Masturbation: Ist Selbstbefriedigung gesund oder ungesund?

Es ist ein Thema, über das nicht offen genug geredet wird: Solo-Sex. Die meisten haben schon mal "Hand angelegt" – sogar Ungeborene wurden im Mutterleib dabei beobachtet, wie sie ihren Genitalbereich berühren. Wenn Kinder oder Jugendliche ihren Körper erkunden, gehen nicht alle Eltern locker damit um. Dadurch kann Selbstbefriedigung mit dubiosen Halbwahrheiten, Scham, Angst oder Ekel verknüpft werden. Dabei ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen: Masturbation ist gesund, kann aber Nebenwirkungen haben.

Masturbation: Ist Selbstbefriedigung gesund oder ungesund?

Diese positiven Effekte hat Selbstbefriedigung

#1: Wer den eigenen Körper erkundet, lernt die eigene Anatomie kennen und was das größte Vergnügen bereitet. Dieses Wissen lässt sich in die Partnerschaft tragen. So wird der Sex in der Beziehung besser.

#2: Selbstbefriedigung fördert das Wohlbefinden. Grund dafür sind die Hormone Prolaktin und Oxytocin. Der Solo-Sex löst sexuelle Anspannung, entspannt und vertreibt Stress und Sorgen. Wird abends eine Solonummer mit oder ohne Sextoy absolviert, lässt sich besser schlafen.

#3: Der sexuelle Höhepunkt stärkt das Immunsystem. Ganz egal, ob der Orgasmus allein oder in Gesellschaft erreicht wird.

#4: Masturbation, die im Orgasmus mündet, setzt schmerzstillende Endorphine frei. Schmerzen durch Menstruationskrämpfe oder Kopfschmerzen fühlen sich weniger schlimm an.

#5: Das Risiko für Diabetes und Schlaflosigkeit sinkt durch Masturbation, legt eine Untersuchung der australischen Universität Sydney nahe.

#6: Bei Männern ab 50 kann Selbstbefriedigung vor Prostatakrebs schützen, zeigt eine Studie der Harvard Medical School in den USA.

#7: Bei Frauen können regelmäßige Masturbation und Orgasmen die Beckenbodenmuskulatur stärken. Das steigert nicht nur das sexuelle Erleben beim Geschlechtsverkehr, sondern schützt auch vor potenziellen Leiden wie Inkontinenz und Beckenorganprolaps, die im Alter drohen.

#8: Solo-Sex ist die ungefährlichste Methode, um sexuell aktiv zu sein. Es besteht kein Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken.

Mögliche Nebenwirkungen von Masturbation

Ungesund ist Selbstbefriedigung nicht. Im Normalfall hat Masturbation auch keine schädlichen Effekte. Es gibt jedoch drei mögliche Nebenwirkungen.

Für einige Menschen kann Solo-Sex auf emotionaler Ebene kompliziert sein, weil sie sich schuldig oder schmutzig fühlen. Kulturelle oder religiöse Überzeugungen spielen eine Rolle dabei. Aus medizinischer Sicht steht der Masturbation nichts entgegen und es ist auch nicht unmoralisch, sich selbst sexuelles Vergnügen zu bereiten. Wer mit diesen Emotionen zu kämpfen hat, kann lernen, Gefühle von Schuld oder Scham zu überwinden. Sexualtherapeuten bieten Unterstützung dabei.

Selbstbefriedigung kann zur Sucht werden. Es gibt klare Anzeichen, dass das Masturbieren zu viel Raum im Leben einnimmt, wenn deshalb:

-tägliche Aktivitäten oder Tätigkeiten vernachlässigt werden.
-Schule, Studium oder Arbeit geschwänzt werden.
-Verabredungen mit Familie oder Freunden abgesagt werden.
-Geburtstagspartys oder andere Feierlichkeiten ausgelassen werden.

Wer süchtig nach Selbstbefriedigung ist, sollte mit dem Hausarzt oder der Hausärztin darüber sprechen. Eine Gesprächstherapie oder Selbsthilfegruppe kann ebenfalls hilfreich sein.

Sex-Praktiken, die die Atmung beim Masturbieren beschränken (Hypoxyphilie, autoerotische Asphyxie), können gefährlich sein und sogar tödlich enden. Der Schauspieler David Carradine, bekannt etwa aus dem Film "Kill Bill", verstarb auf diese Weise. Pro Jahr gibt es rund 100 Todesfälle allein in Deutschland.

Solo-Sex mit Sexspielzeug für Frauen und Männer – überraschende Vorteile

"Hand anlegen" ist die simpelste Lösung, um zu Masturbieren. Wenn die Lust einen überkommt, lässt sich so schnell Erleichterung erhalten. Auf Dauer kann es allerdings etwas öde werden, immer nur auf die gleichen "Handgriffe" zurückzugreifen. Sextoys steigern den Spaß und bringen Abwechslung in den Solo-Sex. Außerdem hat Sexspielzeug bei der Selbstbefriedigung für Frauen und Männer überraschende Vorteile.

Zwei Studien aus dem Jahr 2009 zeigen, dass Frauen und Männer, die bei der Selbstbefriedigung Sextoys wie einen Vibrator oder  ein Fleshlight benutzt hatten, davon auf mehrfache Weise profitierten. Die Testpersonen berichteten:

-dass ihr sexuelles Verlangen zugenommen hat.
-die Erregung intensiver war.
-die sexuelle Funktion sich verbessert hat.

Probandinnen berichteten, dass die natürliche vaginale Lubrikation zugenommen hat. Sie waren feuchter.

Probanden gaben indes an, dass ihre erektile Funktion besser war. Sie wurden unter anderem härter und blieben länger steif.

Eine dubiose Halbwahrheit behauptet, dass man durch Sextoys bei der Selbstbefriedigung abstumpft. Wie die beiden Studien von 2009 zeigen, ist das weder bei Männern noch bei Frauen der Fall.

Es gibt jedoch Fälle, in denen Männer durch eine suboptimale Technik beim Masturbieren etwas Gefühl im Penis einbüßen können. Ursächlich ist ein zu fester Griff – die Hand klammert sich zu stark um den Penis (auch Death-Grip-Syndrom genannt). Beim Sex mit der Partnerin entsteht dann das Gefühl, dass nicht genug Reibung oder Druck da ist. Das kann das Sexualleben und die Partnerschaft belasten. Es gibt jedoch eine Lösung, um das Feingefühl im Penis wiederherzustellen. Dafür muss die Masturbationstechnik geändert werden. Entweder mit der anderen Hand masturbieren oder bei der Selbstbefriedigung den Penis anders halten. Mit der Zeit wird das beste Stück wieder empfindsamer.

3 interessante Fakten rund um die Selbstbefriedigung

Masturbation ist gesund, deshalb…

…masturbieren auch Tiere. Affenweibchen benutzen manchmal sogar Stöcke als Sexspielzeug.

…ist in den USA inzwischen ein ganzer Monat der Selbstbefriedigung gewidmet: der Mai (genannt: National Masturbation Day).

…ist es die häufigste Form menschlicher Sexualität auf der Erde. Menschen jeden Alters und überall auf der Welt befriedigen sich selbst.

Fazit

Selbstbefriedigung ist eine normale, natürliche und gesunde Handlung, um den eigenen Körper zu erkunden und aufgestaute sexuelle Spannungen abzubauen. Zudem hat Masturbation – mit der Hand oder mithilfe von Sexspielzeug, zum Beispiel von Beathe Uhse – zahlreiche positive Effekte. Exzessive Selbstbefriedigung kann jedoch negativ auf die Liebesbeziehung und andere Lebensbereiche wirken.

Bildquelle: pixabay.com

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