwei Großstädte auf. Es folgt Flensburg mit ca. 85.000 Einwohnern. Weitere wichtige Städte mittlerer Größenordnung sind:

– Neumünster (ca. 79.000 Einwohner)
– Norderstedt (ca. 76.000 Einwohner)
– Elmshorn (ca. 48.000 Einwohner)
– Pinneberg (ca. 42.000 Einwohner)
– Wedel (ca. 32.000 Einwohner)

Die Landeshauptstadt Kiel ist die bevölkerungsreichste Stadt des Landes und gleichzeitig das wirtschaftliche Zentrum Schleswig-Holsteins. Die nördlichste Großstadt Deutschlands liegt an der Kieler Förde, einer Meeresbucht der Ostsee. Im Norden der Stadt befindet sich die Mündung des Nord-Ostsee-Kanals. Der NOK ist die am meisten befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Von jeher ist Kiel ein wichtiger Stützpunkt der Deutschen Marine. International bekannt ist Kiel durch die jedes Jahr im Sommer stattfindende Segelsportveranstaltung Kieler Woche. Mit der Christian-Albrechts-Universität, der Fachhochschule und der Muthesius Kunsthochschule besitzt die Landeshauptstadt drei renommierte Hochschulen. An der Förde ist außerdem das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung ansässig. Dabei handelt es sich um eine der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung in Europa.

Eine weitere bedeutende Stadt in Schleswig-Holstein ist die Hansestadt Lübeck. Noch heute zeugen zahlreiche prunkvolle Bauten vom Reichtum der Lübecker Kaufleute. Neben dem Holstentor, dem Wahrzeichen Lübecks, prägen viele Kirchen und historische Wohnhäuser das Stadtbild. Seit 1987 zählt die Altstadt zum UNESCO-Welterbe.

Flensburg, die drittgrößte Stadt Schleswig-Holsteins, befindet sich im Norden des Bundeslandes. Die kreisfreie Stadt liegt am Beginn der Flensburger Förde und an der nördlichen Grenze der Halbinsel Angeln. Flensburg gilt als Zentrum der dänischen Minderheit in Südschleswig. Bundesweit bekannt ist die Stadt durch die das dort ansässige Kraftfahrt-Bundesamt, welches die Verkehrssünden der Deutschen als “Punkte in Flensburg” speichert.

Geografie und Landschaften Schleswig-Holsteins

Schleswig-Holstein ist nach dem Saarland das zweitkleinste deutsche Flächenland. Die Gesamtfläche beträgt rund 15.800 km². Die Ost-West-Ausdehnung beträgt 190 km und von Nord nach Süd rund 170 km. Größter Fluss des Landes ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg (168 m). Schleswig Holstein ist im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern waldarm: Nur etwa 10 Prozent des Landesgebietes sind von Wäldern bedeckt.

Von West nach Ost gliedert sich die Landschaft in die Marsch, in die hohe und niedere Geest und in das Schleswig-Holsteinische Hügelland. Letzteres, wie auch die Geest sind während der letzten Eiszeit entstanden. Die Böden der Geest sind für den Ackerbau weitestgehend ungeeignet, weshalb diese Region eher dünn besiedelt ist.

Südlich von Nordfriesland liegt zwischen Eider- und Elbmündung die Landschaft Dithmarschen. Sie setzt sich aus den Gebieten Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zusammen. Dieses Gebiet geht in die Elbmarschen über.

Die Westküste von Schleswig-Holstein ist durch das Wattenmeer – seit 2009 Nationalpark – und die Nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand geprägt. Ein weltweit einzigartiges Phänomen sind die Halligen. Die kleinen Inseln besitzen keine Deiche, weshalb sie regelmäßig vom Meer überspült werden. Mit Helgoland verfügt Schleswig-Holstein über die einzige deutsche Hochseeinsel.

Die Ostküste wird landschaftlich durch Förden und Buchten gegliedert. Die sogenannte “Holsteinische Schweiz” bezeichnet eine Hügellandschaft im Binnenland, in der sich die großen Holsteinischen Seen befinden. Ebenfalls im Binnenland, an der Grenze zur Geest, liegen die Hüttener Berge. Zwischen der Kieler und der Mecklenburger Bucht befindet sich mit Fehmarn die einzige Ostseeinsel Schleswig-Holsteins.

Sehenswürdigkeiten in Schleswig-Holstein

Neben zahlreichen Naturparks und -denkmälern weist Schleswig-Holstein eine Vielzahl an historischen Sehenswürdigkeiten auf, darunter zahlreiche Schlösser und Herrenhäuser. Bekannte Adelssitze sind zum Beispiel:

– Schloss Ahrensburg
– Schloss Glücksburg
– Schloss Gottorf
– Schloss Düneck
– Schloss Plön

Neben der historischen Altstadt von Lübeck und Schleswig, einer der ältesten Städte Nordeuropas, ist die frühere Wikingerstadt Haithabu als Sehenswürdigkeit zu nennen. Die bedeutende Hafenstadt wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts von Archäologen wiederentdeckt. Heute wird die Struktur der Siedlung und der Alltag seiner Bewohner durch einige originalgetreu rekonstruierte Bauwerke erlebbar. Ein Wikingermuseum präsentiert die Ergebnisse jahrzehntelanger Ausgrabungen und Forschungen. Das bekannteste Exponat von Haithabu ist der Nachbau eines Wikingerschiffes, das im ehemaligen Hafen entdeckt wurde.

Neuere nautische Sehenswürdigkeiten befinden sich in Laboe am Ostufer der Kieler Förde. Das Marine-Ehrenmal erinnert an die gefallenen Seeleute beider Weltkriege. Die Aussichtsplattform ist über zwei Aufzüge zu erreichen und ermöglicht einen schönen Blick auf Kiel und die Förde. Eine Ausstellung im unteren Bereich der Gedenkstätte skizziert die Entwicklung der Schifffahrt und die Geschichte der deutschen Marine. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Marine-Ehrenmal befindet sich das Museums-U-Boot U 995. Es ist das letzte erhaltene U-Boot des Typs VIIC. Da es in den Zustand zu Kriegszeiten zurückversetzt wurde, erhalten Besucher ein realistisches Bild von Arbeit und Leben der Mannschaft.

Ein lohnenswertes Ausflugsziel in Schleswig-Holstein ist Ratzeburg. Die Stadt liegt auf einer Insel mitten im Ratzeburger See und ist nur über drei Dämme mit dem Festland verbunden. Vor allem der nördliche Teil der Insel mit dem Dom und vielen weiteren historischen Bauwerken, machen Ratzeburg zu einem Besuchermagneten.

In Uetersen befindet sich mit dem 1934 eröffneten Rosarium der älteste Rosengarten Norddeutschlands. Über 30.000 Rosenstöcke von mehr als 830 verschiedenen Rosensorten gibt es hier zu sehen. 1961 fand im Rosarium Uetersen die Bundesrosenschau statt. Die mehr als 70.000 Quadratmeter große Anlage wird kontinuierlich umgestaltet und erweitert.

Schleswig-Holstein: Vielseitig, reizvoll, erfolgreich

Ein abwechslungsreiches Landschaftsbild, eine bewegte Geschichte und zahlreiche Sehenswürdigkeiten machen den Charakter Schleswig-Holsteins aus. Wenngleich pulsierende Metropolen fehlen, so wartet das Bundesland neben den drei größten Städten Kiel, Lübeck und Flensburg mit einer Vielzahl an reizvollen mittelgroßen und kleinen Städten auf. Da vor allem die ländlichen Regionen von den Weltkriegen weitestgehend verschont wurden, blieb dort die historische Bausubstanz in großen Teilen erhalten. Während im westlichen Teil Schleswig-Holsteins Landwirtschaft und Tourismus die Haupterwerbszweige sind, so sind in den Hafenstädten der Ostseeküste maritime Branchen wie Schiffsbau, Waren- und Passagierlogistik sowie damit verbundene Zulieferbranchen wichtige Wirtschaftsfaktoren. Mit Kiel besitzt Schleswig-Holstein zudem einen bedeutenden Marinestützpunkt der Bundeswehr.