Was tun, wenn Alltagsfinanzen einem fest im Griff haben?

letzte Änderung am 13. Januar 2021 von der Redaktion

Im folgenden Ratgeber soll herauskristallisiert werden, wie Alltagsfinanzen zum Risiko werden können und welche Auswege es aus einer Schuldenspirale gibt. Nicht selten sorgen Alltagsfinanzen für finanzielle Schwierigkeiten, weil es ein schleichender Prozess ist. Häufig summieren sich kleinere Beträge zu einem hohen Endbetrag, sodass das Ausmaß erst im Nachhinein dem Betroffenen offenbar wird. Doch wie genau entstehen diese Schulden durch Alltagsfinanzen und welche Mittel und Wege führen aus dieser Misere? Dazu mehr im nachfolgenden Text!

es liegt etwas Geld unter einer Geldkassette

 

Wann liegt eine Schuldenspirale wegen der Alltagsfinanzen vor?

In erster Instanz gilt es eine grundlegende Frage zu klären, nämlich wann eine Verschuldung vorliegt. Ist dies der Fall, wenn Mietrückstände vorliegen? Oder liegt eine Schuldenspirale bereits vor, wenn das Budget knapp bemessen ist, für das Nötigste reicht und gelegentlich dazu führt, sich für kurze Zeit und ohne Einkommensnachweise Geld zu leihen?

Faktisch liegt eine Überschuldung vor, wenn laufende Monatskosten finanziell nicht mehr bewältigt werden können und der Betroffene seinen Dispositionskredit in Anspruch nimmt. Dies trifft in einem besonderen Maße zu, wenn der Betroffene keine Besserung erreichen kann, trotz der Senkung des Lebensstandards, bzw. der Ausgaben.

Schafft es ein Haushalt nur unter erheblichen Einbußen in puncto Lebensstandard die finanziellen Verbindlichkeiten zu begleichen, so kann dies ebenfalls als eine Überschuldung bewertet werden, auch wenn dies faktisch noch nicht der Fall ist, wie es im oberen Beispiel der Fall ist.

In beiden Szenarien ist eine Intervention vonnöten, um die Lage zu stabilisieren, damit keine Verschlechterung eintrifft. Sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kann es durch unerwartete Zusatzkosten, wie zum Beispiel dem Defekt einer Spülmaschine, zu einer Verschlimmerung der Lage kommen.

Was sind Ursachen für eine Schuldenspirale?

Die Gründe für eine Überschuldung lassen sich mithilfe vom SchuldnerAtlas Deutschland ergründen. Denn diese Organisation untersucht jährlich die Ursachen, die zu einer Überschuldung in deutschen Privathaushalten führen.

Im Jahre 2018 hat der SchuldnerAtlas Deutschland ermittelt, dass eine Hauptursache für Überschuldung die Arbeitslosigkeit ist. Der prozentuale Anteil der Ursache liegt bei 20 %.

An zweiter Stelle folgen unvorhersehbare Ereignisse, wie Scheidung, Trennung oder Tod, die in einer Überschuldung münden. Prozentual ausgedrückt lag der Anteil bei 13,2 % im Jahre 2018.

Zudem hat die Studie ergeben, dass in 15,8 % der Fälle auf eine Krankheit, Sucht oder einen Unfall zurückführen. An vorletzter Stelle ist eine unwirtschaftliche Haushaltsführung maßgebend verantwortlich gewesen mit einem Anteil von 12,7 %.

39,3 % der Ursachen sind nicht klar definiert worden und sind unter “Sonstiges” vermerkt.

Eine hohe Überschuldung zeichnet sich besonders im Norden Deutschlands ab, wie zum Beispiel in den Bundesländern Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt. Konträr dazu ist die Überschuldung im Süden weniger ausgeprägt. In Bundesländern, wie Bayern oder Baden-Württemberg liegt die Verschuldungsquote im unteren Bereich.

eine Tabelle der Schulden pro Einwohner in Deutschland

 

Ursachen für eine Überschuldung im Gesamtüberblick:

  • Arbeitslosigkeit: 20,0 %
  • Scheidung, Trennung, Tod: 13,2 %
  • Krankheit, Sucht, Unfall: 15,8 %
  • Unwirtschaftliche Haushaltsführung: 12,7 %
  • Sonstiges: 39,3 %

Was lässt sich aus der Statistik für die Alltagsausgaben ableiten? – Welche Präventivmaßnahmen gibt es?

Anhand der Statistik lassen sich etwaige Schlüsse ziehen, die eine reflektierte Sichtweise auf die eigene Haushaltsführung zulassen. Dabei ist es nicht nur wichtig die Risiken zu kennen. Es spielen gleichermaßen auch Präventivmaßnahmen eine fundamentale Rolle, um ein Abrutschen in die Schuldenspirale zu verhindern. Sicherlich gibt es kein Allheilmittel gegen alle Szenarien, die im Leben eintreten, doch es ist zumindest möglich einen Teil davon abzufedern oder gänzlich zu verhindern.

Aufgrund der Tatsache, dass Arbeitslosigkeit eine häufige Ursache für eine Überschuldung, ist es bedeutsam sich die Risiken zu vergegenwärtigen in Hinblick auf die eigene berufliche Situation. Denn mit dem Ausfall des vollen Gehalts erscheinen die finanziellen Alltagsausgaben schlagartig hoch. Es gilt zu prüfen, wie hoch das Risiko ist, dass die berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann und inwieweit eine Berufsunfähigkeitsversicherung infrage kommt.

Doch welche Rolle spielt die Ehe oder der Tod von nahestehenden Personen? Es sind ebenfalls unerwartete Dinge, die im Leben eintreffen, auf die Betroffene keinen Einfluss haben. Jedoch ist es möglich sich die Frage zu stellen, inwiefern eine wirtschaftliche Abhängigkeit zum Lebenspartner vorliegt. Sollte letzteres der Fall sein, ist es möglich zu ergründen, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um notfalls finanziell abgesichert zu sein.

Ein häufig wichtiger Punkt wird beispielsweise bei einer Eheschließung vernachlässigt, der unter Umständen zu einer Überschuldung führen kann, nämlich der Verzicht auf einen Ehevertrag. Dies führt dazu, dass ein Ehepartner gegebenenfalls mittellos aus der Ehe scheidet. Zwar ist ein Ehevertrag unromantisch und passt nicht ins Bild der Ehe und der lebenslangen Treue. Doch eine potenziell mögliche Scheidung sollte nie gänzlich ausgeschlossen werden. Ein Ehevertrag, der die Aufteilung regelt, ist somit ein gutes Mittel um die Interessen beider Ehe-Partner zu schützen, sollte es wider Erwarten zu einer Trennung kommen.

Statisch gesehen ist abseits der Lebenspartnerschaft, die Gefahr gegeben, dass eine Überschuldung, infolge einer Krankheit oder eines Unfalls eintritt. Denn eine Krankheit ist häufig Auslöser für eine Berufsunfähigkeit, was wiederum mit erheblichen finanziellen Einbußen einhergeht. Weil diese Aspekte sich schwerpunktmäßig auf den beruflichen Werdegang auswirken, gilt es die Punkte zu beachten, die bereits erörtert worden sind, wie zum Beispiel der Abschluss einer Versicherung.

Es bleibt noch die unwirtschaftliche Haushaltsführung, die konträr zu unvorhersehbaren Ereignissen im Leben steht und zudem weitgehendsten kontrollierbar ist. Eine Besserung kann zum Beispiel mithilfe eines Schuldenberaters erreicht werden, der eine professionelle Stütze darstellt. Das Budget lässt sich auch durch Eigeninitiative verbessern. Dabei ist es möglich die Ausgaben zu dokumentieren und an möglichen Stellen zu verringern, um wieder in einem positiven Saldo zu kommen.

  • Mögliche Gegenmaßnahmen im Überblick:
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Ehevertrag
  • Sterbegeldversicherung
  • Haushaltsplan
  • Schuldenberatung

Welche Rolle spielen die Mietkosten für die Alltagsausgaben?

Manchmal ist nicht der überzogene Lebensstandard verantwortlich für eine Überschuldung, sondern der hohe Mietpreis, der nicht zum Einkommensniveau passt. In solchen Fällen ist es nicht möglich die Kosten durch eine gute Haushaltsführung zu stemmen. Liegt eine finanzielle Überlastung vor, die über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen bleibt, so ist es ratsam zu prüfen, inwieweit die eigene Wohnsituation adäquat ist.

Wenn die eigene Wohnsituation langfristig eine finanzielle Belastung darstellt, so gilt zu ergründen, welche Alternativen infrage kommen. Folglich sollte ein Umzug in Erwägung gezogen werden, um die Mietkosten zu senken. Oftmals ist der Umzug in eine andere Region vonnöten, weil die Mietpreise in starker Abhängigkeit zu den Lokalitäten stehen.

Soll der Ort möglichst nah am vorherigen Umfeld grenzen, dann ist die Möglichkeit gegeben in eine Wohngemeinschaft zu ziehen. Die Wohngemeinschaft ist eine ideale Lösung, um dauerhaft günstig zu wohnen und ist nicht nur für Studenten geeignet.

Bevor Schritte eingeleitet werden, ist es unersetzlich sich mit den Vor- und Nachteilen vertraut zu machen, um zu prüfen, welche Alternativen realistisch sind und zum eigenen Charakter passen. Schließlich ist ein WG-Leben eine gänzlich andere Lebensform, als das Leben alleine in der Wohnung.

Pragmatische Tipps für den Alltag

Es müssen nicht immer Versicherungen sein oder umfangreiche Umwälzungen im Leben, um sich Abhilfe zu verschaffen. Eine Verschuldung lässt sich selbst mit kleineren Verhaltensweisen im Alltag vermeiden.

Häufig summieren sich kleine Summen zu größeren Beträgen. Deshalb ist es wichtig auf diese Summen zu achten. Bestehen unnötige Mitgliedschaften oder Verträge? Dann ist es Zeit diese zu kündigen!

Des Weiteren können überteuerte Ratenkredite das Haushaltsbudget unnötig belasten. Aufgrund des großen Angebots an Finanzdienstleistern ist es möglich eine Umschuldung in die Wege zu leiten.

Die Finanzen werden nicht selten aufgrund von häufigen Restaurantbesuchen und anderen Aktivitäten in der Freizeit belastet. Unter Umständen ist es besser die Anzahl der Besuche zu reduzieren, um die finanziellen Ressourcen anderwärtig zu verwenden. Letztlich ist wichtig, monatlich Geld beiseite zu legen, um für unvorhersehbare Ausgaben gewappnet zu sein.

Tipps im Überblick:

  • häufige Restaurantbesuche meiden
  • unnötige Verträge kündigen
  • teure Ratenkredite umschulden
  • achtsames Konsum-/ Kaufverhalten
  • Rücklagen bilden

Bildquelle: pixabay.com

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