Solarstrom ohne Risiko – wie wird eine Photovoltaik-Anlage versichert?

Immer mehr Hausbesitzer lassen sich eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen oder hängen sich ein Balkonkraftwerk ans Geländer. Zudem ist die steigende Anzahl von Solarparks nicht mehr zu übersehen. Die Anlagen ermöglichen es, billig sauberen Strom zu produzieren und die Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten. Sofern die Betreiber Strom ins öffentliche Netz einspeisen, erhalten sie eine Vergütung.

Wenn eine Photovoltaik-Anlage zu Schaden kommt, geht dieser Umstand schnell ins Geld. Die Stromproduktion wird unterbrochen und die Energie muss für viel Geld bei den Versorgern eingekauft werden. Einnahmeausfälle reißen ein tiefes Loch ins Budget. Daher ist es ratsam, sich frühzeitig um einen ausreichenden Versicherungsschutz zu kümmern. Welche Möglichkeiten gibt es?

Solarstrom ohne Risiko – wie wird eine Photovoltaik-Anlage versichert?

Regierung setzt voll auf Photovoltaik (PV)

Seit einiger Zeit schon setzt die Regierung unter Federführung von Wirtschaftsminister Robert Habeck voll auf die Energiegewinnung durch die Sonne. Eine umfassende Solarstrategie soll den flächendeckenden Ausbau so rasch wie möglich vorantreiben. Schon Anfang 2023 wurde die Mehrwertsteuer für PV-Produkte und die damit verknüpften Dienstleistungen ausgesetzt.

Demnächst wird das sogenannte Solarpaket 1 als Gesetz verabschiedet. Dadurch wird die Installation von Dachanlagen und auf Freiflächen ebenso von bürokratischen Hürden und unnötigen Kosten befreit wie die als Balkonkraftwerke bekannten Mini-PV-Anlagen. Im Anschluss wird das Solarpaket 2 freigegeben, welches Erleichterungen bei den Baugenehmigungsverfahren verspricht und den Zubau auf Parkplätzen, Ackerflächen und Gewässern erleichtert.

Bei dem zu erwartenden rasanten Zubau müssen Verbraucher und Betreiber einiges Geld in die Hand nehmen, um zur Stromgewinnung beizutragen. Daher stellt sich die Frage, wer für eventuelle Schäden und Ausfälle in Regress genommen werden kann. Assekuranzen und freie Versicherungsmakler raten dazu, PV-Anlagen mit einem ausreichenden Versicherungsschutz zu versehen. Was ist bei diesem Vorhaben zu berücksichtigen?

INFOGRAFIK

Wie sinnvoll ist eine Photovoltaik-Versicherung?

In Deutschland gibt es keine Versicherungspflicht für PV-Anlagen. Mit dem Betrieb einer solchen gehen allerdings einige Risiken einher. Diese bestehen sowohl in Einnahmeausfällen als auch in der Gefahr, dass Personen durch Unfälle oder falsch angebrachte Module geschädigt werden. Mit einer Photovoltaik-Versicherung können sich Betreiber vor Ansprüchen schützen.

Welche Risiken lassen sich absichern?

Eine PV-Versicherung garantiert eine umfassende Schutzleistung vor einer großen Anzahl von Risiken und Gefahren, denen eine PV-Anlage ausgesetzt ist. Sie wird abgeschlossen, um den störungsfreien Betrieb zu gewährleisten und finanzielle Verluste auszugleichen. Die folgenden Risiken lassen sich mit einer entsprechenden Police absichern:

  • Sachschäden: PV-Anlagen sind rund um die Uhr der Witterung ausgesetzt. Vor allem Sturm, Hagel, Überschwemmung und Frost können die Module oder den Wechselrichter beschädigen. Durch einen Blitzeinschlag kann es zu Überspannungen kommen oder Teile der Anlage gehen in Flammen auf.
  • Haftung gegenüber Dritten: Sofern durch eine PV-Anlage Personen zu Schaden kommen, können auf die Betreiber sehr hohe Schadensansprüche zukommen.
  • Vandalismus und Diebstahl: Eine PV-Versicherung deckt Schäden ab, die mit mutwilliger Zerstörung und dem Entwenden der Module verbunden sind. Außerdem sind Beschädigungen durch Nagetiere integriert.
  • Einnahmeausfall: In der Regel wird die Stromproduktion unterbrochen, sofern die PV-Anlage beschädigt ist. Die damit verbundenen Ertragsausfälle lassen sich mit einer PV-Versicherung kompensieren.

Diese Schäden an der Anlage sind mit einer Photovoltaik-Versicherung abgedeckt

Eine PV-Anlage besteht aus einer Vielzahl von Bauteilen. Eine PV-Versicherung deckt die Kosten für Reparaturen oder einen Ersatz an den folgenden Komponenten ab:

  • Befestigungselemente
  • Solarmodule
  • Verkabelungen
  • Montagerahmen
  • Solarbatterie
  • Wallbox
  • Wechselrichter

Fällt die Anlage aus, produziert sie keinen Strom. Dann geht sowohl die Einspeisevergütung verloren als auch der Strom, der für den Eigenverbrauch gedacht ist. Diese Ausfälle summieren sich in der Regel und gehen zulasten des Betreibers.

Daher empfiehlt es sich, darauf zu achten, dass Ertragsausfälle abgedeckt sind. Diese Policen sind meist mit höheren Prämien verknüpft. Die günstigsten Anbieter lassen sich über einen Vergleich ermitteln. Oft hilft die Expertise eines Versicherungsmaklers oder eines Finanzexperten, um ein maßgeschneidertes Angebot zu identifizieren.

Welche Kosten werden erstattet?

Versicherungsnehmer sollten darauf achten, dass die Police die Schäden an der gesamten Anlage abdeckt. Dabei stehen nicht nur die Reparatur und die Kosten für einen Ersatz im Fokus, sondern auch die Ausgaben, die durch Aufräumarbeiten und eine eventuelle Entsorgung entstehen.

Einige Anbieter übernehmen auch die Kosten für eine gegebenenfalls noch nicht getilgte Finanzierung. Zu beachten ist obendrein, dass die Versicherung auch bei Schäden greift, die durch grobe Fahrlässigkeit entstehen. Es kommt vor, dass schon eine verspätete Wartung als eine solche gewertet wird.

Die PV-Anlage in andere Policen integrieren

PV-Anlagen können unter bestimmten Voraussetzungen in eine andere Police integriert werden.

Private Haftpflichtversicherung

Einige Anbieter erlauben es, die PV-Anlage in die private Haftpflicht aufzunehmen, in einigen Fällen sogar ohne eine Erhöhung der Prämie. Dabei ist es von Bedeutung, die Ausschlussklauseln genau durchzulesen. Einige Anbieter verweigern die Erstattung im Falle einer Stromeinspeisung ins öffentliche Netz.

Betreiberhaftpflichtversicherung

Diese PV-Versicherung schützt die Betreiber vor allem dann, wenn Schäden an Dritten entstehen. Dabei wird beispielsweise an den Fall gedacht, wenn sich durch einen Sturm Module lösen, vom Dach fallen und einen Menschen verletzen. Manchmal lassen sich die dadurch anfallenden Kosten über die Montagefirma versichern oder mit einer Wohngebäudeversicherung abmildern.

Wohngebäudeversicherung

Eine weitere Möglichkeit der Absicherung einer PV-Anlage besteht darin, die Installation teilweise in die Wohngebäudeversicherung zu integrieren. Diese deckt in der Regel aber weder Vandalismus noch Schäden an der Verkabelung ab, die von Nagetieren verursacht werden.

Elektronikversicherung

Diese Option bietet einen umfassenden Schutz der Anlage. Sie deckt das ganze Energiesystem eines Gebäudes ab und kommt auch für Schäden auf, die durch fehlerhafte Wartung entstehen.

Bei welchen Schäden ist eine Versicherung nutzlos?

Eine Versicherung greift nicht in jedem Schadensfall oder Kostenpunkt. Bei den folgenden Fällen muss der Betreiber selbst aufkommen, um die Funktionsfähigkeit der PV-Anlage zu gewährleisten:

  • Absichtliche Schädigung oder Zerstörung durch den Betreiber.
  • Unsachgemäßer Einbau. Eine PV-Anlage muss, mit Ausnahme eines Balkonkraftwerks, von einem Fachbetrieb installiert werden, damit ein Versicherungsschutz greift.
  • Beim Austausch von Bauteilen.
  • Garantieschäden. Für diese sind entweder der Hersteller, der Händler oder das Montageunternehmen verantwortlich.
  • Anlagen, die schon länger als fünf Jahre in Betrieb sind.
  • Anlagen, die mehr als eine halbe Million Euro kosten.
  • Installationen auf gewerblich genutzten Gebäuden, die aufgrund ihrer betrieblichen Tätigkeit einer erhöhten Brandgefahr ausgesetzt sind.
  • Installationen am Boden.

Fazit

Eine Photovoltaik-Anlage ist ab einer bestimmten Größe mit hohen Kosten verbunden. Treten Schäden auf, können sie schnell ins Geld gehen. Um einen adäquaten Versicherungsschutz zu gewährleisten, ermittelt der Betreiber zuerst, gegen welche Schäden er die Anlage absichern möchte. Es macht beispielsweise bei der Höhe der Prämien einen großen Unterschied, ob nur materielle Schäden versichert werden oder auch ein Ertragsausfall erstattet werden soll.

Es empfiehlt sich, vorab mit den Anbietern, bei denen die Haftpflicht-, Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgeschlossen wurde, abzuklären, ob die PV-Anlage oder Teile davon eventuell mit in die Police aufgenommen werden können. Dabei gilt es zu berücksichtigen, inwiefern eine Erhöhung der Prämie zu erwarten ist. Erst wenn der Versicherungsschutz über diesen Weg nicht ausreicht, sollte eine gesonderte Photovoltaik-Versicherung abgeschlossen werden.

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