Sport gegen Liebeskummer: wie Bewegung gebrochene Herzen heilt

Früher oder später muss sich jeder mit dem Schmerz auseinandersetzen, den ein gebrochenes Herz mit sich bringt. Wer an Liebeskummer leidet, steht nicht nur psychisch, sondern auch körperlich unter enormem Stress, denn die Schmerzsignale, die vom Hirn ausgesendet werden, kommen aus demselben Areal wie physisches Leid. Statt sich zurückzuziehen und unter der Bettdecke zu verkriechen, soll Sport frisch Verlassenen dabei helfen, die Trennung schneller zu überwinden.

ein Liebespaar küsst sich im Sonnenuntergang

Warum Bewegung gegen Kummer hilft

Während einen Becher Eis nach dem anderen zu essen und verzweifelt „Ex zurück Tipps“ zu recherchieren in den ersten paar Tagen durchaus eine angemessene Bewältigungsstrategie ist, soll regelmäßige körperliche Betätigung auch auf lange Sicht helfen, den Trennungsschmerz zu überwinden. Denn Bewegung hat nicht nur einen positiven Effekt auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit: Studien zeigen, dass regelmäßiges Training die Symptome von Kummer, Depressionen und Angststörungen reduziert und einen nachweislich positiven Effekt auf die Stimmung hat.

Ausdauer- und Kraftsport helfen bei Liebeskummer folgendermaßen:

Sport bietet Ablenkung…

Menschen, die unter Liebeskummer leiden, sind häufig in einem negativen Gedankenkreislauf gefangen. Nicht selten dreht sich jede wache Sekunde um das Scheitern der Beziehung. Bewegung kann helfen, das emotionale Chaos eine Zeitlang zu vergessen.

…setzt Glückshormone frei…

Während des Trainings werden Gehirn und Muskeln besser durchblutet und es kommt zu einer gesteigerten Ausschüttung von Endorphinen. Die körpereigenen Substanzen, deren Wirkung mit der von Opium oder Morphium vergleichbar ist, verpassen Trennungsgebeutelten einen regelrechten Glückskick. Gerade der Serotoninspiegel fällt nach einer Trennung deutlich unter den normalen Wert. Die durch das Training freigesetzten Hormone können helfen, den Mangel auszugleichen und die Stimmung zu heben.

…sorgt für soziale Interaktion …

Soziale Unterstützung ist ein elementarer Bestandteil der Trauerbewältigung. Egal ob ein Fahrradausflug mit Freunden, Mannschaftssport oder ein freundliches Lächeln während des Spaziergangs durch die Nachbarschaft – wer mit Liebeskummer zu kämpfen hat, profitiert von der Gesellschaft anderer Menschen.

…stärkt das Selbstbewusstsein…

Gerade nach einer Trennung haben viele Menschen mit einem angeknacksten Selbstvertrauen zu kämpfen. Regelmäßige Fitnessübungen sorgen nicht nur für ein fitteres, gesundes Erscheinungsbild, auch durch das Erreichen großer und kleiner Trainingsziele wird das bröckelnde Selbstbewusstsein wieder gestärkt: „Der fantastische Nebeneffekt ist, dass man sich automatisch attraktiver und fitter fühlt und deshalb auch das Selbstwertgefühl gepäppelt wird – was nach einer Liebesniederlage ungemein wichtig ist“, erklärt Beziehungsautorin Sylvia Fauck.

eine Frau fährt mit dem Kanu über den See
Entspannung pur. Kajak fahren auf dem Bergsee

…und hilft bei einer gesunden Trennungsbewältigung.

Während Alkohol und Fastfood zwar kurzfristig für einen Anstieg an Glückshormonen sorgen, können sie die Symptome einer Depression auf lange Sicht sogar verschlimmern. Mit Sport aktiv etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun ist in jedem Fall die gesündere Bewältigungsstrategie.

Schon ein Spaziergang kann helfen

Um Trennungsschmerz zu überwinden, muss es nicht gleich eine teure Fitnessstudiomitgliedschaft oder ein durchgeplantes Trainingsprogramm sein. Während regelmäßiges Training in jedem Fall empfehlenswert ist, zeigen Studien, dass schon gemäßigte körperliche Betätigung, wie ein kurzer Spaziergang oder sogar Staubsaugen, helfen kann die Stimmung zu verbessern.  „Es ist fast egal, was man tut, Hauptsache runter von der Couch, raus aus dem Jammertal“, sagt die Sportpsychologin Chloé Kleinknecht.

Ob ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft oder rigoroses Studiotraining: Sport ist die beste Medizin für wunde Herzen.

Wie viel Bewegung ist genug?

Damit das Bestmögliche aus dem Training herausgeholt werden kann, ist es wichtig, sich weder in Watte zu packen, noch zu sehr zu überanstrengen. Ausgewogenheit ist das Ziel. „Die Mischung muss stimmen, sowohl von der Trainingsintensität als auch von der Vielfalt der Belastung“, bestätigt Personal Trainer Patrick Frink, der mit seinem Coaching schon mehr als einem gebrochenen Herzen beim Heilen geholfen hat. „Das Selbstbewusstsein soll aufgebaut werden, da ist ein Zuwenig nutzlos, ein Zuviel frustrierend“. Bestenfalls sollte das Sportprogramm immer individuell an die Gesundheit und Kondition der Teilnehmer angepasst werden. „Es ist aber in jedem Fall besser, täglich eine halbe Stunde Zeit für Bewegung zu finden, als nur zwei- oder dreimal in der Woche. Jede Minute, die vom Herzschmerz ablenkt, ist wertvoll“, empfiehlt der Experte.

Optimal ist ein wechselnder Rhythmus von Kraft- und Ausdauertraining. Wer noch nicht viel Erfahrung hat, sollte es langsam angehen und mit 15 bis 30 Minuten Ausdauertraining oder einem langen, entspannten Spaziergang beginnen. Generell gilt: Hauptsache Bewegung. Auch körperliche Betätigung wie Gartenarbeit oder ein ausgedehnter Hausputz haben einen positiven Effekt und vermitteln außerdem das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Die richtige Motivation finden

Gerade bei Liebeskummer sind Sport und Bewegung oft die letzten Dinge, nach denen einem der Sinn steht. Sich durchzuringen, das Haus zu verlassen, kann zu einer echten Herausforderung werden, ganz zu schweigen von schweißtreibenden Joggingrunden oder einer Trainingssession im Fitnessstudio. Die folgenden Schritte können helfen, die richtige Motivation zu finden:

  1. Finden Sie etwas, das Ihnen Spaß macht. Zwingen Sie sich nicht, Joggen zu gehen, wenn monotones Laufen Sie zu Tode langweilt, oder ins Fitnessstudio zu gehen, wenn Sie lieber an der frischen Luft sind. Überlegen Sie, was Ihnen Freude bereitet und integrieren Sie es in Ihren Tagesablauf. Sie tanzen gern? Dann ist jetzt die richtige Zeit für einen Tanzkurs. Sie haben Kinder? Spielen Sie zusammen eine Runde Fußball oder Fangen.
  2. Setzen Sie sich nicht unter Druck – zusätzlicher Stress ist das Letzte, was Sie gerade gebrauchen können. Sie müssen nicht direkt eine 8-Kilometer-Runde laufen oder fünfmal die Woche ins Fitnessstudio gehen. Seien Sie stolz auf jeden Schritt in die richtige Richtung, den Sie gemacht haben.
  3. Betrachten Sie Training oder körperliche Betätigung nicht als lästige Aufgabe, sondern als etwas, dass Sie für sich tun, um sich besser zu fühlen.

Professionelle Hilfe

Es ist völlig normal, von einer Trennung aus der Bahn geworfen zu werden. Wenn der Liebeskummer jedoch auch nach einigen Wochen immer noch kaum auszuhalten ist, sollte professionelle Hilfe in Betracht gezogen werden. Spätestens, wenn der Alltag durch den emotionalen Ausnahmezustand nicht mehr bewältigt werden kann, oder die depressive Symptomatik sich auch nach Monaten nicht verbessert, sollte darüber nachgedacht werden, einen Therapeuten aufzusuchen. Auch die deutsche TelefonSeelsorge erreichen Sie rund um die Uhr per Telefon  unter 0800 / 111 0 oder via  Chat unter online.telefonseelsorge.de

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