Nackt schlafen – wie gesund und erholsam ist das textilfreie Schlafen?

letzte Aktualisierung am 24. September 2020 von der Redaktion

Nackt schlafen oder doch lieber im kuscheligen Schlafanzug zu Bett gehen? Die meisten Menschen haben sich vermutlich bisher wenig Gedanken über diese Frage gemacht und folgen seit Jahren ihrer bisherigen Gewohnheit. Da aber immer wieder darüber diskutiert wird, wie gesund das Nacktschlafen tatsächlich ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf dieses Thema.

Wer schläft qualitativ besser – Nacktschläfer oder Schlafanzugträger?

Laut diversen Studien schlafen nur zwischen 8 und 10 Prozent der in Deutschland lebenden Einwohner regelmäßig nackt. Die große Mehrheit bevorzugt demnach den Schlafanzug. Dr. med. Michael Feld konnte im Rahmen seiner Tätigkeit als Schlafmediziner keinen dringenden gesundheitlichen Vorteil feststellen, der rechtfertigen würde, dass alle Menschen nackt schlafen sollten. Vielmehr kommt es auf die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse an, ob das Nacktschlafen gesünder ist. Um herauszufinden, ob man besser nackt oder mit Schlafanzug schläft, können einfach beide Varianten ausprobiert werden. Nicht immer schläft man wirklich so am besten, wie es der Gewohnheit entspricht. Über den Zeitraum von einer Woche kann derjenige, der sonst bekleidet schläft, nackt schlafen und sich am Morgen notieren, wie erholsam die Nachtruhe empfunden wurde. Kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Schlafqualität während des Nacktschlafens, kann man es im Anschluss einfach beibehalten. Natürlich gibt es aber nicht nur Schwarz oder Weiß. Manche Menschen bevorzugen es beispielsweise, nur im Sommer nackt zu schlafen und sich im Winter in einen warmen Schlafanzug zu kuscheln. Wer sich nicht entscheiden kann, findet vielleicht auf dem Mittelweg die passende Lösung. Dabei handelt es sich um einen dünnen und weit geschnittenen Schlafanzug, der nicht einengt und trotzdem das Gefühl vermittelt, nicht ganz nackt zu sein.

eine Frau liegt nackt unter der Decke

Die Vorteile des Nacktschlafens

Befürworter des Nacktschlafens heben insbesondere das Gefühl der Freiheit hervor. Nichts kneift oder engt beim Schlafen ein. Einen weiteren wesentlichen Vorteil sehen Nacktschläfer beim verbesserten Körpergefühl. Sie genießen es, die Bettwäsche auf ihrer Haut zu spüren und manche Menschen nehmen ihren Körper dadurch intensiver wahr. Sie fühlen sich außerdem am nächsten Morgen frischer.

Einige Befürworter des Nacktschlafens gehen sogar davon aus, dass sie schneller abnehmen, weil ihr Körper in der kühleren Umgebung mehr Energie aufbringen muss. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. Frieren Menschen im Schlaf, wachen sie schneller auf. Dadurch wird der erholsame Schlaf gestört. Man fühlt sich morgens schlapp und bekommt schnell Hunger auf Süßigkeiten, um dem Körper Energie zu liefern. Häufig wird der Aspekt genannt, dass Nacktschlafen einen verjüngenden Effekt auf den Körper habe, weil die kühlere Umgebungstemperatur die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin anregen würde. Die tatsächlichen Effekte auf den Körper sind jedoch umstritten. Die Schlaftemperatur hängt auch von der Dicke der Decke und der Raumtemperatur ab. Wie stark Melatonin ausgeschüttet wird, hängt auch von der Dunkelheit im Raum ab. Je dunkler es ist, desto mehr Melatonin wird gebildet.

Nacktschlafen kann bei einem Kinderwunsch vorteilhaft sein. Spermien haben eine bessere Qualität, wenn die Geschlechtsteile nicht zu sehr durch Kleidung eingeengt sind und die Temperatur nicht zu warm ist.

Hygienische Aspekte des Nacktschlafens

Die meisten Fachleute empfehlen das Wechseln der Bettwäsche nach 2 Wochen und das Wechseln des Schlafanzuges nach 4 Tagen. Bei starkem Schwitzen sollte der Wechsel häufiger stattfinden. Menschen, die nackt schlafen, sollten die Bettwäsche entsprechend schon nach rund 4 Tagen wechseln und täglich gut auslüften. Der Schlafanzug nimmt Schweiß und abgestorbene Hautzellen auf. Schläft man nackt, übernimmt die Bettwäsche diese Aufgabe. Wechselt man die Wäsche seltener, entstehen nicht nur Gerüche, sondern auch Nährböden für Bakterien und Pilze. Da ein Schlafanzug näher am Körper anliegt, können Ausdünstungen des Körpers schlechter entweichen und sammeln sich leichter in Hautfalten, zum Beispiel im Intimbereich oder unter den Armen. Dadurch erklärt sich das Gefühl des Nacktschläfers, am Morgen erfrischter zu sein. Die regelmäßige Körperhygiene sollte er dadurch natürlich nicht einschränken. Die Bettwäsche fühlt sich außerdem länger frisch an, wenn man vor dem Schlafen duscht.

Nachteile des Nacktschlafens

Wer nackt schläft und entsprechend häufiger seine Bettwäsche wäscht, hat im Vergleich zum Schlafanzug ein wesentlich höheres Aufkommen an Wäsche. Je nachdem wie viele Personen im betreffenden Haushalt nackt schlafen, werden die Wäscheberge deutlich spürbar. Ebenso erhöht sich der Verbrauch an Waschmitteln und an Energie für Waschmaschine und Wäschetrockner.

Wer nachts häufiger raus muss, um zur Toilette zu gehen, friert nackt schneller. Ebenso kann es unangenehm sein, nackt zu schlafen, wenn sich ein Baby im Nebenzimmer befindet, das nachts noch häufig gestillt und gewickelt werden muss. Um dem Frieren entgegen zu wirken, sollte in diesen Fällen zumindest ein Morgenmantel griffbereit neben dem Bett liegen.

Darauf sollten Nacktschläfer achten

Im Schlaf bewegen sich manche Menschen stärker als andere. Wenn man nackt schläft, kann die Bettwäsche dabei verrutschen, so dass man unbedeckt weiterschläft. Wer dann bei geöffnetem Fenster oder eingeschalteter Klimaanlage schläft, riskiert eine Unterkühlung und erkältet sich schneller.

Ein besonderes Augenmerk sollten Nacktschläfer auf die Wahl der Bettwäsche legen, da sie direkt mit der Haut in Berührung kommt und Feuchtigkeit aufnehmen muss. Besonders gut eignen sich Stoffe aus schadstofffreier Baumwolle.

Wenn kein Schlafanzug den Körper umgibt, der abgestorbene Hautschüppchen aufnimmt, landen diese in der Bettwäsche. Milben ernähren sich von Hautschuppen und einige Menschen reagieren allergisch auf die Ausscheidungen der Milben. Spezielle milbendichte Encasings können über Matratze, Bettdecke und Kopfkissen gezogen werden, um den Milbenbestand zu minimieren.

Wer nackt schläft und schnell friert, könnte geneigt sein, die Heizung im Schlafzimmer höher zu stellen. Das ist keine gute Idee. Heizungsluft ist trocken und somit trocknen auch die Schleimhäute der Atemwege schneller aus. In der Folge kommt es leichter zu Atemwegserkrankungen. Die Temperatur sollte im Schlafzimmer nicht mehr als 18 Grad Celsius betragen. Wer bei dieser Temperatur unter seiner Decke friert, sollte wenigstens einen leichten Schlafanzug tragen oder eine dickere Decke wählen.

Menschen, die zum Schlafwandeln neigen, sollten sich überlegen, ob sie sicherheitshalber einen Schlafanzug tragen um peinliche Situationen zu vermeiden.

Nackt kuscheln kann die Beziehung stärken

Es ist eine besonders innige und exklusive Intimität, nackt mit dem Partner zu kuscheln. Nähe entsteht schon dann, wenn Menschen sich umarmen. Dadurch zeigen sich bekannte oder fremde Menschen eine Art der Wertschätzung, weil sie sich ganz nah aneinander heranlassen. Begrenzt wird dieser intime Moment durch den kurzen Zeitraum der Umarmung und durch die Kleidung. Einen Schritt weiter gehen Menschen, wenn sie miteinander kuscheln. Der Zeitraum der gegenseitigen Berührungen ist viel länger als bei einer einfachen Umarmung und verstärkt dadurch die Intimität. Dennoch bleibt die Kleidung als letzte Grenze zwischen beiden Personen. Diese letzte Grenze verschwindet, wenn Menschen nackt miteinander kuscheln. Es entsteht eine große körperliche Intimität, in der gegenseitiges Vertrauen und eine besonders große Wertschätzung zum Ausdruck gebracht werden. Diese starke Intimität teilen Menschen miteinander, die sich besonders nahe stehen und sich gegenseitig spüren wollen.

Der Beziehung kann das Nackt-Kuscheln besonders gut tun, weil etwas zugelassen wird, was man nicht mit jedem anderen Menschen teilen würde. Man präsentiert sich so, wie man in all seiner Natürlichkeit ist und zeigt dadurch “Ich vertraue dir und zeige dir meine Verletzlichkeit.” Kleidung kann wie eine Maske sein, eine bestimmte Wirkung auf das Gegenüber erzeugen oder Problemzonen des Körpers und Narben kaschieren. Das alles fällt weg, wenn ein Mensch sich einem anderen Menschen nackt präsentiert und die nackten Körper sich mit den Augen, den Händen und durch innige Umarmungen berühren.

Nackt kuscheln kann außerdem ein inniges Wir-Gefühl erzeugen. Der Partner wird durch besonders leidenschaftliches Kuscheln mit allen Sinnen genossen. Berührungen und Küsse bewirken ein wohliges Kribbeln auf der Haut. Beide Partner riechen und schmecken sich. Je nachdem, ob es hell oder dunkel ist, wird der Partner so gesehen, wie “Gott ihn schuf”. Allein das erfordert ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen, weil die meisten Menschen Problemzonen an ihrem Körper ungern zeigen.

Die Beziehung kann durch die besonderen Momente des Nacktkuschelns noch weitreichender gestärkt werden. Die so entstandene Intimität kann nämlich weitergehend dazu führen, dass die Partner sich auch auf der gedanklichen Ebene öffnen und sich gegenseitig tiefere Einblicke in ihre Herzen und ihre Gefühlswelt gewähren. Menschen sind jedoch unterschiedlich und bei manchen ist es genau andersherum. Sie benötigen zunächst eine seelische Verbindung und Tiefe zu ihrem Partner. Erst wenn die seelische Intimität gegeben ist und sie ihrem Partner einen Teil ihrer nackten Seele gezeigt haben, können sie auch auf der körperlichen Ebene nackt zeigen und Nähe zulassen.

Positiver Einfluss durch Hormone

Berühren sich zwei Menschen, die sich besonders nahe stehen und die Berührungen als angenehm empfinden, wird der Körper angeregt, das Bindungshormon Oxytozin auszuschütten. Das geschieht auch, wenn die Partner angezogen sind, jedoch werden die Berührungen auf nackter Haut intensiver wahrgenommen. Bildet der Körper Oxytozin, können sich folgende Reaktionen ergeben:

  • Der Körper entspannt sich und kommt zur Ruhe.
  • Die Entspannung bewirkt, dass der Körper die stressbedingt erhöhte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol herunterfährt.
  • Da ein zu hoher Cortisolwert den Appetit steigern kann, normalisiert sich beim Herunterfahren der Produktion auch ein übermäßiger Appetit auf Süßes und Deftiges. Dadurch fällt es leichter, die Figur zu halten.
  • Es entsteht eine unterstützende Wirkung auf das Immunsystem.
  • Ein erhöhter Blutdruck kann gesenkt werden.

Depressive Verstimmungen lindern

Depressionen und depressive Verstimmungen können unterschiedliche Ursachen haben. Häufig gehen sie mit Stress, Schlafmangel und Einsamkeit einher. Durch das Kuscheln mit einem liebevollen Partner und einer Reduzierung des Stresshormons Cortisol, wird dem Stress-Gefühl positiv entgegen gewirkt. Dadurch kann sich wiederum der erholsame Schlaf verbessern. Die Partner nehmen sich beim Kuscheln das Gefühl der Einsamkeit und schenken sich gegenseitig Geborgenheit. Noch intensiver kann dieses Gefühl erlebt werden, wenn beide nackt sind.

Nackt kuscheln und Sex

Natürlich muss es nicht immer auf Sex hinauslaufen, wenn Partner nackt miteinander kuscheln. Insbesondere wenn beide erschöpft und müde sind, kann das Nacktkuscheln helfen, um gemeinsam leichter in den Schlaf zu finden. Dennoch regt das Berühren nackter Haut und das Berührtwerden die Libido zweier sich begehrender Menschen noch intensiver an, als Berührungen auf den bekleideten Körpern. Das gegenseitige Erkunden und Genießen des nackten Körpers kann die Lust aufeinander intensiv entfachen. Ebenso empfinden es viele Menschen als besonders angenehm, sich nach dem Sex genüsslich dem nackten Körper des Partners zu widmen.

Fazit

Nackt zu schlafen ist in erster Linie Geschmackssache. Es gibt nicht nur eine richtige Variante, um gut zu schlafen. Manche Menschen lieben es, nackt zu schlafen und andere fühlen sich wohler, wenn sie bekleidet sind. Nur wer sich beim Nacktschlafen wirklich gut fühlt, kann einen tatsächlichen Nutzen aus den Vorteilen ziehen. Die Vorteile liegen insbesondere im Freiheitsgefühl, der intensiveren körperlichen Wahrnehmung und dem geringeren Nährboden für Bakterien bei entsprechender Hygiene. Wer doch lieber bekleidet schläft, hat dadurch keine Nachtteile gegenüber den Nacktschläfern. Solange sich Schlafanzugträger und Nacktschläfer jeweils auf ihre Art wohlfühlen und die jeweiligen Hygienemaßnahmen beachten, sollte der erholsamen und gesunden Nachtruhe nichts im Wege stehen. Genießen in einer Beziehung beide Partner das gemeinsame Nacktsein, können die Liebe und die Beziehung durch die Nähe und den Hautkontakt beim Kuscheln intensiviert und gestärkt werden.

Bildquelle: pixabay.com

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