Fernreisen im Aufwind: Warum es Urlauber 2026 wieder weiter in die Ferne zieht

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Die Reiselust der Deutschen bleibt bemerkenswert robust. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, steigender Preise und geopolitischer Spannungen hat Urlaub für viele Menschen weiterhin einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig verändert sich, wohin die Reise geht. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass Fernziele wieder stärker in den Fokus rücken – allerdings mit deutlichen Verschiebungen zwischen einzelnen Regionen.

Flügel eine Flugzeuges
Fernreisen mit dem Flugzeug

2025 war ein Rekordjahr für den Reisemarkt

Die Reiseanalyse 2026 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zeichnet für 2025 ein überraschend starkes Bild. Mehr als 57 Millionen Menschen in Deutschland unternahmen mindestens eine Urlaubsreise von fünf Tagen oder länger – ein neuer Höchststand. Auch die Ausgaben erreichten mit knapp 92 Milliarden Euro einen Rekordwert.

Dabei verliert der Urlaub innerhalb Deutschlands etwas an Gewicht. Rund 15 Millionen längere Urlaubsreisen führten 2025 ins Inland, etwa eine Million weniger als im Vorjahr. Innerhalb Deutschlands blieb Schleswig-Holstein das gefragteste Reiseziel vor Bayern, dahinter folgten Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Wer nach dem Kurzurlaub an der Ostsee weiter hinaus will, findet die zweite Reise des Jahres zunehmend auf der Fernstrecke.

Auslandsziele kamen 2025 auf knapp 53 Millionen längere Urlaubsreisen. Besonders interessant ist die Entwicklung auf der Fernstrecke: Der Marktanteil der Fernreiseziele erhöhte sich von 6,9 Prozent im Jahr 2024 auf 8,6 Prozent 2025.

Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, die für Reiseveranstalter ebenso relevant ist wie für Destinationen: Viele Urlauber sind bereit, für besondere Reiseerlebnisse wieder größere Entfernungen zurückzulegen.

Urlaub bleibt trotz wirtschaftlicher Sorgen Priorität

Die hohe Nachfrage ist bemerkenswert, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keineswegs ideal sind. Urlaub scheint jedoch zu den Konsumbereichen zu gehören, auf die viele Menschen möglichst nicht verzichten möchten. Für 2026 gaben 76 Prozent der Bevölkerung an, sicher verreisen zu wollen. Bei 43 Prozent stand das Ziel zu Jahresbeginn bereits fest, weitere 33 Prozent wollten verreisen, hatten sich aber noch nicht für eine Destination entschieden.

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) blickt positiv auf das Touristikjahr 2026. Für den gesamten Markt der Urlaubs- und Freizeitreisen ab mindestens einer Übernachtung prognostiziert der Verband Ausgaben von rund 86 Milliarden Euro. Das entspricht einem Umsatzwachstum von drei Prozent, während die Zahl der Reisenden mit rund 138 Millionen nahezu stabil bleiben soll. Als Wachstumsfelder nennt der Verband unter anderem Fernreisen und Kreuzfahrten.

Fernreisen werden stärker zum Erlebnisprodukt

Mit der wachsenden Bereitschaft zu langen Reisen verändern sich auch die Erwartungen. Wer viele Stunden im Flugzeug verbringt, möchte am Ziel häufig mehr erleben als einen klassischen Hotel- und Badeurlaub. Natur, Begegnungen, Kultur und mehrere Stationen innerhalb eines Landes lassen sich miteinander verbinden.

Davon profitieren Reiseformen, bei denen das Entdecken selbst im Mittelpunkt steht. Wer verschiedene Landschaften, Städte und kulturelle Höhepunkte kennenlernen möchte, kann beispielsweise eine Rundreise oder Erlebnisreise nutzen, um unterschiedliche Facetten eines Fernziels innerhalb einer Reise miteinander zu verbinden.

Gerade bei weit entfernten Destinationen kann dieses Prinzip attraktiv sein: Die vergleichsweise aufwendige Anreise wird mit einer intensiveren Erfahrung vor Ort verbunden. Statt lediglich an einem Ort zu bleiben, wird die Reise selbst zum wesentlichen Bestandteil des Urlaubs.

Der Fernreisemarkt verschiebt sich nach Osten

Besonders deutlich wird der Wandel beim Blick auf die Buchungen für den Sommer 2026. Nach Angaben des DRV gewinnen östlich gelegene Fernreiseziele erheblich an Bedeutung. Gleichzeitig fällt die Entwicklung bei mehreren westlich gelegenen Destinationen schwächer aus. Der Vergleich des Buchungsstands Ende Januar mit dem Vorjahr zeigt die unterschiedlichen Entwicklungen besonders deutlich:

  • Malediven: Umsatzplus von 27 Prozent
  • Mauritius: Umsatzplus von 27 Prozent
  • Thailand: Umsatzplus von 3 Prozent
  • Karibik sowie Mittel- und Südamerika: rückläufige Umsätze und Besucherzahlen
  • USA: Vorausbuchungsumsätze und Zahl der gebuchten Personen jeweils prozentual zweistellig unter dem Vorjahr

Besonders auffällig entwickelt sich damit der US-Markt. Die USA fielen im Ranking aller Reiseziele vom achten auf den 14. Platz zurück. Trotz dieses Rückgangs bleiben die Vereinigten Staaten gemessen an der absoluten Urlauberzahl das meistgebuchte einzelne Fernreiseziel für den Sommer.

Diese Entwicklung zeigt, dass „Fernreiseboom" nicht automatisch Wachstum für jede Destination bedeutet. Wirtschaftliche Überlegungen, politische Entwicklungen, Einreiseformalitäten und das wahrgenommene Preis-Leistungs-Verhältnis beeinflussen die Entscheidung zunehmend.

Früh buchen und bewusster auswählen

Parallel dazu verändert sich der Buchungszeitpunkt. Für den Sommer 2026 entschieden sich viele Reisende früher als in den Vorjahren. Ein Großteil der Reisen war bereits im vorangegangenen Halbjahr gebucht worden. Sicherheit und Planbarkeit gewinnen an Bedeutung, was sich auch an der starken Nachfrage nach organisierten Flugpauschalreisen zeigt. Diese verzeichneten beim ausgewerteten Buchungsstand für den Sommer ein Umsatzplus von 14 Prozent und zwölf Prozent mehr Gäste als im Vorjahr.

Für die Branche entsteht daraus eine interessante Gemengelage: Die Menschen wollen reisen und sind bereit, beträchtliche Summen dafür auszugeben, entscheiden aber zunehmend differenziert, welches Ziel und welche Reiseform ihnen das gewünschte Erlebnis bieten.

Fernweh bleibt ein starker Reisemotor

Die aktuellen Zahlen zeigen einen Reisemarkt, der sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen erstaunlich widerstandsfähig präsentiert. Fernreisen haben grundsätzlich an Bedeutung gewonnen, während sich die Nachfrage geografisch neu verteilt. Insbesondere einzelne Ziele im Indischen Ozean und in Asien profitieren derzeit von diesem Wandel.

Für 2026 spricht deshalb vieles für ein Reisejahr, in dem nicht allein die Entfernung zählt. Entscheidend wird vielmehr, was Reisende für ihr Budget bekommen und welche Erlebnisse eine Destination verspricht. Gerade für Fernziele liegt darin eine große Chance: Wer aus einer langen Anreise eine außergewöhnliche Reise mit intensiven Eindrücken macht, trifft einen Nerv des aktuellen Marktes.

 

Bildquelle: unsplash.com