Wohnen in Berlin – es wird teuer in der Hauptstadt

In vielen Großstädten wird das Leben unbezahlbar. Berlin gilt gemeinhin als vergleichsweise günstige Stadt – gemessen an den durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten der europäischen Hauptstädte ist unsere Hauptstadt fast schon unverschämt günstig. Aber das ändert sich gerade, das bekommen Wohnungssuchende in Berlin derzeit deutlich zu spüren. Und auch die Medien berichten dieser Tage vermehrt über die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Schuld an der Situation sind die Investoren und Spekulanten, so heißt es vielerorts. Tatsächlich ist es so, dass die Wohnungssituation in Berlin seit einigen Jahren spürbar angespannt ist. Immer mehr Menschen leben in der Hauptstadt. Und die brauchen Wohnraum – am liebsten bezahlbar und möglichst komfortabel.

Wohnen in Berlin – es wird teuer in der Hauptstadt

Der Mietspiegel steigt

Von den 1,9 Millionen Wohnungen in der Stadt sind 1,6 Mietwohnungen. Nur etwa ein fünftel der Wohnungen sind in der Hand städtischer Wohnungsunternehmen. Die städtischen Wohnungsunternehmen bieten Wohnraum deutlich günstiger an als private Unternehmen. 300.000 städtische Wohnungen haben die sechs öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften, deren Aufgabe es auch ist, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu schaffen. Bezahlbarkeit ist überhaupt das Schlagwort auf dem Markt. Der Quadratmeterpreis liegt 2015 im Durchschnitt bei 5,84 Euro – verglichen mit dem Durchschnitt in Hamburg (12,17 €/m²) und München (19,02 €/m²) ist das sehr günstig. Allerdings sieht das nicht überall so günstig aus. In ehemals wenig attraktiven Wohnvierteln wie dem Neuköllner Schillerkiez etwa liegen die Quadratmeterpreise inzwischen weit über dem örtlichen Mietspiegel.

Teufelskreis S-Bahn-Ring

Neukölln ist auch der Bezirk, in dem die Preise am stärksten steigen. Hier wurde eine Steigerung von 23 Prozent ermittelt. Der ehemals günstige Arbeiterbezirk wird Straßenzug um Straßenzug saniert und teuer neu vermietet. Wer günstig wohnen möchte, sollte sich besser in anderen Teilen der Hauptstadt umschauen. Innerhalb des S-Bahn-Rings ist es schwierig geworden, als Normalverdiener günstigen Wohnraum zu finden. Im Internet gibt es nach wie vor zahlreiche Angebote, jedoch ist die Zahl der Interessenten hier besonders hoch. Auf Besichtigungsterminen schieben sich Dutzende Menschen durch enge Flure und kleine Zimmer. Wer auf dem Immobilienportal nach einer neuen Mietwohnung sucht, sollte seinen Suchradius erhöhen. Ortsteile wie Moabit, Weißensee oder Pankow sind zwar keine Geheimtipps mehr, dennoch sind die Mieten hier nicht so hoch wie in den Trendvierteln. Und angenehm wohnen lässt es sich hier auch.

Geheimtipps gibt es nicht mehr

Überhaupt gibt es keine echten Geheimtipps zum günstigen Wohnen mehr. Selbst der vermeintlich jahrelang unterschätzte und gleichzeitig gehypte Wedding ist nicht mehr billig. Es lohnt sich aber, mal abseits der üblichen Bezirke nach Wohnungen zu schauen. In schickeren Bezirken wie Charlottenburg, Wilmersdorf oder Steglitz gibt es schöne Wohnungen, die nicht immer teuer sein müssen. Singles, die etwa 54 Prozent der Haushalte in Berlin ausmachen, ziehen bevorzugt ins Stadtzentrum als in die gesetzten Westbezirke. Dabei gibt es hier ebenfalls kleine Wohnungen, nur liegen sie nicht in Laufweite der Partytouristen, was so mancher Berliner durchaus als Vorteil ansieht.

Wohnungsneubau gegen angespannten Wohnungsmarkt

Künftig wird man sich in Berlin dennoch darauf einstellen müssen, dass die Mietpreise steigen. Auf das Niveau Münchens wird man an der Spree so schnell nicht herankommen, der Immobilienmarkt bleibt trotzdem angespannt. Der Senat übrigens kennt das Problem und versucht durch gezielten Wohnungsneubau die Situation etwas zu entschärfen. Doch das ist gar nicht so leicht in einer Stadt, in der die Mehrzahl der Bewohner am liebsten in sanierten Altbauten mit vier Meter hohen Decken, Flügeltür, Dielenboden und original Doppelfenstern wohnen möchte. Den Unverwechselbaren Charme der typisch Berliner Altbauten kann kein Neubau imitieren.

Bildquelle: pixabay.com

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