Anwalt für Arbeitsrecht

Ein Anwalt für Arbeitsrecht ist ein Rechtsanwalt, der sich schwerpunktmäßig mit Angelegenheiten beschäftigt, die sich aus der Beziehung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ergeben. Grundlage ist ein Arbeitsverhältnis, in dem es zu Schwierigkeiten gekommen ist. Wenn sich ein Anwalt vorwiegend mit dem Arbeitsrecht beschäftigt, hat er meistens eine besonders intensive Fortbildung in Anspruch genommen und kennt sich mit den vielen Detailfragen des Arbeitsrechts dann besser aus, als ein Anwalt, der vorwiegend im Verkehrsrecht oder im Familienrecht arbeitet.

Ein Schrank voll Bücher

Der Anwalt wird in Anspruch genommen, wenn es um die Gestaltung oder die Überprüfung eines neu abzuschließenden Arbeitsvertrages zwischen einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer geht. Bevor der Arbeitnehmer seine Unterschrift unter den Arbeitsvertrag setzt, sollte er wissen, was einzelne Bestimmungen bedeuten und welche Rechte und Pflichten sich daraus ergeben. Das Arbeitsrecht ist eine komplexe und recht unübersichtliche Materie. Die arbeitsrechtlichen Vorschriften sind in vielen Gesetzen verstreut und sind auch immer im Zusammenhang mit den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu verstehen. Hinzu kommt, dass viele tarifvertragliche Regelungen einzelne gesetzliche Bestimmungen verändern, ergänzen oder sogar aufheben. Die Vision des Gesetzgebers, ein einheitliches Arbeitsvertragsgesetz zu erarbeiten, hat bislang noch nicht zum Erfolg geführt. Demnach finden sich die arbeitsrechtlichen Bestimmungen unter anderem im Dienstvertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, Kündigungsschutzgesetz, Bundesurlaubsgesetz, Mutterschutzgesetz, Schwerbehinderten- und Jugendarbeitsschutzgesetz, Lohnfortzahlungsgesetz, aber auch im Betriebsverfassungs- und Tarifvertragsgesetz.

In vielen Fällen wird der Anwalt für Arbeitsrecht dann aufgesucht, wenn der Arbeitnehmer die Kündigung seines Arbeitsvertrages erhalten hat. Hier gilt es, keine Zeit zu verlieren und sich schnellstens rechtlich beraten zu lassen. Um gegen die Kündigung vorzugehen, muss der Arbeitnehmer innerhalb einer gesetzlich vorgegebenen Frist von drei Wochen die Kündigungschutzklage beim Arbeitsgericht, zum Beispiel in Berlin,  einreichen. Verpasst er diese Frist, ist die Kündigung wirksam und unangreifbar. Zwar kann sich vor dem Arbeitsgericht jeder Arbeitnehmer selbst vertreten. Ohne anwaltlichen Beistand wird er aber kaum in der Lage sein, eine ordnungsgemäße Kündigungsschutzklage zu formulieren oder sich in der mündlichen Verhandlung vor dem Richter sachgerecht zu präsentieren und der meist durch einen Anwalt vertretenen Gegenseite angemessen Paroli zu bieten. Das Arbeitsgericht ist gehalten, Kündigungsschutzklagen bevorzugt zu terminieren und setzt in der Regel binnen zwei Wochen nach Eingang der Klageschrift einen mündlichen Termin an, in dem eine gütliche Einigung angestrebt wird. In diesem Termin werden der Sachverhalt und alle damit verbundenen Sach- und Rechtsfragen erörtert. Scheitert der Einigungsversuch, beraumt das Gericht einen weiteren Termin an und fordert die Parteien vorher auf, den Sachverhalt gegebenenfalls zu konkretisieren und Beweismittel anzugeben.

Die Hauptpflicht des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsvertrag ist die Pflicht zur Arbeitsleistung. Sie hat höchstpersönlichen Charakter, eine Vertretung ist nicht möglich. Über den Umfang und die Art der Arbeitspflicht ergeben sich immer wieder Streitigkeiten, insbesondere wenn der Arbeitgeber sein Direktionsrecht ausübt und dem Arbeitnehmer eine Aufgabe zuweist, die im Widerspruch zur Arbeitsplatzbeschreibung in seinem Arbeitsvertrag steht. Wenn der Arbeitgeber den ihm durchaus zustehenden Ermessensspielraum überschritten hat, muss der Arbeitnehmer seine Rechte kennen und wissen, wie er sich dagegen verwahren kann.

Hat der Arbeitnehmer seinen Jahresurlaub eingereicht und eine Urlaubsreise gebucht, kann es vorkommen, dass ihn der Arbeitgeber zur Arbeit verpflichten will und ihn auffordert, den Urlaub zu verlegen. Hier ist anwaltlicher Rat unumgänglich. Weigert sich der Arbeitnehmer, muss er mit einer Kündigung rechnen. Gibt er dem Wunsch des Arbeitgebers nach, muss er die Urlaubsreise stornieren und vielleicht auch noch bezahlen. Also muss er die richtige Entscheidung treffen, die er aber nur treffen kann, wenn er sich sachkundig beraten lässt.

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