Wie sparsam sind die Deutschen bei Lebensmitteln?

Die Deutschen sind für ihre Sparsamkeit bekannt. Das spiegelt sich auch am Einkaufsverhalten von deutschen Bürgern wider, wenn man sich zumindest die Ergebnisse einiger Untersuchungen vor Augen führt: Vor allem bei dem Einkauf von Lebensmitteln sehen sie sehr viele Deutsche nach Sonderangeboten um, damit sie zum möglichst kleinen Preis, möglichst viel bekommen. Das Einkaufsverhalten zeichnet sich aber nicht nur dadurch aus, dass der Einkauf günstig, sondern auch schnell vonstatten gehen soll. Sofern machbar, versuchen die meisten also sowohl am Geld, als auch an der Zeit zu sparen.

Wie sparsam sind die Deutschen bei Lebensmitteln?

Lebensmittel nur ein kleiner Teil der monatlichen Gesamtausgaben

Laut einer Studie geben die deutschen Bürger für Lebensmittel rund 10,3% ihres Einkommens aus. Im Vergleich mit anderen Ländern geben die Deutschen somit für ihre Nahrungsmittel nur wenig Geld aus. Gemessen am durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen und dem Verhältnis zu den Ausgaben für Essen und Getränke, ist Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Nationen sogar am sparsamsten. Im weltweiten Vergleich belegt Deutschland den 9. Platz der Gering-Ausgeber für Lebensmittel. Von den reicheren Industrienationen sind lediglich die Einwohner in den USA und in der Schweiz sparsamer, wenn es um die Ausgaben für Lebensmittel geht.

Die Suche nach Rabatten

Eine Studie des Marktforschungsunternehmen Nielsen hat außerdem gezeigt, dass Sonderangebote für rund 65% der Deutschen wichtig sind. Etwa 59% gaben außerdem an, dass ihnen ein schnelles Abarbeiten ihres Einkaufszettels wichtig ist. “Besonders gefragt sind die Angebote der Discounter wie Lidl, Aldi, und Penny”, wie ein Sprecher des Shopping- und Preisvergleichsportal Kimbino bestätigt. “Im Vergleich zu anderen Ländern bieten sich die Discounter in Deutschland einen enorm großen Preiskampf, da die wöchentlichen Umsätze stark von den günstigsten Sonderangeboten für die gängigsten Lebensmittel abhängt.” Ein Großteil der Kunden, die hierzulande in Supermärkten einkaufen, gehen demnach sehr bewusst in den Markt, der die besten Rabatte wie Obst, Wurst, Kaffee oder weitere gängige Lebensmittel anbieten kann.

Ess- und Einkaufsgewohnheiten deutscher Bürger

Im Jahr 2018 war im Schnitt jeder deutsche Haushalt etwa 193 Mal einkaufen und gab durchschnittlich 20,- Euro pro Einkauf aus. Im vorherigen Jahr waren es noch drei Einkäufe mehr im Schnitt und es wurden etwa 19,40 Euro ausgegeben.

Die Deutschen bevorzugen laut einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung dabei das One-Stop-Shopping, bei dem alle Einkäufe auf einmal in nur einem Lebensmittelgeschäft erledigt werden. Die Gesellschaft für Konsumforschung sieht den Grund für die gesunkene Zahl der Einkäufe in dem Beschäftigungsboom durch den wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser hat zur Folge, dass die Menschen zunehmend weniger Zeit für Familie und Freunde und auch fürs Shopping haben. Daher klingt es nur allzu logisch, dass viele Personen möglichst zeitsparend Einkäufe erledigen.

Die Zeitersparnis geht aber für einige ebenso auf Kosten des Essens. Denn viele Teilnehmer der Umfrage gaben zwar an, Spaß am Kochen zu haben. Allerdings bereiten nur noch etwa 40% der Deutschen ihre Mahlzeiten täglich selbst zu. Neben der Zeit, die die Zubereitung in Anspruch nimmt, liegt dies auch am großen Angebot von zubereitetn Speisen. So essen viele Personen mindestens eine Mahlzeit am Tag in Einrichtungen, wie Schulen, Kindergärten und Betrieben. In der Freizeit werden natürlich auch zunehmend Restaurants oder Schnellimbisse aufgesucht.

Wichtige Faktoren für Kaufentscheidungen

Günstig und schnell – so kann man die Präferenz der Deutschen hinsichtlich ihrer Lebensmitteleinkäufe zusammenfassen. Dies scheint ein wenig widersprüchlich, wenn man sich die Daten der jährliche Forsa-Befragung zu Ess- und Einkaufsgewohnheiten für das Jahr 2019 genauer ansieht: Laut dieser Untersuchung ist es den Deutschen wichtig ist, dass das Essen schmeckt und gesund ist. Die Ergebnisse beruhen auf einer Umfrage von 1000 Deutschen ab 14 Jahren, die stellvertretend für alle deutschen Bürger befragt wurden. Dem Ernährungsreport, in dem die Ergebnisse zusammengefasst wurden, lässt sich weiterhin entnehmen, dass den Menschen nicht nur Geschmack und Gesundheit im Bezug auf ihre Nahrungsmittel wichtig sind, sondern auch Qualität und Nachhaltigkeit eine große Rolle spielen.

Inwieweit der Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanspruch in Relation zu den Preisen gebracht werden können, wurde in dieser Befragung leider nicht untersucht. Fakt ist aber, dass wesentlich nachhaltiger produzierte Bio-Lebensmittel stets höhere vom Kunden abverlangen, als die günstigeren Lebensmittel – mit wesentlich höherer Nachfrage.

Bewusste Kaufentscheidungen bei Lebensmitteln

Zusammenfassend lässt dennoch sagen, dass in Deutschland sehr bewusste Kaufentscheidungen beim Lebensmitteleinkauf treffen. Wenig verwunderlich ist, dass der Geschmack des Essens für 99% der Befragten wichtig ist – und somit klar auf dem ersten Platz aller Kaufentscheidungen liegt. Auf gesunde Nahrungsmittel legen sowohl Frauen mit 94%, als auch Männer mit 88% großen Wert. Welche Art von Lebensmittel die Befragten jedoch als gesundes bzw. ungesundes Lebensmittel kategorisieren, wurde in dieser Untersuchung jedoch nicht genauer erörtert.

Weitere wichtige Kaufentscheidungen hängen selbstverständlich von den individuellen Ernährungsgewohnheiten der Befragten ab. So gaben rund 6% der Befragten an, dass sie sich ausschließlich vegan oder vegetarisch ernähren. Der restliche Teil ist mehr oder minder regelmäßig Fleisch- und Wurstwaren. Knapp ein Drittel gab sogar an, täglich Fleischprodukte zu konsumieren – und das obwohl für die meisten Befragten der Tierschutz bei der Kaufentscheidung von Lebensmitteln ebenfalls eine große Rolle spiele. Fast zwei Drittel der Teilnehmer gaben außerdem an, dass sie täglich Obst, Gemüse und Milchprodukte zu sich nehmen.

Auch die Nährwerte spielen bei einem großen Teil eine Rolle. So ist es für mehr als die Hälfte der Befragten wichtig, wie hoch die Zuckermengen und Fettanteile der in Frage kommenden Lebensmittel sind. Zusammenfassend lässt sich also behaupten, dass bei einem Großteil der Deutschen viele Faktoren zusammen kommen, wenn eine Kaufentscheidung hinsichtlich der Lebensmittel getroffen wird. Sowohl Herkunft als auch Inhalte der Nahrungsmittel werden zumindest hinterfragt, sodass guter Geschmack bei weitem nicht das einzige ist, was beim Essen eine Rolle spielt.

Weitere Quellen zum Artikel:
Einkaufsverhalten der Deutschen” auf rp-online.de
BMEL Ernährungsreport” auf in-form.de

Bildquelle: pixabay.com

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