Breitband-Ausbau: Mögliche Verzögerung dank teurer letzter Meile

Der Breitbandausbau in Deutschland geht weiterhin nur stockend voran. Während große Städte und Ballungsräume bereits oft über schnelle Internet-Verbindungen verfügen, fallen die östlichen Bundesländer und ländliche Regionen teilweise ab. Die Bundesnetzagentur erwägt nun eine Erhöhung für die Mietpreise der sogenannten „letzten Meile“ im Telekom-Netz. Dies könnte konkurrierenden Anbietern allerdings schaden. Und im Internet ansässige deutsche Industrien in ihrer Entwicklung behindern.

Breitband-Ausbau: Mögliche Verzögerung dank teurer letzter Meile

Ernüchternde Zahlen

Die Zahlen für deutsche Breitband-Internetverbindungen sind trotz politischer Initiativen weiterhin schlecht. Nur jeder achte Kunde erhält bei Abschluss eines Breitband-Internetvertrags tatsächlich die vertraglich vereinbarte maximale Geschwindigkeit bei der Datenübertragung.

2018 lag die durchschnittliche Geschwindigkeit der deutschen Internet-Verbindungen bei 24 Mbit/s. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich lediglich auf dem 25. Platz. Gute Nachrichten gibt es dennoch zu vermelden: So stieg die Geschwindigkeit der Internet-Anschlüsse im Vergleich zum Vorjahr deutlich – dort hatte sie bei lediglich 18,8 Mbit/s gelegen. Deutschland fällt aber weit ab im Vergleich zu Ländern wie Singapur (60 Mbit/s) oder auch Schweden (46 Mbit/s). Der Anteil der  Glasfaserverbindungen ist in Deutschland gerade im Vergleich zu nordeuropäischen Ländern noch gering: Lediglich 2,6 Prozent der Breitbandanschlüsse basieren hierzulande auf Glasfaserkabeln.

Vielzahl an Industrien von Ausbau abhängig

Vergessen wird bei der politisch geführten Debatte gerne, dass eine große Anzahl an Industrien direkt oder indirekt mit dem Internet verknüpft ist – und auf die kontinuierliche Weiterentwicklung der Verbindungen angewiesen ist. Der Internet-Handel ist in allen deutschen Bundesländern in den letzten Jahren stetig gewachsen. Doch eine weitere Steigerung des Umsatzes hängt für Anbieter wie Otto, Media Markt oder Saturn stark mit dem Breitband-Ausbau zusammen. Denn nur mit schnellen und stabilen Verbindungen können die Kunden problemlos im Internet einkaufen.

Noch drängender ist die Lage in Branchen, welche auf kontinuierlichen Daten-Austausch angewiesen sind. Deutsche Online Casinos mit Support und Spielen in der Landessprache, bemühen sich verstärkt darum, europäische Lizenzen zu erwerben und den Kunden verantwortungsvolles Spielen zu bieten. Doch bekannte Anbieter wie Betfair, DrückGlück oder Eurogrand Casino kämpfen hierzulande weiter mit den langsamen Internet-Verbindungen: Immerhin ist zum Spielen ein relativ großer Datenstrom notwendig. Und gerade für Streaming-Dienste im Netz ist der Breitband-Ausbau vital: Netflix, Prime Video, Hulu und weitere bieten Inhalte in qualitativ hochwertiger 4K-Auflösung an. Doch lediglich für Nutzer von Leitungen, die mindestens 25 Mbit pro Sekunde übertragen, laufen derartige Videos auch wirklich flüssig. Die Dienste laufen daher in Gefahr, viele Kunden ohne eigenes Zutun zu verprellen – dann nämlich, wenn diese als Teil eines Standard-Pakets für hochauflösende Filme und Serien bezahlen müssen, diese aufgrund schlechter Bandbreiten aber die volle Qualität nicht ausschöpfen können.

Breitband-Ausbau: Mögliche Verzögerung dank teurer letzter Meile

Letzte Meile wird teurer

Jetzt hat die Bundesnetzagentur außerdem angekündigt, die Situation für deutsche Internetanbieter zu verschärfen. Die Mietpreise für die sogenannte „letzte Meile“ der Telekom-Verbindungen sollen für Konkurrenz-Firmen im Preis von 10,02 Euro pro Monat auf 11,19 Euro monatlich steigen. Zudem soll die Anbindung eines Kabelverzweigers monatlich 0,06 Euro pro Meter statt wie bisher 0,04 Euro kosten. Auch das Entgelt für den Zugang zum Kabelverzweiger soll künftig steigen. Da die Telekom in Deutschland als einziges Unternehmen über ein gut ausgebautes Netz an Kupfer- und Glasfaserkabeln verfügt, sind andere Anbieter von diesen Mietpreisen abhängig. Für die Kunden könnte dies teureres Internet bedeuten – und damit das Stocken des Breitbandausbaus. Denn im Zweifelsfall entscheiden sich viele Käufer weiterhin für günstiges, aber langsameres Internet. Der Branchenverband VATM (Verband für Telekommunikation und Mehrwertdienste) hat sich daher klar gegen eine Erhöhung der Preise positioniert – mit der Begründung, dass die Telekom sich uralte Kupfernetze auf Basis theoretischer Neubaupreise „vergolden“ ließe. Gerade in Bundesländern wie Sachsen hofft man allerdings bereits vor der Preiserhöhung in ländlichen Gebieten vergebens auf schnelleres Internet – und damit auf bessere Teilhabe an einem großen Teil des öffentlichen Lebens. Hier muss sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verbessern, damit es beim Internet langfristig nicht zu einem Nord-Süd Gefälle oder schlechteren Verbindungen in östlichen Bundesländern kommt.

Langfristig positive Aussichten

Immerhin: Die Steigerung der durchschnittlichen Geschwindigkeit der Internet-Verbindungen im letzten Jahr um rund 5 Mbit/s lässt Kunden hoffen. Wenn Politik und Wirtschaft gut zusammenarbeiten, könnte das Problem des langsamen Internets auch in ländlichen Regionen bald Geschichte sein. Und zudem gibt es auch abseits der Glasfaserkabel Möglichkeiten: So zum Beispiel die flächendeckende Ausstattung mit dem Funkstandard 5G, dessen Einführung ab 2020 erfolgen soll. Dieser könnte für viele Haushalte eine Alternative zur klassischen Anbindung an das Netz per Kabel darstellen.

Quelle: Pixabay
Quelle: Pixabay

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