Borkum

Borkum – von der Insel der Seefahrer zum Tourismus Hotspot

Die Insel Borkum, deren Name sich aus dem lateinischen burchana fabaria (Bohneninsel) ableitet, gehört zu den Ostfriesischen Inseln, wo sie als westlichstes Eiland der Inselkette liegt. Insgesamt ist sie 32 Quadratkilometer groß und 10 Kilometer lang bzw. maximal sieben Kilometer breit. Damit ist Borkum die größte der insgesamt sieben bewohnten Inseln, deren Teile ebenso wie das angrenzende Watt zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehören.

Borkum ist aber nicht nur die Bezeichnung der Insel, sondern auch der Stadt, die ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad ist und damit über viele Kureinrichtungen verfügt. Östliche Nachbarn sind Juist und Memmert bzw. Brauer- und Kachelotplate, auf der gegenüber liegenden Seite im Westen befindet sich Rottumeroog, das zu den Niederlanden zählt. Zwischen Borkum und dieser Insel verläuft das Emsfahrwasser. Hin zur niederländischen Küste ist die Entfernung von Borkum ungefähr 12 Kilometer, knapp 20 Kilometer sind es bis zum deutschen Festland. Borkum als Stadt selbst hat ca. 5200 Einwohner und ist die Stadt in Niedersachsen, die am weitesten westlich liegt.

Abwechslungsreiche Geschichte seit Christi Geburt

Experten gehen davon aus, dass die gesamten Ostfriesischen Inseln und damit auch Borkum in etwa um die Zeit von Christi Geburt entstanden. Ursprünglich waren es einfach Hochsände, aus denen sich die heute geformten Inseln bildeten. Im Laufe des Mittelalters gab es die erste Besiedelung. Sowohl 1227 als auch 1270 gingen Kreuzfahrerflotten vor Borkum vor Anker, um dort bessere Wetterbedingungen abzuwarten. Erstmals erwähnt wird eine Bevölkerung allerdings im Friedensvertrag mit der Hanse im Jahre 1406. Knapp 60 Jahre später wurde die Insel unter die Regentschaft der Grafen von Ostfriesland gestellt. Als die Herrscher im Jahre 1594 den Sieben Niederlanden beitreten mussten, kam es zur politischen Teilung in die ost- und westfriesischen Inseln. Zwischen 1807 und 1810 war Borkum Teil des Königreiches Holland und bis 1813 Teil des Kaiserreiches von Frankreich. Nach Ende des Befreiungskrieges fiel im selben Jahr die Insel wieder an Preußen zurück. Der Ausbruch des englisch-niederländischen Seekrieges zwischen 1780 und 1784 brachte einen herben Rückschlag für die Insel und lange Gefangenschaft für die Borkumer Grönlandfahrer. Vor allem aber kam die blühende Wirtschaft dank des Walfangs komplett zum Erliegen. 1888 stieg Borkum dank des neuen Hafens und einer bequemen Anbindung mittels Fährbetrieb zwischen Norderney, Delfzijil und der Insel zu einem bedeutenden Seebad auf. Bis heute hat sich die Nordseeinsel zu einem beliebten Tourismusgebiet entwickelt, die mit steigenden Urlauberzahlen aufwarten kann.

Die Sehenswürdigkeiten sind dem Meer geschulet

Dank der Lage direkt in der Emsmündung liegt es nahe, dass Borkum und seine Sehenswürdigkeiten vor allem von Seezeichen geprägt sind. Insgesamt gibt es drei Leuchttürme auf der Insel, von denen 1576 der älteste erbaut wurde. Dieser ist gleichzeitig das älteste Gebäude auf der ganzen Insel und entstand auf dem Fundament des alten Kirchturms von Borkum. Der sogenannte neue Leuchtturm von Borkum befindet sich westseitig und wurde im Jahre 1879 innerhalb von sechs Monaten erbaut. Wer möchte, kann die 319 Treppenstufen im Inneren des Turms erklimmen und einen Blick von oben auf die Insel wagen. Imposant ist die Nennreichweite seiner Beleuchtung, denn die insgesamt sechs Linsenfelder bringen drei Strahlenpaare mit einer Lichtstärke von insgesamt zwei Millionen Candela pro Strahl in die Ferne.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Kleine Leuchtturm, der am Südstrand errichtet wurde. Er wurde 1888/1889 errichtet und sollte als Leitfeuer für die Ansteuerungsfahrwasser der Ems und der Westerems sowie des Hubertgat dienen. Der heute rotweiße Leuchtturm gilt als Prototyp für insgesamt neun Leuchtturme, die deutschlandweit in Fertigbauweise errichtet wurden. Der kleine Leuchtturm trägt den Beinamen “Der Elektrische”, da er der erste Leuchtturm in Deutschland war, der für den elektrischen Betrieb geeignet war. Seit 1970 hatte er eine Funktion als Antennenträger für das Verkehrssicherungssystem auf der Ems. Im Sommer 2003 wurde er jedoch außer Dienst gestellt, da sich das Fahrwasser in der Emsmündung aufgrund von Sedimentsverlagerungen entsprechnd verändert hat.

Die nächste Sehenswürdigkeit ist das Qhermarkenfeuer Düne, das im Jahre 1928 ergänzend zu anderen Leit- und Quermarkenfeuern auf der ganzen Insel errichtet wurde. Damit sollte gewährleistet werden, dass auch große Schiffe nach individuellen Fahrwasserveränderungen die Einfahrt in die Ems schaffen. Ebenso einen Besuch wert sind drei weitere Peileinrichtungen, die für die Schifffahrt errichtet wurden. Gemeint sind das Große Kaap und das Kleine Kaap bzw. das Westkaap. Alle drei sind historische Baken, die aus roten Klinkern erbaut und mit hölzernen Toppzeichen ausgestattet sind.

Liebhaber sakraler Bauten sollten sich den Besuch der drei Kirchen auf der Insel nicht entgehen lassen. Alle wurden zwischen den Jahren 1882 und 1899 errichtet, wobei die katholische Kirche Maria Meeresstern ein neugotischer Backsteinbau mit einem Querhaus ist, der in den späten 1980er Jahren erweitert wurde. Der Bau ist beherrscht von einem hohen oktogonalen Glockenturm, wobei auch die großen spitzbogigen Fenster sowie die Giebel, die mit Blenden verziert sind, sehenswert sind. Das zweite sakrale Bauwerk, die Reformierte Kirche zeigt Merkmale des Jugendstils. 1973 wurde die Orgel mit 18 Stimmen von Karl Schuke geschaffen. Der Innenraum des Sakralbaus ist komplett auf die Kanzel ausgerichtet, wobei vorne ein gestiftetes Votivschiff steht. Die dritte Kirche ist die lutherische Christuskirche, die im Jahr 1899 als Einraumsaal errichtet wurde. Sie verfügt über Buntglasfenster in Rundbogenform und einem flachen Satteldach. 1958 wurde ein Kirchturm angebaut, der quer z um Schiff aufragt. Auf der Westempore befindet sich die Orgel, die von Rudolf Janke im Jahre 1980 mit 16 Registern aufgebaut wurde.

Das Dykhus, übersetzt einfach Deichhaus, bietet besondere Einblicke und Walbeobachtung der besonderen Art. Denn der Heimatverein der Insel hat die Geschichte Borkums mit viel Liebe zum Detail aufgearbeitet und präsentiert besondere Exponate in diesem Museum. Gleichzeitig beeindruck die Perspektive, denn Besucher schauen direkt in das Skelett des großen Meeressäugers und erleben die maritime Historie auf ganz besondere Art. Der Blauwal mit imposanten 15 Metern Länge und 35 Tonnen schweren Pottwals ist damit eine Sehenswürdigkeit Borkums der ganz besonderen Art, der Groß und Klein gleichermaßen beeindruckt.

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