Sachsen

Sachsen – historisches und kulturelles Zentrum der Bundesrepublik

Der Freistaat Sachsen ist ein Bundesland im Osten der Bundesrepublik Deutschland, welcher er seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 angehört. Die Landeshauptstadt ist Dresden, wenngleich sie nach Leipzig nur die zweit bevölkerungsreichste Stadt Sachsens darstellt. Mit seinen fast 4,1 Millionen Einwohnern ist der Freistaat derzeit das sechstgrößte Bundesland, gemessen an den Einwohnerzahlen. Sachsen grenzt an insgesamt vier weitere Bundesländer sowie zwei Nachbarstaaten der Bundesrepublik Deutschland. Im Südosten besteht eine kurze Grenze zu Bayern, während die Grenzen zu Thüringen im Westen, zu Sachsen-Anhalt im Nordwesten sowie zu Brandenburg im Norden deutlich länger sind. Im Osten sowie im Süden finden sich darüber hinaus weitläufige Grenzen zu den Nachbarländern Polen und der Tschechischen Republik.

Die Geschichte Sachsens

Die exakte Geschichte rund um das namesgebende Volk der Sachsen gilt bis heute als unklar. Wissenschaftler und Historiker gehen allerdings davon aus, dass die Sachsen ursprünglich ein westgermanischer Stammesverband waren, der sich wahrscheinlich im 3. Jahrhundert bildete. Das Bestehen dieses Stammesverbands gilt ab dem 4. Jahrhundert als wissenschaftlich belegt. Bis ins Jahr 450 finden sich zwar zahlreiche Nennungen in verschiedenen Quellen, jedoch bleibt die eigentliche Herkunft der Sachsen dabei unklar. Als namensgebend gilt dabei ein kurzes Schwert, das vorrangig an der Nordseeküste gebraucht wurde und Sahs oder auch Sax genannt wurde. Neuen Theorien zufolge könnte die Bezeichnung Sachsen auch anderen Ursprungs sein. So wird vermutet, dass es sich vornehmlich um einen Sammelbegriff handelte, der Raubscharen bezeichnete, die von Gallien sowie Britannien aus über das Meer kamen.

Im Laufe der ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt eroberten sächsische Stammesverbände weite Teile Niederdeutschlands und integrierten weitere germanische Stämme in ihren Verband. Während des 8. Jahrhunderts reichte das Siedlungsgebiet bereits von der Elbe bis zum Rhein. Im Jahre 919 wurde mit Heinrich I. erstmals ein Sachse zum deutschen König. In der Folge setzten seine Nachfahren Otto I., Otto II. sowie Otto III. die Herrschaft fort. Am 2. Februar 962 wurde Otto I. in Rom zum ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Die Thronfolge der Sachsenkaiser hielt bis zum Tod Heinrichs II. 1024 an. Erst 101 Jahre später sollte es erneut einem Sachsenkaiser gelingen, den Thron zu besteigen.

Unter der Führung Heinrichs dem Löwen dehnte sich das Gebiet der Sachsen im späten 12. Jahrhundert fast über das gesamte Norddeutschland aus, das sich als norddeutsches Königreich im Disput mit Kaiser Friedrich I. wiederfand. Während dieser Zeit verweigerte Heinrich die Heerfolge nach Italien und missachtete darüber hinaus die Vorladung zum Reichstag. Als Konsequenz dieser Verfehlungen wurden ihm das Herzogtum Sachsen aberkannt und in viele Einzelterritorien zerschlagen. Erst im 15. Jahrhundert sollte sich die Situation Sachsen erneut entscheidend verändern, als Friedrich der Streitbare die Kurwürde übernahm und er somit zum Kurfürst von Sachsen wurden. Da diese Kurwürde gleichzeitig auch die höchste Würde war, ging der Titel als Kurfürst von Sachsen auch auf die restlichen Besitzungen Friedrichs über, wodurch das heutige Bundesland seinen Namen erhielt. Während der folgenden Jahre war die Geschichte Sachsens in erster Linie durch Landgewinne und Landverluste geprägt. Infolge der Reformation durch Martin Luther kam es zum Streit innerhalb der Wettiner Blutlinie, der 1547 im Schmalkaldischen Krieg gipfelte. Dort gelang es dem Kaiser die Protestanten zu besiegen, wodurch die Kurwürde vom ernestnischen auf das albertinische Sachsen überging, welches seitdem sowohl Herzogtum als auch Kurfürstentum darstellte.

Eine weitere Krise erlebte Sachsen während des Dreißigjährigen Krieges. Zwischen 1618 und 1648 wurden zahlreiche Städte geplündert und verwüstet. Als Resultat daraus verweisten viele Dörfer und die Bevölkerungszahlen Sachsens wurden halbiert. Erst nachdem die Sachsen im Dreißigjährigen Krieg besiegt und ein Waffenstillstand vereinbart wurde, konnte mit dem Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Freistaates begonnen werden. Mit der Herrschaft von Friedrich August II. begann der erhoffte Aufschwung. Als großer Liebhaber der Künste baute er Sachsen nicht nur wieder auf, sondern trug entscheidend dazu bei, dass der Aufstieg Dresdens zu einer der wichtigsten europäischen Kunststädte begann. Auch gelang es es ihm, die Wirtschaft in Sachsen entscheidend zu stärken. Seine unliberale Haltung führte allerdings auch zu Konflikten. So kam es im Mai 1849 zum Dresdner Maiaufstand, der nur mit Hilfe preußischer Unterstützungen niedergeschlagen werden konnte. Ab 1860 setzte unter König Johann eine zunehmende Liberalisierung ein, die darin gipfelte, dass Sachsen im Jahr 1871 als Land in das neugegründete Deutsche Reich aufgenommen wurde.

Während des zweiten Weltkriegs wurden weite Teile Sachsens, darunter insbesondere Großstädte wie Dresden oder Leipzig, zu großen Teilen zerstört. Als Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde Sachsen nach Ende des Krieges in die Bezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz aufgeteilt. Im Zuge der Wiedervereinigung erfolgte erst am 3. Oktober 1990 die erneute Zusammenlegung der bisherigen DDR-Bezirksterritorien, wodurch Sachsen zu einem Bundesland der Bundesrepublik Deutschland wurde.

Kurioses und Interessantes in Sachsen

Wenn es eine Stadt in Deutschland gibt, der vielerlei Kuriositäten anhaften, dann ist dies mit Sicherheit Görlitz. Seit 1945 stellt die Stadt mit ihren rund 55.000 Einwohnern die östlichste Stadt der Bundesrepublik dar. Darüber hinaus trägt sie den Beinahmen Görliwood, da ihre historische Altstadt während des zweiten Weltkriegs nahezu unversehrt blieb und heutzutage als wichtige Kulisse für viele historische Filme dient. Weiter war Görlitz seit Mitte der 1990er Jahre immer wieder in den Medien vertreten. Seit 1995 stiftete ein noch immer anonymer Gönner jährlich eine Million D-Mark, später 511.500 Euro pro Jahr an die Stadt. Mithilfe dieser Gelder wurden bis heute mehr als 1500 Projekte im Stadtgebiet gefördert.

Das schönste Gebäude der Welt steht in Sachsen. Was zunächst merkwürdig klingt, ist Realität. Specks Hof ist die älteste noch bestehende Ladenpassage der Stadt Leipzig. Nach einer ausführlichen Renovierung zwischen 1993 und 1995 wurde Specks Hof 1996 zum weltweit schönsten in diesem Jahr restaurierten Gebäude gewählt.

Wirtschaftlicher Aufschwung dank Modernisierung

Infolge der Wiedervereinigung hat sich das wirtschaftliche Bild Sachsens während der letzten Jahrzehnte deutlich verändert. Viele rückständige Industriebetriebe wurden geschlossen oder durch neue sowie moderne Betriebe ersetzt. Daraus resultierend erlebte der Freistaat Sachsen einen wirtschaftlichen Aufschwung, in dessen Folge die Kaufkraft der Bevölkerung unter 40 Jahren deutlich stieg. Im Jahr 2016 konnte Sachsen gemeinsam mit Berlin den deutschlandweit größten Wirtschaftszuwachs verzeichnen. Während der durchschnittliche Zuwachs der Bundesrepublik bei 1,9 Prozent lag, übertraf Sachsen diesen Wert mit 2,7 Prozent deutlich.

Die wirtschaftliche Stärke Sachsens liegt dabei vor allem in den großen Ballungs- und Industriegebieten rund um Leipzig und Chemnitz sowie Dresden. Letztgenannte Metropolregion gilt derzeit als der wirtschaftliche stärkte Bereich des Freistaates. Aufgrund der Ansiedlung verschiedener weltweit operierender Unternehmen liegt ein Schwerpunkt der regionalen Wirtschaft im Bereich der Mikrotechnologie. Außerhalb der großen Ballungszentren dominiert die Stromerzeugung durch den Einsatz von Braunkohle als wirtschaftlicher Faktor. Im Bereich der Energiewirtschaft rangiert der Freistaat im Bundesvergleich nach Brandenburg und Nordrhein-Westfalen auf Rang drei.

Als weiterer wichtiger Faktor für die sächsische Wirtschaft ist der Tourismus zu nennen. Neben einem breiten Angebot an Erholungs- und Sportmöglichkeiten ist Sachsen vor allem dank seiner architektonischen, historischen sowie kulturellen Gegebenheiten ein beliebtes Ziel für Touristen. Als wichtige Zentren für den Tourismus gelten die Metropolstädte Dresden und Leipzig, aber auch die Landschaftsgebiete der Sächsischen Schweiz sowie des Erzgebirges. Die Regionen um Oberwiesenthal und Klingenthal zählen zu den wichtigsten Wintersportgebieten Deutschlands. Dank unterschiedlichster touristischer Konzepte gelang es dem Freistaat die Übernachtungszahlen innerhalb von 20 Jahren von etwa sieben auf fast 20 Millionen zu erhöhen. Aus diesem Grund gilt Sachsen als eines der führenden Kultururlaubsziele der gesamten Bundesrepublik.

Dresden – Eine Landeshauptstadt im Wandel

Dresden ist heutzutage nicht nur die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen, es ist auch kulturelles und wirtschaftliches Zentrum zugleich. Während der letzten Jahre wurden die etwa 544.000 Dresdner Zeugen, wie sich ihre Stadt langsam aber sicher verändert. Inzwischen ist das Stadtbild längst nicht mehr ausschließlich durch historische oder wieder errichtete Bauten geprägt. Im Kern der Stadt hat sich ein modernes Zentrum gebildet, dass die zunehmende wirtschaftliche Kraft der Landeshauptstadt verdeutlicht. Diese Entwicklung geht einher mit dem Status der Stadt als eine der führenden Technologie- und Bildungsstandorte. Folglich verwundert es nicht, dass Dresden über insgesamt neun Hochschulen verfügt, in deren Mittelpunkt die Technische Universität mit seinen 36.500 Studenten steht.

Dresden ist zwar die Landeshauptstadt Sachsens, jedoch nicht die bevölkerungsreichste Stadt im Freistaat. Diesen Titel trägt offiziell die Stadt Leipzig, die mit ihren knapp 583.000 Einwohner die zehntgrößte Stadt der Bundesrepublik ist. Leipzig zählt wie auch Dresden zu den wirtschaftlichen Kerngebieten. International bekannt und anerkannt ist Leipzig in erster Linie jedoch für seine große künstlerische Tradition. Dieser Ruhm geht sowohl auf Komponisten wie Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy zurück, wird jedoch auch heutzutage noch durch die älteste Musikhochschule Deutschlands gestärkt.

Geografie und Landschaft

Aus geografischer Perspektive befindet sich Sachsen im Osten Mitteldeutschlands und ist aufgrund seiner diversen Oberflächen in verschiedene Gesichtspunkte zu unterteilen. So sind einige Teile des Bundeslandes als Flachland eingestuft, während inbesondere der Süden und Südwesten als Hügelland sowie Mittelgebirge angesehen werden. Die Gesamtfläche der facettenreichen Oberfläche Sachsens beträgt 18.449 km². Entlang der Grenze zur Tschechischen Republik ist die Landschaft stark durch das Erzgebirge geprägt, das gleichzeitig auch die höchste natürliche Erhebung Sachsens beherbergt. Mit 1215 Metern Höhe ist der Fichtelberg die höchste Erhebung des Freistaates. Der größte Fluss Sachsens ist die Elbe, die das Landesgebiet von Südosten nach Nordwesten auf einer Länge vor 179 Kilometern durchzieht.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Sachsens

Dank seiner langen Geschichte findet sich in Sachsen heutzutage eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Als wichtiges kulturelles sowie historisches Zentrum gilt Dresden als erster Anlaufpunkt für viele Touristen. Innerhalb der Altstadt finden sich barocke Prachtbauten wie der Zwinger, die Semperoper oder die Frauenkirche. Parallel zur historischen Altstadt ist längst ein modernes und gleichermaßen pulsierendes Stadtzentrum entstanden, in dessen Mitte sich weitere Sehenswürdigkeiten wie der Goldene Reiter oder das Grüne Gewölbe befinden.

Aus historischer sowie architektonischer Sicht ist neben Dresden auch Leipzig zu nennen. Das Völkerschlachtdenkmal im Südosten der Stadt erinnert an die Völkerschlacht im Jahre 1813 und zählt mit seinen 91 Metern Höhe zu den europaweit höchsten Denkmälern. Darüber hinaus gilt es als Wahrzeichen der Stadt. Neben dem Völkerschlachtdenkmal ziehen vor allem die populären Kirchen wie die Thomaskirche oder die Nikolaikirche zahlreiche Touristen an.

Auch der Nationalpark Sächsische Schweiz zählt zu den stark frequentierten Sehenswürdigkeiten des Freistaates. Die Nationalparkregion erstreckt sich über mehr als 90 km² und ist deutschlandweit der einzige Felsnationalpark. Jährlich zieht es mehr als 1,5 Millionen Besucher auf die über 1100 Kilometer langen Pfade und Wanderwege. Insbesondere die formenreiche Landschaft mit seinen bizarren Felsformationen trägt dazu bei, dass der Nationalpark Sächsische Schweiz zu den bedeutendsten Wanderrevieren in ganz Europa gezählt wird.