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Selbstständigkeit: So klappt die Existenzgründung für junge Künstler

Sich mit ihrer Kunst selbstständig zu machen ist der Traum vieler kreativer Menschen. Doch die Frage nach der ausreichenden Finanzierung und der Absicherung, falls die Unternehmungen fehlschlagen, hält gerade junge Menschen immer wieder von dem Schritt in die Selbstständigkeit ab. Auch rechtlich, etwa im Steuerbereich, lauern einige Fallen bei der Aufnahme einer Unternehmertätigkeit. Wir verraten, wie der Einstieg in die freiberufliche Tätigkeit gelingt.

 

Existenzgründung für junge Künstler

Mut zur Eigenverantwortung

Wenn die eigene Kunst Passion und Berufung gleichermaßen ist, ganz gleich ob im darstellenden oder bildenden Bereich, ist der Wunsch groß, davon auf lange Sicht auch leben zu können. Allerdings sollten junge Menschen, die sich für diesen Weg entscheiden, im Hinterkopf behalten, dass sie als Selbstständige für ihr Einkommen, ihre Aufträge, Kundenakquise und natürlich auch die Abrechnungen selbst zuständig und voll gleichberechtigt mit allen anderen Unternehmern sind. Die erste Frage muss daher lauten: Traue ich mir zu, mit meiner Kunst Umsatz zu generieren?

Ein Businessplan und eine Anfangskalkulation, welche Kosten sich mit welchen zu erwartenden Einnahmen aufwiegen, gibt Aufschluss darüber, wie viel Geld für den Einstieg benötigt wird. Dazu sollten neben Grundkosten wie Miete, Versicherungen und Steuern auch die Kosten für Arbeitsmaterialien und Rohstoffe, um überhaupt in die Tätigkeit starten zu können, einkalkuliert werden. Gerade die Versicherungen verschlingen in der Selbstständigkeit einen großen Teil der Einnahmen. Nur ein Teil der kreativen Tätigkeiten lässt sich günstiger über die Künstlersozialkasse versichern.

Wahl der Geschäftsform

Die erste Hürde auf dem Weg zur Selbstständigkeit jedoch muss genommen werden, noch bevor die Arbeit beginnen kann. Sie betrifft die Wahl der Geschäftsform und damit Abrechnung und Steuerbehandlung. Die Selbstbezeichnung als Künstler allein ist natürlich noch kein Garant für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit, sie gibt jedoch bereits Aufschluss darüber, welche Rechtsform gewählt werden sollte.

Sollen selbstgemachte Kunstwerke, Schmuck oder andere Kunstartikel verkauft werden, muss ein Gewerbe angemeldet werden. Handelt es sich um darstellende Kunst oder Textproduktion, empfiehlt sich zum Einstieg die Anmeldung als Kleinunternehmer. Welche Form gewählt wird, hängt von der voraussichtlichen Höhe des Umsatzes und der Tätigkeit selbst ab. Wer also das Vorhaben der Selbstständigkeit anpacken möchte, sollte sich vorab darüber informieren, in welcher Form er Rechnungen und Bücher führen und aufbewahren muss und welche Steuern auf ihn zukommen. Auskunft gibt das Finanzamt selbst oder ein erfahrener Unternehmensberater im Rahmen eines Existenzgründerkurses.

Finanzierung über Förderung

Ist die Rechtsform gefunden, eine Anfangkalkulation gestellt und klar, welche Tätigkeit ausgeführt werden soll, steht der Unternehmungswillige vor der Hauptfrage – Woher das Geld nehmen? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, die in Betracht gezogen werden können und sollten. Je nachdem, ob die Selbstständigkeit aus der Arbeitssuche heraus erfolgt, ist das Jobcenter ohnehin noch zuständig. Hier kann eine erste Beratung zu Finanzierung und Fördergeldern erfolgen.

Viele Jobcenter verfügen über eine eigene Abteilung für selbstständige Aufstocker, die über alle steuerlichen und rechtlichen Belange Auskunft geben kann. Durch das Jobcenter selbst kann ein Gründungszuschuss gezahlt werden, um den Start in die Selbstständigkeit zu finanzieren. Der Zuschuss ist Ermessenssache und wird erst dann gezahlt, wenn die Tätigkeit in den Haupterwerb übergeht. Wer also mit einem Anfangsumsatz von unter 1.000 Euro netto im Monat rechnet, sollte mit der Beantragung warten. Eine Weiterzahlung von ALG II und andere Sozialleistungen während der Gründung ist möglich. Allerdings mindern sich die Bezüge um die Einnahmen. Es ist halbjährlich eine Abrechnung zu erstellen, Ausgaben müssen genehmigt werden. Leistungen nach dem BAföG oder BAB sind nur dann möglich, wenn die künstlerische Tätigkeit mit einer anerkannten Weiterbildung schulisch begleitet wird.

Finanzierung durch Kredite

Auf Stipendien und Förderpreise, die Geld in die Kasse bringen können, sind meist an Konditionen wie Themenwahl und Wohnort gebunden. Unabhängiger lässt es sich mit einem Gründerkredit in die freiberufliche Tätigkeit starten. Sowohl die KfW-Bank als auch private Bankunternehmen bieten diese Kredite an. Oft wird dazu jedoch ein Überzeugendes Businesskonzept und ausreichende Qualifikation zum Nachweis benötigt.

Wer über ein Startkapital verfügt, aber Gelder zur Anschaffung erster Investitionen wie Geräte, Büroausstattung und Materialien benötigt, kann sich für einen Onlinekredit entscheiden. Diese werden oft zu sehr günstigen Zinskonditionen verliehen.

Von großen Kreditrahmen, die mit hohen Zinsen und einer langen Verschuldung einhergehen, sollten junge Künstler, die noch kein gesichertes Einkommen in Aussicht haben, Abstand nehmen.

Bildquelle: Pixabay.com

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