das Schuhplattlern

Der Schuhplattler- Tanz; Ausdrucksform bayerischer Lebensfreude

Das Schuhplattler- Tanzen gilt als einer der prägnantesten Ausdrucksformen des bayerischen Kulturgutes und fungiert als Synonym für ausgelassene Lebensfreude, Heimatverbundenheit und Tradition. Tanzbewegungen, Sprünge, Präzision, mitreißende Schlagkraft, Rhythmusgefühl und Handgebärden prägen das Schuhplattln. Gemäß historischer Dokumente erfanden ursprünglich Bauern, Knechte, Holzarbeitern und Jäger das Schuhplattln. Intention der stolzen Männer war es, einen einzigartigen Ausdruckstanz zu kreieren, der verschiedene Elemente des klassischen Paartanzes, Schlagkraft, Körperbeherrschung, Eleganz, Kraft, Selbstvertrauen, Musikalität und Geschicklichkeit harmonisch miteinander verschmelzen ließ und mit seinen außergewöhnlichen Merkmalen die Aufmerksamkeit Dritter spielerisch und unverwechselbar auf sich zog.

Schuhe und Strumpfe in der bayrischen Tracht
die Tradition aus Bayern – das Schuhplattlern

Die Demonstration von physischer Stärke und Körperkraft während des Tanzens war in erster Linie Knechten und Holzarbeitern überdurchschnittlich wichtig, da sie sehr stolz auf ihre individuelle Körper- bzw. Arbeitskraft waren.

Vom ursprünglichen Werbe- zum Volkstanz

Der explizit als Burschentanz klassifizierte Tanz sollte anfangs insbesondere das Interesse von Mädchen und Frauen wecken und zielte darauf ab das weibliche Geschlecht mit den persönlichen Tanzfertigkeiten zu beeindrucken. Demnach ist das Schuhplattln ein traditioneller Ausdruckstanz mit Balz- Werbe- und Wettbewerbscharakter, der traditionell durch ein hohes Maß an tänzerischer Präzision besticht. Mit der zunehmenden Bekanntheit des bayerischen, anziehenden Ausdruckstanzes rückte zudem das Werben um die Zuschauer- bzw. Publikumsgunst in den Fokus der Tänzer. Das Streben sich mit Hilfe des Schuplatttelns gekonnt vor Zuschauern zu präsentieren und die individuelle Tanzkompetenz mit anderen Tänzern zu messen, gewann stetig an Bedeutung und ließ den ursprünglichen Werbe- bzw. Balzcharakter des Plattelns vermeintlich in den Hintergrund treten.

Historische Aufzeichnungen und literarische Schriften eines am Tegernsee beheimateten Mönchs aus dem Kalenderjahr 1050, enthalten belegbar Hinweise für die Existenz des ursprünglichen Schuhplattlns. Der Ordensbruder berichtet demzufolge in seinen Schriften über einen ” dörflichen Tanz”, der von Sprüngen und ausgelassenen Tanzgebärden bestimmt war und als Frühform des Schuhplattln einzuordnen ist. Die Einheimischen des bayerischen Kurortes Wildbad Kreuth führten zudem zu Ehren der damaligen russischen Kaiserin, die sich im Zuge des Kalenderjahres 1938 für einen Kuraufenthalt im Ort aufhielt, einen Volkstanz auf, der unzählige Parallelen mit dem heutigen Ausdruckstanz des Schluplattlns aufwies. Unreglementierte Abläufe kennzeichneten allerdings die Bewegungen, die unter dem Begriff ” bairisch Tanzen” zusammengefasst wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts folgte eine Vereinheitlichung der Plattl- Tanzbewegungen. Diese Entwicklung trieb maßgeblich die Entstehung des Gruppen- Plattlns voran. 1883 veranlasste Joseph Vogl den landesweit ersten Trachtenverein, der das vereinsmäßige Schuhplatteln förderte. Seit diesem Zeitpunkt wird der Ausdruckstanz vereinsmäßig praktiziert.

Volksfeste, Feierlichkeiten und Veranstaltungen der Trachtenvereine dienen als Plattform, um den faszinierenden, lebensbejahenden Ausdruckstanz ausgelassen zu zelebrieren. Derzeit existieren rund 150 unterschiedliche Schuhplattl- Tanzformen, die in ihrer jeweiligen Ausdrucksform regionale Unterschiede erkennen lassen. Das Schuhplattlern wird demzufolge traditionell in den Arealen zwischen Bodensee, Donau und Südtirol ausgeübt. Der Tanz folgt grundsätzlich verschiedenen Mustern, die ein bewusster Gegenentwurf zu einer stereotypen Vereinheitlichung der Plattl- Tanzbewegungen sind. Die exakte Spielart des Plattlns orientiert sich daher an den jeweiligen Landschaftsgebieten.

Während in Gebieten des südöstlichen Bayerns das Schuhplattln von exakten Bewegungsmustern, zielgerichteter Körperspannung, aufrechter Haltung und verhältnismäßig lauten Schlagbewegungen geprägt ist, führen Oberländer und Einwohner des restlichen Südbayerns den Tanz vergleichsweise gemütlicher und in Verbindung mit einer entspannten Körperhaltung aus. Tanzbewegungen auf dem Absatz des Schuhs sowie runde, lockere Schläge sind hier stilprägend für den traditionellen Volkstanz und seine charakteristische Ausdrucksform.

Fazit

Laut Kulturwissenschaftlern zählt das Schuhplattln nachweisbar zu der Riege der vergleichsweise jüngeren Brauchtümer, wobei sich der Ausdruckstanz widerstandsfähig gegen neue Entwicklungen behauptet und fest im bayerischen Brauchtum verankert ist. Wegen seines animierenden Charakters zählt das Schuhplattln zu den beliebtesten Volkstänzen der Welt und transportiert bayerisches Brauchtum und Kulturgut in Perfektion.

 

Bildquelle: pixabay.com Schuhplattlern

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